Gutes Netz

Geschrieben von Richard am 20 Apr 2009 |

Ich habe gerade keine Lust mehr über Netzsperren und deren noch viel schlimmere Ausgestaltung oder gar dumme Ideen der Jungen Union nachzudenken. Darum verlinke ich hier mal einen Grund, warum das Netz gut ist und nicht böse, es zeigt uns unter anderem sowas:

Ich sitze hier immernoch mit offenem Mund und muss gerade daran denken, dass wir früher schon ziemlich stolz waren, wenn wir ein Stück auf dem Hinterrad fahren konnten….


Von China lernen…

Geschrieben von Richard am 2 Sep 2008 |

Als ich Anfang der 90er mit dem Studium anfing, waren Begriffe wie ‘lean production’ und ‘just in time’ noch Schlagworte, mit denen man leicht erklären konnte, warum es auch gut ist, von Asien zu lernen. Das ist auch zweifelsohne immernoch so. Doch nun schlägt ein irrlaufender Parlamentarier ausgerechent eine Praxis zu Übernahme vor, die monatelang Gegenstand erbitterter Diskussionen war und ist und vor allem von westlichen Demokratien gegenüber China gern als Misstand angeprangert wird: die Zensur des Internet. Hans-Peter Uhl (CSU, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag) lässt den Focus wissen, dass er gern Provider per Gesetz zwingen will, bestimmte Seiten aus dem Netz zu nehmen.

Spätestens seit den Olympischen Spielen in Peking wisse man, was möglich sei: „Was die Chinesen können, sollten wir auch können. Da bin ich gern obrigkeitsstaatlich.”

Ich bin sicher, das die Vergabe der Spiele nach Peking irgendwo im hintersten Ende auch die Motivation hatte, mehr Offenheit in das Reich der Mitte zu exportieren. Offenbar funktioniert der Ideenaustausch aber auch mit umgekehrtem Vorzeichen.

Update: Auf abgeordentenwatch.de harrt im Übrigen eine Frage zu diesem Interview auf Beantwortung. hat Herr Dr. Uhl eine Frage zu diesem Interview beantwortet. Darin bringt er seine Empörung zum Ausdruck und erklärt, warum eine solche Sperre nur bedingt sinnvoll ist. Für notwendig hält er sie jedoch nach wie vor, oder vorsichtiger: Wert, darüber nachzudenken. Von China ist dann auch keine Rede mehr.  


FussballKultur

Geschrieben von Richard am 9 Jun 2008 |

Der Moritzhof hat mir in den letzten Jahren eine Reihe wirklich bemerkenswerter Abende beschert. Großartige Filme habe ich dort zum ersten mal gesehen und bemerkenswerte Stunden mit Livemusik verbracht. Auch Max Goldt und zuletzt Wiglaf Droste habe ich dort erlebt. Nun kann man da auch Fussball gucken. Der Newsletter, der über das aktuelle Programm informiert, liest sich für den 12.06.2008 so:

Donnerstag, 12. Juni
18.00 Uhr FußballKultur zur EM 2008: Kroatien – Deutschland
20.15 Uhr Mr. Shi und der Gesang der Zikaden
20.45 Uhr FußballKultur zur EM 2008: Österreich – Polen

Ich befürchte, diese Kombination wird zum Zusammentreffen völlig unterschiedlicher Interessen führen, bei denen für mich klar ist, wer da den Kürzeren zieht. weiterlesen »


Sinkewitz

Geschrieben von Richard am 18 Jul 2007 |

Mal wieder Doping beim Radsport. Bei der Tour de France. Im T-Mobile-Team. SpOn titelt “Fall Sinkewitz: Positive A-Probe erschüttert den Radsport“. Erschüttert? Das kann mich nicht mal mehr überraschen! Jedem, der die Geständnisse der letzten Wochen und Monate gesehen oder gelesen hat, musste klar sein, das die Methoden des Doping sicher feiner werden würden aber ein Radsport ohne Doping eine schlichte Utopie ist, solange dort viel Geld verdient wird. Bezeichnend ist auch das Statement des Teamchefs des T-Mobile Teams Bob Stapleton auf die Frage warum Doping in einem Team möglich ist, dass nach eigenen Angaben das härteste interne Kontrollprogramm aller Profiteams hat: “Wir führen keine Anti-Dopingtests im Team durch. Das liegt in der Verantwortung der deutschen Nationalen Antidopingagentur und der anderen Anti-Dopingagenturen. Wir kontrollieren das Blutvolumen und führen langfristrige Tests durch, aber wir testen nicht intern auf Testosteron. Wenn wir Antidopingtests im eigenen Team durchführen würden, könnte man uns vorwerfen, dass wir gezieltes Doping betreiben und das Verhalten der Fahrer damit steuern.” Na prima. Bei internen Testosteron-Tests1 wäre aber der dopende Radler aufgefallen. Und der PR-Gau vielleicht zu verhindern gewesen. Wenn die Teams keine internen Antidopingtests durchführen, kann man ihnen zumindest vorwerfen, unerlaubte Mittel zu billigen. Wie wäre es mit einer Selbstverpflichtung zu interen Kontrollen durch unabhängige Labore, finanziert von den Teams und mit Veröffentlichung der Ergebnisse? Was ist mit strafrechtlichen Konsequenzen für die dopenden Sportler? Die gesundheitlichen Risiken halten die “Athleten” ja offenbar nicht von diesem Wahnsinn ab. Und irgendwie ist hier ja auch der Tatbestand des Betrugs erfüllt, oder?

Konsequenz für mich: Hock nicht vor der Glotze und schau dir das Pharmawettrüsten bei der Tour de France an, sondern fahr’ selber Rad. Wenigstens bis zum Biergarten….Prost!

  1. tolles Wort übrigens []

Kopfkino und Angsthaushalt (mit lauter Fussnoten)

Geschrieben von Richard am 5 Jul 2007 |

Wer schon mal länger als 3 Minuten mit einer Frau verbracht hat, kenn das Phänomen: Man(n) sitzt gedankenversunken im Liegestuhl einer Strandbar und das Gespräch mit der Begleitung, der man im Idealfall eine nicht unerhebliche Zuneigung entgegenbringt, ist angenehm abgeebbt und irgendwo zwischen ‘war ein harter Tag aber hier ist’s wirklich schön’ und ‘dashamwirunsabbaverdient’ versickert, wie das Wasser in einem Wadi in Nordafrika. Man(n) geniest den lauen Sommerabend, nippt am zwar total überteuerten aber wenigstens kühlen Bier und ist sich selbst genug. Reden ist nicht nötig.

Man(n) glaubt sich und die Welt ringsum in bester Ordnung und gibt sich dem trügerischen Gefühl hin, der weiblichen Hälfte ginge es mindestens genau so. Da braut sich aber schon Schlimmes hinter der schönen Stirn der Angebeteten zusammen. In der Zeit, die Man(n) mit süssem Nichtsdenken verschwendet hat, war die Zeitbombe im benachbarten Liegestuhl gar nicht faul und hat sich eine nette kleine Wirklichkeit nach watzlawickschem1 Vorbild gezimmert, ohne auch nur ein einziges Mal zwischendurch einen Realitätsabgleich vorzunehmen, geschweige denn das Ziel ihres unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs mit Zwischenergebnissen ihres Denkens vorzuwarnen.

“…ja dass passt Dir wieder hervorragend in den Kram! Du hast Zeit mit den Jungs am Samstag zum Spiel zu gehen und ich muss mich im Fitnesscenter abplagen!” schleudert Sie mir in deutlich ungehaltenem Ton entgegen.2 Aus dem Nichts. Ich hebe langsam mein Bier wieder auf (das ich fallen gelassen habe) und stammele reflexartig: “Tutmirleid…” Was aber war passiert?

Nachdem sich direkt vor uns eine Gruppe junger, sportlicher Studentinnen niedergelassen und ich meine Sonnenbrille nicht abgenommen hatte, war der Anlass da und die Holde an meiner Seite begann frei zu assoziieren. Das ging ungefähr so:

Die sind schlank; Ich bin fett; Er guck denen hinterher; Ich bin für ihn nicht mehr attraktiv; Ich muss abnehmen; Hab nur Samstag Zeit, aber keine Lust auf Sport, verdammt!; Wenn ich weg bin, geht er mit den Jungs zum Spiel und hat Spass und ich nicht…

Natürlich war es ein grober Anfängerfehler angesichts der potenziellen Konkurrenz nicht ein bis acht ihrer Vorzüge hervorzuheben oder wenigstens eine Ihrer Ideen zu loben (dezent und glaubwürdig, versteht sich: “Hase, ich hab nachgedacht, Kauf ruhig das neue Geschirr, 24 zusammenhängende Gedecke kann man immer mal gebrauchen!”) Das hätte definitv deeskaliert aber vor dem Hintergrund der relaxten Stimmung ist das Versagen zumindest erklärbar.

Kernproblem aber ist das Weiterspinnen der Gedanken unter fehlender Einbeziehung der (potenziellen) Gesprächsteilnehmer.

Anderes Beispiel abseits der Beziehungsebene: Im Geografieunterricht der 8.Klasse (glaube ich) ging es um die natürlichen Ressourcen der RGW-Länder.

Lehrer fragt: “Von welchem Bodenschatz hat Ungarn bedeutende Vorkommen?”

Schüler antwortet: “Bauxit!

Lehrer: “Richtig. Und was machen die daraus?”

Schüler: “Ikarus-Busse!3

Yeah! Eigentlich nicht gänzlich falsch aber eben unter Auslassung von einigen wesentlichen Zwischenschritten.

An selbiges Phänomen dachte ich gestern, als ich ein Statement von Sigmar Gabriel zum Klimagipfel im Radio anhören musste4, der ungefähr Folgendes von sich gab:

“Der Ausstieg aus der Atomkraft gibt den Bürgerinnen und Bürgern ein größeres Sicherheitsgefühl und wenn sich die Bürger sicher fühlen, kaufen sie sich neue Autos, die dann weniger Benzin verbrauchen.”

Ha! dachte ich im ersten Moment. Da hat er im falschen Moment ein Mikro unter die Nase gehalten bekommen (vgl. oben). Dann, nach kurzem Nachdenken: Aber nein! Das meint der wirklich so! Doppelter Umweltschutz. Weniger Atommüll und weniger CO2. Das da nicht schon eher jemand drauf gekommen ist. Das ist so brilliant. Dann aber begann das Grübeln: Warum zur Hölle sollte mich das neu gewonnene Sicherheitsgefühl dazu veranlassen, ein neues Auto zu kaufen?

Diese Denkaufgabe ist in der Tat für Fortgeschrittene. Dazu zunächst ein wenig Theorie: Seit Anbeginn der Menschwerdung ist Angst eine der elementaren Erfahrungen, die jedes Individuum (bewusst)5 durchlebt. Die Angst ist in erster Linie ein Schutzreflex, der uns in grauer Vorzeit davor bewahrt hat, vom Säbelzahntiger gefressen oder in die benachbarte Höhle verschleppt und dann verheiratet versklavt zu werden. Angst löst Fluchtreflexe aus, sorgt für zusätzliches Adrenalin und mobilisiert physische und psychische Reserven. Angst kann aber auch Individuen überfordern. Deren Angsttoleranz ist dann überschritten und der Angsthaushalt6 ist überlastet. Die Angsttoleranz ist eine individuelle Größe, die gleichsam das maximale Volumen des Angsthaushaltes beschreibt unter Einbeziehung der subjektiven Angstintensität. Idealzustand ist ein gerade eben gesättigter Angsthaushalt. Davon spricht man, wenn der Angshaushalt zu etwa 80% gefüllt ist und die Angstreserve (die oberen 20%) verfügbar bleibt.7

Liegt der Angstpegelstand dagegen deutlich unter dem Idealmass, wenden sich Testpersonen8 schnell und reproduzierbar gefährlichen Freizeitbeschäftigungen9 zu, die in aller Regel aber Kosten verursachen, die am Ende auf die Solidargemeinschaft verteilt werden müssen.

Hier kommt nun wieder Sigmar Gabriel10 ins Spiel. Die fehlende Bedrohung durch Atomkraft und das dadurch entstehende gefährliche gesamtgesellschaftliche Angstdefizit soll nun nach Plänen der Bundesregierung11 durch ein Substitutionsprogramm abgefedert werden. Dieses Substitutionsprogramm ruht im Wesentlichen auf zwei Säulen:

.1 Überwachungsstaat

.2 Autofahren für alle

Für Punkt .1 wird auch ergänzend Terrorgefahr bemüht. Aber hier haben Tests gezeigt, dass damit nicht die erwünschten Substitutionswirkung erzielt werden konnte. So hat man kurzerhand den ersten Therapieversuch (Terrorgefahr) als Rechtfertigung für den Zweiten (Überwachungsstaat) hergenommen. Sehr schlau das.

Punkt .2 funktioniert immer. Ein neues Auto füllt den Angsthaushalt mit mehreren kleinen, gut doiserbaren Ängsten auf wie Verlustangst, Zerkratzangst oder auch Der-Nachbar-hat-ein-Größeres-Angst usw. Damit diese Strategie auch aus dem Mund des Bundesumweltministers glaubwürdig klingt, weist er noch vorsichtig darauf hin, dass die neuen Autos natürlich zur Schadstoffreduzierung beitragen. Damit ist die Saat gelegt (Der Bürger, der das anhört, denkt: ‘Mensch, ein neues Auto habe ich mir wirklich verdient, und jetzt wo die Atomkraft weg ist…’), die Autoindustrie gestützt und der Angsthaushalt gesamtgesellschaftlich kostengünstig verträglich reguliert.
Der Atomausstieg ist ein deutlich komplexeres Problem, als das diese Ökoheinis immer wahrhaben wollen. Da muss man schon mit einem Konzept rangehen.

Faszinierend oder? Selten sind Statements von Politikern einfach nur Geschwafel. Die habens drauf. Auch wenn uns das nicht gleich offenbar wird.

  1. Paul Watzlawick, Wie wirklich ist die Wirklichkeit. Wahn, Täuschung, Verstehen. Piper, München 1976, ISBN 3-492-02182-4 []
  2. ‘What the fuck…?’ []
  3. Richtige Antwort wäre Aluminium gewesen []
  4. obwohl ich mit nicht mehr sicher bin, ob ich da nicht halluzinierte []
  5. das unterscheidet uns vom Tier []
  6. Fachwort []
  7. Darüber wird allerdings auf Angstkongressen und in der freien Amatuerangstszene teilweise sehr kontrovers diskutiert []
  8. das haben klinische und auch empirische Studien eindeutig gezeigt, vgl. dazu Prof.Dr. Friedbert Angst-Hase []
  9. Günxmurfl []
  10. als Teil der Bundesregierung, die hier eng verzahnt agiert []
  11. gewöhnlich gut informierte Kreise haben mir diese Informationen zugespielt []

Confed-Cup als VIP

Geschrieben von Richard am 3 Mai 2007 |

In 2005 hatte ich die Chance das ConfedCup-Spiel Mexico-Brasilien als VIP mitzuerleben. Hier der Bericht, wie ich ihn seinerzeit mit der unverholenen Absicht anzugeben, an Freunde verschickt hatte:

Fussball war schon geil. Auch der ganze Vip-Zauber ringsrum. Inzwischen hab ich auch rausgefunden, warum diese VIP-Kacke veranstaltet wurde. Die FiFa hat an Firmen diese Promotionangebote/-geschenke ausgeteilt, um die Paketangebote für Firmenkunden für die Fussball-WM für teuer Geld zu verticken. Als Präsentation der Services, die im nächtsten Jahr den Inhabern ebensolcher Tickets angedient werden. Und da wurde ne Menge geboten.

Erstmal war es schon sehr cool, mit meinem alten, dreckigen, vogelbekacken Golfi mit einer Superdupervipparkplatzsondergenehmigung durch alle Absperrungen bis direkt ans Stadion zu fahren.
Polizist an der ersten Sperre:
“Keine Chance hier kommt ihr nicht mehr durch, alles voll” Casten (leiert Scheibe ein bissel weiter runter): “Naja, wir haben hier so eine VIP-Karte…” Bulle (lächelt, denkt vermutlich: ‘Wo haben DIE denn sowas her’): “Na Jungs, dann klemmt die mal schön in die Scheibe. Viel spass!” Wir hätten uns einen Porsche Boxter mieten sollen.

Dann mindestens vier Sicherheitschecks, bei denen das Personal immer schöner, weiblicher und freundlicher wurde.
Erste Stufe: solariumsverkokelte Schränke in schwarzen Anzügen, Sonnenbrille, Beule in der Jacke und Mann im Ohr. Böse gucken mussten die nicht mehr üben. Eintrittskarte (ich sollte wohl sagen: VIP-ticket) abgerissen. Körperchen abgetastet, wohlwollend genickt, weil ich meinen Sprengstoff im Auto gelassen hatte.
Zweite Stufe: freundliche Türaufhaltedamen, Kontrollblick auf Umhalshaengevipkarte
Dritte Stufe: Colgatelächeln einer ganzen Armee von handverlesenen Hostessen. Umhalshängevipkarte gelocht und rotes Allinclusivearmbändchen angelegt.
Vierte Stufe: Oberchefandentischbringerin fragt uns, wer wir sind. Ich stottere, weil ich schon wieder vergessen hatte, das ich für den “Verband der Metall- und Elektorindustrie Sachsen-Anhalt” hier bin, um die Service-Qualität zu testen.

Spätestens hier war ich froh wenigstens ein weisses hemd anzuhaben. Carsten ist besser vorbereitet und zwei Minuten später sitzen wir am Fenster der VIP-Lounge der Haupttribüne und bekommen ein geliertes Gaspacchio mit Büsumer Krabben und Wasabicreme als Vorspeise. Genau richtig nach dem Hochzeitsgelage vom Vortag. Ich trinke literweise Wasser, weil die Sonne genau auf die VIP-Lounge draufknallt und Treibhausklima erzeugt. Das ist dann auch der einzige Minuspunkt: Klimatisierung der Lounge ist nicht der Hammer.

Carsten trinkt Bier und wir gucken sonnenbebrillt die enthusastischen brasilianischen und mexicanischen Fans auf den billigen Plätzen (die sooo billig sicher auch nicht waren) an. Nach dem Essen (Buffet mit glasierter Kalbshaxe, gebratenem Zander, Stubenküken und allerlei leckeren Nudeln und Gemuesen, nicht zu vergessen die besten Desserts, die ich je gesehen hab, ich bin froh das mein Magen wieder ok ist und esse 3 davon) nehmen wir unsere gepolsterten Sessel ein (nicht diese Hartschalenfoltersitze, bei denen man immer ein Kissen mitbringen muss). Die Plätze liegen 15 Meter vom Spielfeldrand entfernt schräg hinter der brasilanischen Auswechselbank. Wir können also ganz gut sehen. Das Stadion ist ausverkauft und die Leute sind gut drauf.

Das Spiel ist nicht das Beste, was der Sport zu bieten hat, aber schon allein desshalb interessant, weil der Schiedsrichter eine inakzeptable Leistung bietet. Wenigstens dürfte das Spiel desshalb in die Geschichte eingehen, weil der Schiri einen Elfmeter für die Mexicaner zwei mal wiederholen lässt. Der erste ging rein, der zweite an die Latte und der dritte in die Hände des brasilianischer Tormannes. Der unglückliche Schütze macht dann aber mit einem Kopfball in der zweiten Hälfte alles wieder gut. Die Brasilianer bekommen ein Abseitstor nicht zugesprochen und verlieren. Einmal läft eine Laola-Welle acht mal durch das Stadion, nachdem das vorher ein paar mal am VIP-Block gescheitert war.

In der Halbzeit gibt’s Getränke von wieder zahlreichen handverlesenen Hostessen, die aus ihren sicher tonnenschweren Bauchläden mit einem Lächeln Bier und andere Durstlöscher austeilen. Auf den Tischen stehen lecker Mett- und Käsebrötchen. Das Büffet ist immernoch offen. Ich halte mich wieder an die Desserts. Ich stelle fest, das es auch noch VIP’s mit goldenen Armbändchen gibt, die über uns auf der Tribuene rumstehen und noch ein bissel wichtiger sind als wir. Der Kaiser und der Kanzler sind auch da und ein paar andere Very-VIP’s. Auf Ebene zwei dürfen wir aber nicht. Smalltalk mit dem Kanzler wäre dann aber wohl auch ein bissel too much gewesen.

Nach dem Spiel gibt’s Chili con Carne und irgendein Gericht mit schwarzen Bohnen (Mexico-Brasilien eben) und wieder Bauchladenbier.

Wir kommen ganz gut wech. Hannover ist verkehrstechnisch nicht so dicht wie ich befürchtet hatte. Ausserdem sind wir ja auch schnell beim Auto. Kurz vor Eins lieg ich im Bett, nachdem sich die Autobahn irgendwie wie 250km anfühlte, allerdings wenigstens staufrei war.

Alles in allem geiles Event, das man aber privat niemals bezahlen kann (oder will). Äquivalente Karten für die WM kosten im Paket für 3 Spiele und vier Personen etwas über 8.000 Euro. Nach Adam Riese also knapp 700 Tacken pro Nase und Spiel für 2 Gruppenspiele und ein Achtelfinale. Da kann man nur hoffen, das ein Geschäftsfreund einen so nett findet und auf Firmenkosten einläd…für mich stehen die Chancen da aber eher schlecht.