Atomkraft ist die Zukunft

Geschrieben von Richard am 9 Jul 2008 |

Angesichts der hohen Ölpreise diskutieren konservative und auch nicht so konservative Politiker inzwischen wieder die Vorzüge der Kernkraft. Gern wird da die besonders hohe Umweltverträglichkeit kolportiert (CO2-neutral). Mir wird dann regelmäßig unwillkürlich schlecht. Nicht nur weil es einfach dumm ist, nicht in wirklich zukunftsweisende Technologien zu investieren und eines Tages dort dann die dicken Gewinne einzufahren, sondern auch wegen Meldungen wie dieser. In einem französichen Kernkraftwerk laufen 30.000 Liter radioaktive Flüssigkeit in die Umgebung. Gesundheitliche Gefährdungen bestanden angeblich nur in geringem Ausmaß. Dann steht da noch, dass diese uranhaltige Lösung 12 Gramm (!) Uran pro Liter enthalten hat (Grenzwert für Trinkwasser: 15µg/l). Insgesamt sind dann also 360 kg Uran in die Umwelt gelangt. Um das auf eine Konzentration unter dem Grenzwert zu bringen, sind etwa 30.000.000 m² Wasser notwendig (der Barleber See enthält etwa 10 Mio. m²). Das klingt für mich nicht mehr wie ein unbedenkliches Vorkommnis. Vor allem, wenn man bedenkt, dass beim Design von Kernkraftwerken mit der strikten Trennung in verschiedene Kühlkreisläufe großer Wert darauf gelegt wird, dass eben genau kein uranhaltiges Kühlwasser austreten kann.


“Klimafreundliche” Ölsandaufbereitung

Geschrieben von Richard am 11 Sep 2007 |

Offenbar plant Shell für die Rohölgewinnung aus Ölsanden in Kanada zukünftig auch Nuklearenergie einzusetzen.

Die Rohölgewinnung aus Ölsanden ist eine energieintensive Sache, bei der zur Separierung des Gemisches aus Sand/Ton, Wasser und sehr schwerem Rohöl Unmengen von heissem Wasser und damit Energie benötigt werden. Bei der Produktion von einem Barrel Rohöl fallen so mehr als 80kg Treibhausgase1 und 4 Barrel Abwasser an.

Nun kommt zur Deckung der Energiemengen offenbar neben der jetzigen Verwendung von Gas als Energieträger auch Atomkraft ins Spiel. Das lässt zumindest der Bau eines neuen, mehr als 4 Mrd. Euro teueren Atomkraftswerks für Energie Alberta vermuten. Die Kapazität des Kraftwerks ist nach Angaben der Betreiber bereits zu 70% an einen großen Abnehmer verkauft, der nicht genannt werden will.

Auf Nachfrage wollte ein Sprecher von Shell Kanada weder bestätigen noch dementieren, der Abnehmer zu sein. Allerdings gehöre Atomernergie zu den erwogenen Optionen.

Grund für den erhöhten Energiebedarf ist die geplante Verfünffachung der Produktionsmenge von derzeit 155.000 Barrel pro Tag innerhalb der nächsten 20 Jahre.

Walt Patterson, Mitglied des Think-Tanks Chattham House dazu: “Allein die Extraktion von Rohöl aus Ölsand macht mir schon Angst. Die ganze Idee ist vor dem Hintergrund der derzeitigen Klimaschutzdebatte vollkommen pervers. Das ganze dann auch noch mit Atomstrom zu betreiben, ist die schlechteste aller Ideen.”

Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was da gerade passiert: Die Rohölproduktion aus immer schlechter zugänglichen Lagerstätten wird durch die steigende Rohölpreise lukrativ, verschlingt aber Unmengen von Energie, hinterlässt Tagebaulöcher in der Größe von kleinen europäischen Staaten und soll nun auch noch mit Atomkraft betrieben werden. Fehlt nur noch, dass das Ganze dann als Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen deklariert wird.

  1. etwa 3mal mehr als bei konventioneller Produktion []