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	<title>RichardConrad.de &#187; semifiktiv</title>
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		<title>Kopfkino und Angsthaushalt (mit lauter Fussnoten)</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jul 2007 12:47:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer schon mal l&#228;nger als 3 Minuten mit einer Frau verbracht hat, kenn das Ph&#228;nomen: Man(n) sitzt gedankenversunken im Liegestuhl einer Strandbar und das Gespr&#228;ch mit der Begleitung, der man im Idealfall eine nicht unerhebliche Zuneigung entgegenbringt, ist angenehm abgeebbt und irgendwo zwischen &#8216;war ein harter Tag aber hier ist&#8217;s wirklich sch&#246;n&#8217; und &#8216;dashamwirunsabbaverdient&#8217; versickert, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer schon mal l&#228;nger als 3 Minuten mit einer Frau verbracht hat, kenn das Ph&#228;nomen: Man(n) sitzt gedankenversunken im Liegestuhl einer Strandbar und das Gespr&#228;ch mit der Begleitung, der man im Idealfall eine nicht unerhebliche Zuneigung entgegenbringt, ist angenehm abgeebbt und irgendwo zwischen &#8216;war ein harter Tag aber hier ist&#8217;s wirklich sch&#246;n&#8217; und &#8216;dashamwirunsabbaverdient&#8217; versickert, wie das Wasser in einem Wadi in Nordafrika.  Man(n) geniest den lauen Sommerabend, nippt am zwar total &#252;berteuerten aber wenigstens k&#252;hlen Bier und ist sich selbst genug. Reden ist nicht n&#246;tig.</p>
<p>Man(n) glaubt sich und die Welt ringsum in bester Ordnung und gibt sich dem tr&#252;gerischen Gef&#252;hl hin, der weiblichen H&#228;lfte ginge es mindestens genau so. Da braut sich aber schon Schlimmes hinter der sch&#246;nen Stirn der Angebeteten zusammen. In der Zeit, die Man(n) mit s&#252;ssem Nichtsdenken verschwendet hat, war die Zeitbombe im benachbarten Liegestuhl gar nicht faul und hat sich eine nette kleine Wirklichkeit nach watzlawickschem<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_0_52" id="identifier_0_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Watzlawick, Wie wirklich ist die Wirklichkeit. Wahn, T&amp;#228;uschung, Verstehen. Piper, M&amp;#252;nchen 1976, ISBN 3-492-02182-4">1</a></sup> Vorbild gezimmert, ohne auch nur ein einziges Mal zwischendurch einen Realit&#228;tsabgleich vorzunehmen, geschweige denn das Ziel ihres unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs mit Zwischenergebnissen ihres Denkens vorzuwarnen.</p>
<p>&#8220;&#8230;ja dass passt Dir wieder hervorragend in den Kram! Du hast Zeit mit den Jungs am Samstag zum Spiel zu gehen und ich muss mich im Fitnesscenter abplagen!&#8221; schleudert Sie mir in deutlich ungehaltenem Ton entgegen.<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_1_52" id="identifier_1_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&amp;#8216;What the fuck&amp;#8230;?&amp;#8217;">2</a></sup> Aus dem Nichts. Ich hebe langsam mein Bier wieder auf (das ich fallen gelassen habe) und stammele reflexartig: &#8220;Tutmirleid&#8230;&#8221; Was aber war passiert?</p>
<p>Nachdem sich direkt vor uns eine Gruppe junger, sportlicher Studentinnen niedergelassen und ich meine Sonnenbrille nicht abgenommen hatte, war der Anlass da und die Holde an meiner Seite begann frei zu assoziieren. Das ging ungef&#228;hr so:</p>
<p>Die sind schlank; Ich bin fett; Er guck denen hinterher; Ich bin f&#252;r ihn nicht mehr attraktiv; Ich muss abnehmen; Hab nur Samstag Zeit, aber keine Lust auf Sport, verdammt!; Wenn ich weg bin, geht er mit den Jungs zum Spiel und hat Spass und ich nicht&#8230;</p>
<p>Nat&#252;rlich war es ein grober Anf&#228;ngerfehler angesichts der potenziellen Konkurrenz nicht ein bis acht ihrer Vorz&#252;ge hervorzuheben oder wenigstens eine Ihrer Ideen zu loben (dezent und glaubw&#252;rdig, versteht sich: &#8220;Hase, ich hab nachgedacht, Kauf ruhig das neue Geschirr, 24 zusammenh&#228;ngende Gedecke kann man immer mal gebrauchen!&#8221;) Das h&#228;tte definitv deeskaliert aber vor dem Hintergrund der relaxten Stimmung ist das Versagen zumindest erkl&#228;rbar.</p>
<p>Kernproblem aber ist das Weiterspinnen der Gedanken unter fehlender Einbeziehung der (potenziellen) Gespr&#228;chsteilnehmer.</p>
<p>Anderes Beispiel abseits der Beziehungsebene: Im Geografieunterricht der 8.Klasse (glaube ich) ging es um die nat&#252;rlichen Ressourcen der <a title="http://de.wikipedia.org/wiki/RGW" href="http://de.wikipedia.org/wiki/RGW" target="_blank">RGW-L&#228;nder</a>.</p>
<p>Lehrer fragt: &#8220;Von welchem Bodenschatz hat Ungarn bedeutende Vorkommen?&#8221;</p>
<p>Sch&#252;ler antwortet: &#8220;<a title="http://de.wikipedia.org/wiki/Bauxit" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bauxit" target="_blank">Bauxit!</a>&#8221;</p>
<p>Lehrer: &#8220;Richtig. Und was machen die daraus?&#8221;</p>
<p>Sch&#252;ler: &#8220;<a title="http://de.wikipedia.org/wiki/Ikarus_%28Automobil%29" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ikarus_%28Automobil%29" target="_blank">Ikarus-Busse!</a>&#8221;<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_2_52" id="identifier_2_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Richtige Antwort w&amp;#228;re Aluminium gewesen">3</a></sup></p>
<p>Yeah! Eigentlich nicht g&#228;nzlich falsch aber eben unter Auslassung von einigen wesentlichen Zwischenschritten.</p>
<p>An selbiges Ph&#228;nomen dachte ich gestern, als ich ein Statement von Sigmar Gabriel zum Klimagipfel im Radio anh&#246;ren musste<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_3_52" id="identifier_3_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="obwohl ich mit nicht mehr sicher bin, ob ich da nicht halluzinierte">4</a></sup>, der ungef&#228;hr Folgendes von sich gab:</p>
<p>&#8220;Der Ausstieg aus der Atomkraft gibt den B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern ein gr&#246;&#223;eres Sicherheitsgef&#252;hl und wenn sich die B&#252;rger sicher f&#252;hlen, kaufen sie sich neue Autos, die dann weniger Benzin verbrauchen.&#8221;</p>
<p>Ha! dachte ich im ersten Moment. Da hat er im falschen Moment ein Mikro unter die Nase gehalten bekommen (vgl. oben). Dann, nach kurzem Nachdenken: Aber nein! Das meint der wirklich so! Doppelter Umweltschutz. Weniger Atomm&#252;ll und weniger CO2. Das da nicht schon eher jemand drauf gekommen ist. Das ist so brilliant. Dann aber begann das Gr&#252;beln: Warum zur H&#246;lle sollte mich das neu gewonnene Sicherheitsgef&#252;hl dazu veranlassen, ein neues Auto zu kaufen?</p>
<p>Diese Denkaufgabe ist in der Tat f&#252;r Fortgeschrittene. Dazu zun&#228;chst ein wenig Theorie: Seit Anbeginn der Menschwerdung ist Angst eine der elementaren Erfahrungen, die jedes Individuum (bewusst)<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_4_52" id="identifier_4_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="das unterscheidet uns vom Tier">5</a></sup> durchlebt.  Die Angst ist in erster Linie ein Schutzreflex, der uns in grauer Vorzeit davor bewahrt hat, vom S&#228;belzahntiger gefressen oder in die benachbarte H&#246;hle verschleppt und dann <span style="text-decoration: line-through;">verheiratet</span> versklavt zu werden. Angst l&#246;st Fluchtreflexe aus, sorgt f&#252;r zus&#228;tzliches Adrenalin und mobilisiert physische und psychische Reserven. Angst kann aber auch Individuen &#252;berfordern. Deren Angsttoleranz ist dann &#252;berschritten und der Angsthaushalt<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_5_52" id="identifier_5_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Fachwort">6</a></sup> ist &#252;berlastet. Die Angsttoleranz ist eine individuelle Gr&#246;&#223;e, die gleichsam das maximale Volumen des Angsthaushaltes beschreibt unter Einbeziehung der subjektiven Angstintensit&#228;t.  Idealzustand ist ein gerade eben ges&#228;ttigter Angsthaushalt. Davon spricht man, wenn der Angshaushalt zu etwa 80% gef&#252;llt ist und die Angstreserve (die oberen 20%) verf&#252;gbar bleibt.<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_6_52" id="identifier_6_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dar&amp;#252;ber wird allerdings auf Angstkongressen und in der freien Amatuerangstszene teilweise sehr kontrovers diskutiert">7</a></sup></p>
<p>Liegt der Angstpegelstand dagegen deutlich unter dem Idealmass, wenden sich Testpersonen<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_7_52" id="identifier_7_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="das haben klinische und auch empirische Studien eindeutig gezeigt, vgl. dazu Prof.Dr. Friedbert Angst-Hase">8</a></sup> schnell und reproduzierbar gef&#228;hrlichen Freizeitbesch&#228;ftigungen<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_8_52" id="identifier_8_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="G&amp;#252;nxmurfl">9</a></sup> zu, die in aller Regel aber Kosten verursachen, die am Ende auf die Solidargemeinschaft verteilt werden m&#252;ssen.</p>
<p>Hier kommt nun wieder Sigmar Gabriel<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_9_52" id="identifier_9_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="als Teil der Bundesregierung, die hier eng verzahnt agiert">10</a></sup> ins Spiel. Die fehlende Bedrohung durch Atomkraft und das dadurch entstehende gef&#228;hrliche gesamtgesellschaftliche Angstdefizit soll nun nach Pl&#228;nen der Bundesregierung<sup><a href="http://www.richardconrad.de/wordpress/2007/07/05/kopfkino/#footnote_10_52" id="identifier_10_52" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="gew&amp;#246;hnlich gut informierte Kreise haben mir diese Informationen zugespielt">11</a></sup> durch ein Substitutionsprogramm abgefedert werden. Dieses Substitutionsprogramm ruht im Wesentlichen auf zwei S&#228;ulen:</p>
<p>.1 &#220;berwachungsstaat</p>
<p>.2 Autofahren f&#252;r alle</p>
<p>F&#252;r Punkt .1 wird auch erg&#228;nzend Terrorgefahr bem&#252;ht. Aber hier haben Tests gezeigt, dass damit nicht die erw&#252;nschten Substitutionswirkung erzielt werden konnte. So hat man kurzerhand den ersten Therapieversuch (Terrorgefahr) als Rechtfertigung  f&#252;r den Zweiten (&#220;berwachungsstaat) hergenommen. Sehr schlau das.</p>
<p>Punkt .2 funktioniert immer. Ein neues Auto f&#252;llt den Angsthaushalt mit mehreren kleinen, gut doiserbaren &#196;ngsten auf wie Verlustangst, Zerkratzangst oder auch  Der-Nachbar-hat-ein-Gr&#246;&#223;eres-Angst usw. Damit diese Strategie auch aus dem Mund des Bundesumweltministers glaubw&#252;rdig klingt, weist er noch vorsichtig darauf hin, dass die neuen Autos nat&#252;rlich zur Schadstoffreduzierung beitragen. Damit ist die Saat gelegt (Der B&#252;rger, der das anh&#246;rt, denkt: &#8216;Mensch, ein neues Auto habe ich mir wirklich verdient, und jetzt wo die Atomkraft weg ist&#8230;&#8217;), die Autoindustrie gest&#252;tzt und der Angsthaushalt gesamtgesellschaftlich <span style="text-decoration: line-through;">kosteng&#252;nstig </span>vertr&#228;glich reguliert.<br />
Der Atomausstieg ist ein deutlich komplexeres Problem, als das diese &#214;koheinis immer wahrhaben wollen. Da muss man schon mit einem Konzept rangehen.</p>
<p>Faszinierend oder? <a title="Sch&#228;uble stoibert" href="http://netzpolitik.org/2007/schaeuble-stoibert-ueber-die-online-durchsuchung/" target="_blank">Selten sind Statements von Politikern einfach nur Geschwafel. </a>Die habens drauf. Auch wenn uns das nicht gleich offenbar wird.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_52" class="footnote">Paul Watzlawick,<em> Wie wirklich ist die Wirklichkeit. Wahn, T&#228;uschung, Verstehen</em>. Piper, M&#252;nchen 1976, ISBN 3-492-02182-4</li><li id="footnote_1_52" class="footnote">&#8216;What the fuck&#8230;?&#8217;</li><li id="footnote_2_52" class="footnote">Richtige Antwort w&#228;re Aluminium gewesen</li><li id="footnote_3_52" class="footnote">obwohl ich mit nicht mehr sicher bin, ob ich da nicht halluzinierte</li><li id="footnote_4_52" class="footnote">das unterscheidet uns vom Tier</li><li id="footnote_5_52" class="footnote">Fachwort</li><li id="footnote_6_52" class="footnote">Dar&#252;ber wird allerdings auf Angstkongressen und in der freien Amatuerangstszene teilweise sehr kontrovers diskutiert</li><li id="footnote_7_52" class="footnote">das haben klinische und auch empirische Studien eindeutig gezeigt, vgl. dazu Prof.Dr. Friedbert Angst-Hase</li><li id="footnote_8_52" class="footnote">G&#252;nxmurfl</li><li id="footnote_9_52" class="footnote">als Teil der Bundesregierung, die hier eng verzahnt agiert</li><li id="footnote_10_52" class="footnote">gew&#246;hnlich gut informierte Kreise haben mir diese Informationen zugespielt</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>L&#246;cher in den Socken</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Oct 2003 12:23:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Replik auf eine Provokation* Es droht wieder einer dieser hei&#223;en Tage im Sommer &#8217;03, den wohl niemand in die Reihe der verregneten Schei&#223;-Sommer der letzten Jahre einordnen w&#252;rde; auch nicht der miesepetrigste Miesepeter aus dem sch&#246;nen MD; (und die sind ja daf&#252;r bekannt, nicht unbedingt immer Inhaber der allerbesten Laune zu sein). Ich fahre mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Replik auf eine Provokation*</p>
<p>Es droht wieder einer dieser hei&#223;en Tage im Sommer &#8217;03, den wohl niemand in die Reihe der verregneten Schei&#223;-Sommer der letzten Jahre einordnen w&#252;rde; auch nicht der miesepetrigste Miesepeter aus dem sch&#246;nen MD; (und die sind ja daf&#252;r bekannt, nicht unbedingt immer Inhaber der allerbesten Laune zu sein). Ich fahre mit der Stra&#223;enbahn zur Arbeit, weil mein Fahrrad einen Platten hat und ich mir immer noch keine neue Luftpumpe geklaut hab.</p>
<p>In der Bahn sitz mir eine junge Dame gegen&#252;ber, die diese Bezeichnung nicht im Mindesten verdient. Ihre stelzengleichen Beine stecken in ziegelroten Stoffhosen, die volumin&#246;s &#252;ber die auf monolithischen Bl&#246;cken thronenden F&#252;&#223;e f&#228;llt. Eine blousonartige, khakifarbene Jacke verh&#252;llt die schmalen Schultern und ihre knabenhafte Brust wird von einem gut gepolsterten BH weit nach oben geschn&#252;rt. Mir bleibt die Luft weg. Ihr offenbar nicht, denn die Tortur hat noch kein Ende. Ihre vor einiger Zeit gef&#228;rbten schwarzen Haare sind zu einem Zopf gebunden, der die Gesichtsz&#252;ge merklich strafft. Ihr Blick ist leer und b&#246;se. Meine Phantasie vermag sich nicht auszumalen, welche D&#228;monen aus ihr das gemacht haben, was ich anschauen muss. Diese D&#228;monen h&#246;chstselbst m&#252;ssen wohl auch f&#252;r die enorme Menge Farben in ihrem Gesicht verantwortlich sein.<br />
Die Bahn h&#228;lt und die &#8220;Dame&#8221; begibt sich zur T&#252;r. Noch ehe diese &#246;ffnet, brennt ihre Zigarette. Ich sehe den K&#246;rper, der einst einem jungen M&#228;dchen geh&#246;rt haben muss, auf den schwarzen Quadern unbeholfen auf eine Gruppe Gleichgesinnter zustolpern. Prima, denke ich, das kann ja nur noch besser werden.<br />
Ich bin m&#252;de.<br />
Mit Freuden kommt mir in den Sinn, dass heute Vormittag die betriebs&#228;rztliche Untersuchung ansteht. Das bedeutet im Klartext: zwei Stunden im Wartezimmer sitzen, unterbrochen von der Abgabe einer Urinprobe, einem Sehtest und einem zehnmin&#252;tigen Gespr&#228;ch mit der &#196;rztin der Berufsgenossenschaft, indem sie mir wieder erkl&#228;rt, wie toll sie das findet, dass mein Drucker im B&#252;ro drei Zimmer weiter steht, und ich immer aufstehen muss, um das Papier zu holen. Sie findet das aus rein medizinischer Sicht toll. Wegen dem R&#252;cken und der sonst fehlenden Bewegung nat&#252;rlich. Wissenschaftlern wie ihr ist so etwas wie Schadenfreude nat&#252;rlich fremd. Ihr Drucker steht am Fenster. Arml&#228;nge entfernt.<br />
Eingebettet wird diese Konversation in einen Vortrag zur richtigen Sitzhaltung am Arbeitsplatz. Wenn die w&#252;sste, wie ich immer auf meinem Stuhl hocke, w&#252;rde die mich glatt in eine Vorlesung von angehenden ArbeitshygenikerInnen schleppen. Als Anschauungsobjekt. Als ganz schlechtes Beispiel. Sie w&#252;rde wohl S&#228;tze sagen wie:<br />
&#8220;Die Sitzhygiene dieses jungen Mannes ist mangelhaft, meine Damen und Herren!&#8221; Dabei w&#252;rde sie mit einem dieser ausziehbaren Zeigest&#246;cke in Kugelschreibergr&#246;&#223;e auf mein deformiertes R&#252;ckgrad deuten und triumphierend dreinschauen. Das muss ich nicht haben. Ich entziehe mich dem, indem ich ihr &#252;ber mein Sitzverhalten frech die Hucke volll&#252;ge. Kurz denke ich an die jungen, blonden, gut gebauten und meist etwas d&#252;mmlichen Dinger, die zweifelsohne im Doppelpack auch in dieser Vorlesung in der ersten Reihe sitzen w&#252;rden, verwerfe aber den Gedanken ganz schnell wieder.<br />
Die mir gegen&#252;bersitzende Betriebs&#228;rztin war vermutlich auch mal so ein junges, gieriges Ding. Nach einer Flasche Tequila hat sie dir dann gezeigt, was man mit Handschellen in ihrem Stahlbett so alles anstellen kann. Am n&#228;chsten Morgen hatte man dann rote Male an den Handgelenken, rasende Kopfschmerzen, eine tote Katze im Mund und keine Ahnung wie man die verdammten Handschellen wieder aufbekommt, um sich leise zu verpissen.</p>
<p>Wenn sie w&#228;hrend des Medizinstudiums nicht immer wieder die gleichen Drogenselbstversuche gemacht h&#228;tte, w&#252;rde sie heute am offenen Herzen operieren und nicht bl&#246;de Vortr&#228;ge &#252;ber Sitzhygiene halten. Sicher sitzt sie jetzt jeden Abend stumm in ihrem abgedunkelten Wohnzimmer, streichelt ihren kleinen Yorkshire &#8211; Terrier mit Schleife auf dem Kopf, starrt die Tapete an und denkt sehns&#252;chtig an ihr altes Stahlbett.Ich bin entlassen, gel&#228;utert, bekehrt. Ich werde noch heute mein Sitzverhalten verbessern. Jawohl. Nur um dem Leben dieser Frau einen Sinn zu geben.</p>
<p>Im Vorzimmer verrichtet eine interessante junge Dame ihr Tagwerk. Ihr mehr als mittellanger K&#246;rper steckt in einem etwas zu engen Kittel, der kurz &#252;ber dem Knie endet. Ich danke daf&#252;r. Ihre Haare sind schwarz und kurz. Das Schwarz scheint echt, denn ihre Augen sind es auch. Ich suche nach dem Flaum auf ihrer Oberlippe, den ihr schwarzes Haar und die &#252;ppige Behaarung auf ihren Unterarmen vermuten l&#228;sst. Nix ist da. Ich &#252;berlege kurz, ob ich sie nach der Marke ihres Rasierers fragen soll, weil ich mich mit meinem immer wieder schneide. Ihre Haut ist hingegen glatt und ohne Makel. Ich verwerfe den Gedanken. Es kommt mir unm&#228;nnlich vor, mir von einer Frau in Sachen Rasur Rat zu holen.<br />
Sie ist eine resolute Person: Mit festem Blick auf mich gerichtet und ausgestrecktem Arm in Richtung Toilette, dr&#252;ckt sie mir mit der anderen einen dieser kleinen Plastebecher in die Hand. Sie unterl&#228;sst nicht, mich daran zu erinnern, das H&#228;ndewaschen nicht zu vergessen.</p>
<p>&#8220;&#8230;und lassen Sie gleich Ihre Schuhe und die Jacke da, wie m&#252;ssen Sie noch wiegen!&#8221; ruft die mir freundlich zu. Ich denke kurz dar&#252;ber nach, wie sie das WIR wohl gemeint haben k&#246;nnte. Ich hab&#8217; zugenommen, ok. Aber ich bin &#252;berzeugt, dass ich es auch ohne fremde Hilfe auf die Waage schaffe.<br />
Ich entledige mich also meiner Schuhe und der Jacke. Ich schaue an mir herunter und sehe: zwei L&#246;cher in der rechten Socke&#8230;</p>
<p>&#8220;Shit!&#8221; entf&#228;hrt es mir leise. Ob der katastrophalen Fu&#223;bekleidung w&#252;nsche ich ruckartig im Boden zu versinken. Ich kann mir gut vorstellen, wie sie auf diesen Mangel reagieren wird. Mir muss ganz schnell etwas einfallen. Ich ziehe also die Socke soweit nach vorn, dass ich den entstehenden Zipfel zwischen die Zehen klemmen kann. Die L&#246;cher sieht man nicht mehr, aber laufen kann ich so auch nicht wirklich. Ich habe nun also die Wahl zwischen:<br />
a) Ich habe einen paroxysmalen Klumpfu&#223;, der mir immer mal wieder zu schaffen macht.<br />
&#8211;&gt; Nicht so gut, den will sie sicher sehen.<br />
b) Ich hab mir was eingetreten.<br />
&#8211;&gt; Das will sie erst recht sehen.<br />
c) Ich bin bl&#246;d und laufe gerne so.<br />
&#8211;&gt; Das k&#246;nnte funktionieren.<br />
Dazu kommt es aber nicht. Sie beobachtet mich einfach beim Humpeln mitleidig und sch&#252;ttelt unmerklich den Kopf. Vermutlich tr&#228;gt meine Akte jetzt einen kleinen roten Punkt. Den haben alle, denen die Schwester bei der Verabschiedung unauff&#228;llig die Adresse eines guten Psychotherapeuten zusteckt.<br />
Nach dem mir die schei&#223; Waage eine schlichte Frechheit angezeigt und die Schwester mich dazu zwingt, laut vorzulesen, was ich angeblich wiege, humple ich in die Kabine zur Urinabgabe. Ich verkneife mir die nicht unberechtigte Frage nach einem gr&#246;&#223;eren Becher, mach das Ding randvoll und stelle es vorsichtig auf ihren Empfangstresen. Ich humple wieder zur&#252;ck zum H&#228;ndewaschen&#8230;<br />
Was f&#252;r ein schei&#223; Tag, gut das wir uns heute Abend am See auf eine Pizza und eine Kiste Bier treffen.</p>
<p style="margin: 0pt; word-spacing: 0pt; line-height: 100%">
<p><span style="font-family: Verdana; font-size: xx-small;">*Dieser Text entstand aufgrund eines Wortgefechts per e-mail, dass sich entwickelte als uns AR auf eine seltsame ebay-Versteigerung aufmerksam machte.  Gegenstand der Versteigerung war eine Diddl-Maus, die mit einem ziemlich witzigen Text angepriesen wurde. Die Versteigerung brachte dem Besitzer besagter Diddl-Maus um die € 50. KS war dar&#252;ber so entr&#252;stet, dass sich der folgende E-Mail Verkehr zwischen KS und mir ergab:</span></p>
<p style="margin: 0pt; word-spacing: 0pt; line-height: 100%">
<p style="margin: 0pt; word-spacing: 0pt; line-height: 100%"><span style="font-family: Verdana; font-size: xx-small;">ks&gt;&gt;&gt; Aktuelles Gebot:  EUR 42,38<br />
ks&gt;&gt;&gt; &#220;bersicht:  44 Gebote</span></p>
<p><span style="font-family: Verdana; font-size: xx-small;">ks&gt;&gt;&gt; sind die Leute nur noch bescheuert????<br />
ks&gt;&gt;&gt; ich hab noch ein paar getragene Socken mit L&#246;chern drin unterm Bett liegen<br />
ks&gt;&gt;&gt; &#8230; die bringen bestimmt mind.  30,- ?</span></p>
<p><span style="font-family: Verdana; font-size: xx-small;">rr&gt;&gt; klar, wenn du dir eine wilde geschichte ausdenkst, wie die loecher da<br />
rr&gt;&gt; reingekommen sind, in der folgende dinge vorkommen muessen: ein sonniger<br />
rr&gt;&gt; tag am see, eine flasche tequila, zwei blonde, gut gebaute junge damen,<br />
rr&gt;&gt; handschellen, ein rasierer, eine pizza und eine kiste bier. ;)</span></p>
<p style="margin: 0pt; word-spacing: 0pt; line-height: 100%"><span style="font-family: Verdana; font-size: xx-small;"><br />
ks&gt; ahhmmm rico &#8230; lass doch einfach deinen gedanken weiter freien lauf  &#8230;<br />
ks&gt; das wird bestimmt noch interessant *gg*</span><span style="font-family: Verdana; font-size: xx-small;"> </span></p>
<p style="margin: 0pt; word-spacing: 0pt; line-height: 100%">
<p style="margin: 0pt; word-spacing: 0pt; line-height: 100%"><span style="font-family: Verdana; font-size: xx-small;">&#8230;..90 Minuten sp&#228;ter war die Geschichte fertig. </span></p>
<p align="right">
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