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	<title>RichardConrad.de &#187; Mopped</title>
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		<title>Rollsplitt f&#228;rbt Hose braun</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Sep 2002 12:14:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mopped]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Feierabendrunde auf der schwarzen Dicken ist mal wieder richtig gut: auf der 246 bin ich von MD bis nach Wiesenburg locker flockig durch Wald und Feld gewedelt und kurz davor auf die 107 in Richtung Coswig abzubiegen. Der Wald ist sattgr&#252;n, strotzt vor Leben und duftet wunderbar, die Luft ist nach einem warmen Sp&#228;tsommertag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="Verdana, Arial, Helvetica"><font size="2">Die Feierabendrunde auf der schwarzen Dicken ist mal wieder richtig gut: auf der 246 bin ich von MD bis nach Wiesenburg locker flockig durch Wald und Feld gewedelt und kurz davor auf die 107 in Richtung Coswig abzubiegen. Der Wald ist sattgr&#252;n, strotzt vor Leben und duftet wunderbar, die Luft ist nach einem warmen Sp&#228;tsommertag angenehm k&#252;hl und die meisten Dosentreiber sind offenbar schon zu Hause. Die Sonne steht zwar tief, aber in meinem R&#252;cken, sodass die St&#228;mme der Kiefern golden leuchten. Ich h&#228;nge meinen Gedanken nach und genie&#223;e einfach die fast perfekten Kurvenlinien, die mir an diesem Tag gelingen: die Dicke kippt nach rechts, sie kippt nach links, die Stiefelspitzen streicheln den Asphalt und mit sanfter Beschleunigung zieht sich die Dicke ein ums andere mal souver&#228;n zum Kurvenausgang. Die Schr&#228;glagen erzeugen dieses beinahe schwerelose Gef&#252;hl, dem alle Kradisten mehr oder weniger verfallen sind. Ich genie&#223;e den Moment und bin eins mit der Welt aus Wald, Sonne, w&#252;rzigem Duft, Asphalt und nicht enden wollenden, organischen Bewegungen der Vierteltonne Stahl mit mir oben drauf.</font></font><span id="more-12"></span></p>
<p><font face="Verdana, Arial, Helvetica"><font size="2">Vor mir taucht ein Auto auf, dem ich mich schnell n&#228;here. Ich kann aufgrund des Gegenverkehrs nicht gleich &#252;berholen, da nimmt das Unheil in Form eines massiven Insektenschwarmes seinen Anfang. Eingeh&#252;llt in chitinhaltige Biomasse verschlechtert sich die Sicht ziemlich z&#252;gig. Der Dosentreiber vor mir hat das wohl auch mitbekommen und bet&#228;tigt beherzt seine Scheibenwaschanlage. Die D&#252;sen sind nat&#252;rlich schei&#223;e eingestellt und h&#252;llen mich zus&#228;tzlich eine sp&#252;lischwangere Wolke. Bedingungen, die nicht dazu geeignet sind, die optischen Eigenschaften meines Visiers zu verbessern. Und wie ich mich noch so dr&#252;ber freue, wie sch&#246;n sich das Licht der entgegenkommenden Fahrzeuge in den Insektenleichen und den Sp&#252;litropfen bricht, gebiert mir des Schicksals unberechenbarer Uterus eine fiese Rollsplittspur direkt vors Mopped. Das Vorderrad, pl&#246;tzlich seiner Haftung beraubt, strebt nat&#252;rlich sofort in Richtung Kurvenau&#223;enseite. Klar, dass das Hinterrad da nicht nachstehen mag. Da die Rollsplitt-Spur einen knappen halben Meter breit ist, haben auch beide R&#228;der gen&#252;gend Zeit, ordentlich ins Rutschen zu kommen. Bis der Rollsplitt dann pl&#246;tzlich ausgeht und der knackig einsetzende Grip im Verein mit der Massentr&#228;gheit die Fuhre in die andere Richtung kippen l&#228;sst. Viel Zeit zum &#220;berlegen hat man ja in so einer Situation nicht wirklich; trotzdem kalkuliert mein Hirn blitzartig eine Reihe von wichtigen Entscheidungen. Zun&#228;chst schie&#223;t mir eine alte Mopped-Fahrer Weisheit durch den Kopf, die genauso wahr wie nutzlos ist: &#8220;Keep the rubber-side down!&#8221;. Tolle Wurst! Die Frage ist nur: Wie? Nachdem das Ziel also erkannt ist, stellt sich die Frage nach einer passenden Taktik. Links in den Gegenverkehr: Das ist offensichtlich eine bl&#246;de Idee. Rechts in die Lei(t/d)planke: oooch n&#246;&#246;&#246;! Auch nicht wirklich eine Option. Die Dose vor mir wird auch noch langsamer, weil der Fahrer nat&#252;rlich auch nur noch einen Insektenfriedhof sieht&#8230;</font></font></p>
<p><font face="Verdana, Arial, Helvetica"><font size="2">F&#252;r solche wirklich existenziellen Situationen ist der gemeine Mopped-Fahrer offensichtlich mit Notfallprogrammen ausgestattet, die neben den ganzen sinnlosen Krempel, der das Hirn so im allgemeinen besch&#228;ftigt, still und zuverl&#228;ssig ihre Arbeit verrichten. Der Fahrer nimmt davon nix bewusst wahr. Als ich noch dabei bin, die Ausweglosigkeit meiner Situation zu eroieren, tut mein K&#246;rper l&#228;ngst das richtige. Ich kann nicht genau sagen, was das ist, aber es funktioniert. Vermutlich lenke ich gegen und meine sonst so sanfte Dicke bockt heftig wie ein Bulle beim Rodeo. Nach einigen ziemlich dramatischen Schlenkern, die einiges an Gummi auf der Strasse hinterlassen und einer &#196;onen andauernden Schrecksekunde rollt die Dicke wieder friedlich dahin, als h&#228;tte sie nie etwas anderes getan.<br />
</font></font><br />
<font face="Verdana, Arial, Helvetica"><font size="2">Erstmal rechts ran. Runter vom Bock, Helm ab zum Gebet. Wie lange dauert das eigentlich, bis das schei&#223; Zittern wieder aufh&#246;rt? Ich hab das Rauchen zwar lange aufgegeben aber eine Zigarette w&#228;re jetzt gut, oder wenigstens ein gro&#223;es Glas Jack Daniel&#8217;s. Und wo zur H&#246;lle kriege ich hier ne neue Unterhose her?</font></font></p>
<p><font face="Verdana, Arial, Helvetica"><font size="2">Die R&#252;ckfahrt verl&#228;uft nicht nur aufgrund des blickdichten Helmvisiers nicht ann&#228;hrend so harmonisch, wie der Trip bis zur Rollsplit-Insekten-Etappe. Keine streichelnden Stiefelspitzen, keine schwerelosen Schr&#228;glagen. Nur noch im Gesicht einschlagende Insekten, kein Gef&#252;hl f&#252;r die Stra&#223;e. Anf&#228;ngerangst. Bin wohl noch im Notfallmodus. Nach 20 Minuten geht&#8217;s besser. Die alte Sicherheit kehrt langsam zur&#252;ck, auch wenn die Insekten inzwischen eine dicke Kruste im Gesicht bilden. Als ich auf den Garagenhof einbiege, ist es fast v&#246;llig dunkel.</font></font></p>
<p><font face="Verdana, Arial, Helvetica"><font size="2">Ich denke an eine andere Weisheit, die mir mal ein Sportpilot &#252;ber die Fliegerei anvertraut hat: Man beginnt mit einem vollen Sack Gl&#252;ck und einem leeren Sack Erfahrung. Der Trick ist, den Erfahrungssack aufzuf&#252;llen, bevor man den Gl&#252;ck-Sack geleert hat. Das trifft auch aufs Moppedfahren zu. Das weis ich jetzt.  </font></font></p>
<p><font face="Verdana, Arial, Helvetica"><font size="2">Fazit:<br />
1. Fahren in der Abendd&#228;mmerung kann im Sp&#228;tsommer auch ohne Nebel ruckartig zu Sichtproblemen f&#252;hren<br />
(Insektenpopulation).<br />
2. Manchmal ist es gut, hinter einer Dose durch die Kurve zu m&#252;ssen und langsamer und weniger schr&#228;g zu sein, als &#252;blich.<br />
</font></font></p>
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