Adieu Herr Westerwelle

Geschrieben von Richard am 24 Feb 2010 |

Schöner und klarer kann man eine Rücktrittsforderung nicht formulieren.

Westerwelle ist ein unerträglicher Zyniker, der die Lebensleistung von Millionen von Menschen einfach vom Tisch wischt. Wir haben kein Problem mit ein paar faulenzenden Biertrinkern, die es sich in der sozialen Hängematte bequem gemacht haben, die -nebenbei bemerkt- ganz sicher nicht so bequem ist, wie Westerwelle und ein paar andere glauben machen wollen. Das muss ein reiches Land wie wir es sind einfach aushalten. Wir haben ein Problem mit Menschen, die von ihrer Hände Arbeit NICHT leben können. DAS ist ein Problem.

Hier geht es um etwas ganz anderes als soziale Gerechtigkeit. Die hypothetische Senkung der Hartz-IV-Bezüge, wie sie Westerwave in den Kram passen würde (unterstelle ich einfach mal), wird zu einer Senkung des Lohnniveaus in den untersten Einkommen führen und noch mehr Leute von gesellschaftlichen Wohlstand abkoppeln. Wem nutz das wohl?

Abgesehen davon kann auch Westerwelle die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, dass über kurz oder lang große Teile der arbeitsfähigen Bevölkerung nicht mehr gebraucht werden. Das ist ein Fakt. Und das ist seit langem bekannt. Dafür gibt es aber -soweit ich das sehe- kein Konzept. Bei keiner Partei. Und da ist es gesellschafts- und im übrigen auch wirtschaftspolitischer Blödsinn, Daumenschrauben anzulegen.


Zensursula macht Wahlkampf

Geschrieben von Richard am 11 Aug 2009 |

CDU.TV auf youtube. Das ist nur etwas für starke Nerven. Uschi plaudert über Lieblingsbuch, warum Politik so toll ist (man kann gestalten), politisches Schlüsselerlebnis (die von ihr angestoßene Väterbewegung: Väter im Elterngeld), Vorbilder (Achtung: Wolfgang Schäuble als Mentor und Hüter des Grundgesetzes (sic!)).

Wie gesagt: für starke Nerven. Das ist so verdammt #fail im Internet. Ich freue mich auf die ersten Parodien!


Gottverfluchte Konjunktive

Geschrieben von Richard am 13 Jul 2009 |

wir mieteten ein zimmer
Von Helmut Krausser

wir mieteten ein zimmer,
verschanzten uns für immer,
teilten koks und klopapier.
du hättest es ganz gut bei mir.

ich würde ausgesprochen
sanft sein und gut kochen
würde dich nicht nur verehren,
auch auf höchstniveau ernähren,

würde mit obszönen
versen dich verwöhnen
würde laute dir entlecken

die die halbe stadt aufwecken.
gottverfluchte konjunktive.
wie gern ich mit dir schliefe.

Gefunden auf dradio. Dank an Mathi für den Link.


Zitate (3)

Geschrieben von Richard am 20 Nov 2008 |

Immer, wenn eine Theorie als die einzig mögliche erscheint, nehme man das als Zeichen, daß man weder die Theorie, noch das zu lösende Problem verstanden hat.

Karl R. Popper


Shaft

Geschrieben von Richard am 11 Aug 2008 |

Isaac Hayes ist gestern im Alter von 65 Jahren verstorben.


Zitate (2)

Geschrieben von Richard am 14 Apr 2008 |

Wer nicht gerne denkt, sollte wenigstens von Zeit zu Zeit seine Vorurteile neu gruppieren.

Luther Burbank (1849-1926), amerikanischer Biologe


Auf den Punkt gebracht

Geschrieben von Richard am 24 Sep 2007 |

Dr. Wolfgang Schäuble ist bei Kabarettisten vermutlich ungefähr so beliebt wie Edmund Stoiber (Der, der jetzt bei der EU Bürokratie abbauen soll; vermutlich damit er anderswo keinen Schaden anrichtet; hoffentlich merkt er das erst in Brüssel.) Denn diese beiden liefern genügend Stoff auch für die nicht ganz so subtilen Kabarett-Künstler, eben weil sie so unglaubliche Dinge von sich geben, die man nicht mal mehr großartig überhöhen muss. Volker Pispers gehört zweifelsohne nicht zu den Flachzangen aber der Versuchung Schäuble kann er sich dennoch nicht entziehen. Warum auch, wenn sowas dabei herauskommt:


Bad Day for Bush

Geschrieben von Richard am 7 Sep 2007 |

Zunächst begann Bush’s Rede vor Industrievertretern anläßlich des APEC Gipfels in Sidney 10 Minuten später, damit die Organisatoren noch die zahlreichen freien Plätze in den vorderen Reihen mit Gästen von weiter hinten auffüllen konnten (sieht besser aus für die Kameras, hat in der DDR damals doch auch funktioniert). Dann landete der POTUS schon im dritten Satz einen kapitalen Volltreffer, als er dem australischen Premier Howard für die Organisation der OPEC-Konferenz (sic!) dankte.

Den nächsten Fettnapf enterte Bush kopfüber, als er sich erneut voll warmer Dankbarkeit an Premier Howard wandte und mit Bezug auf dessen Irakbesuch im letzten Jahr den “Austrian Troops” für ihr Engagement dankte.

Well, Mr. President, Austria is the one without the kangaroos.

Zu guter Letzt verpasste Dubya noch den richtigen Bühnenabgang.

Wer Lust auf mehr Fettnäpfe hat, in die der mächtigste Mann der Welt schon mit Anlauf gesprungen ist, dem sei das hier empfohlen. Lohnt sich. Da gibts zum Beispiel die Rede in der Bush in 28 Minuten 95 mal “al Qaida” erwähnt. Oder die Schilderung, wie Bush auf einer gigantischen Caterpillar-Raupe bei einem Pressetermin versehentlich Journalisten jagt. Schön auch die Bilderserie von der Massageatacke auf Angie Merkel beim G8 Gipfel in Russland in 2006 gleich darunter.


Heute morgen beim Bäcker

Geschrieben von Richard am 3 Sep 2007 |

Ich bin morgens auch nicht immer ein Ausbund an Frohsinn, aber was ich heute wieder beim Bäcker erlebt habe, schreit nach Dokumentation.

Ich (beim Betreten des Ladens): “Morgäään!” [wirklich freundlich]

Ich bin dran. Das zeigt mir die Verkäuferin, indem sie sich umdreht und erstmal den Ofen ausräumt. Ok, das muss sein und auf die Minute kommt es ja nun auch nicht an. Dann ist sie fertig und wendet sich mir zu, ohne etwas zu sagen. Das ist offenbar mein Zeichen. Ich formuliere seidenweich meinen Wunsch:

“Ich hätte gern ein Roggenbrötchen.” Yentzieh, dessen Charmeoffensiven an der Fleischtheke unter uns schon legendär sind, wäre stolz auch mich.

Wieder wortlos stopft die Missmutige das heute besonders kleine Teil in eine Tüte und bellt: “Zweiundvierzich!” Seit Douglas Adams wissen wir, dass das die Antwort auf alle Fragen des Universums ist, aber die hatte ich ja noch gar nicht gestellt.

Ich also nun nicht mehr so seidenweich:”Cent nehme ich an?! Bitteschön!” Ich lasse das Geld passend auf den Zahlteller fallen. Im Rausgehen murmle ich noch den Standardgruß: “Vielendankundschönentagnoch!”

Ihre Anwort (unsterblich): “Ok!”

“Wenn ein Tag so wunderschön beginnt, ist alles drin…” textete mal Jürgen “ich hab die hässlichsten Hemden der Welt” von der Lippe in einem Song. Genau so ist es.


BeMerkenswertes

Geschrieben von Richard am 8 Jul 2007 |

Wenn man dir liniertes Papier gibt, schreibe quer über die Zeilen.

Juan Ramón Jiménez

gefunden in Ray Bradbury: Fahrenheit 451


Tim Mälzer und der THW

Geschrieben von Richard am 1 Feb 2007 |

Wenn man 16 ist, ist jeder Samstag Abend ein Kracher. Party, Disco, Mädels treffen und Leute kennenlernen. Wo werden wir an diesem Wochenende unsere Abende mit Leichtigkeit und Dummheiten vergeuden? Wer wird da sein und wer nicht? Schon die Vorfreude und die Frage, ob ich am Wochenende auch in die Disse dürfe, raubte mir spätestens ab Mittwoch den Schlaf. Der Freitag war zu meiner Zeit (Mitte/ Ende der 80er) noch mehr oder weniger tabu. Wir mussten noch am Samstag in der Schule erscheinen, sodass eine gelungene Abendveranstaltung am Freitag eine sinnvolle Teilnahme am Unterricht am Samstag zuverlässig verhindert hätte. Damals hat uns sowas noch mit Sorge erfüllt.

Nun bin ich inzwischen reichlich doppelt so alt und kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass der Samstag abend ein wenig von seinem Stellenwert eingebüßt hat. Die bloße Aussicht auf zuviel Alkohol in dreckigen, schlecht belüfteten, überfüllten Schuppen mit jungen kreischenden Dingern und die Erlaubnis, bis mindestens Mitternacht wegbleiben zu dürfen, erzeugt nicht mehr unbedingt ein langanhaltendes Kribbeln der Vorfreude. (allerdings, jetzt wo ich darüber nachdenke…Alkohol…überfüllt…kreischende junge Dinger…und die Erlaubnis, bis Mitternacht wegbleiben zu duerfen, ist auch nicht bei jedem immer selbstverständlich.)

Jedenfalls bestand ein gelungener Abend in meinem Universum immer auch aus einer guten Portion unvorhergesehener Ereignisse: mit einem Kumpel vom Markt stinkbesoffen Bistrostühle für die WG-Küche klauen, vor grün gekleideten Spielverderbern mit Blaulicht flüchten, amerikanische Football-Trainer kennen und Kautabak fürchten lernen, eine schöne Unbekannte treffen und sie in einer Frühlingsnacht für die wage Hoffnung auf einen Kuss quer durch die Stadt nach hause begleiten.

Solche Dinge eben, die Abende zu Legenden machen und die noch erzählt werden, wenn man(n) alt und grau ist. Einen solchen Abend kann man nicht planen aber man kann zumindest die Rahmenbedingungen herstellen: Kumpels und Ausgang! Beides war vorhanden, als wir im letzten Jahr mal wieder in kleiner Runde unterwegs waren. Die Taschen waren voller Geld, das nur darauf wartete, in die schmierigen Finger von halbseidenen Barkeepern zu gelangen.

Zuerst zur Einstimmung ein Spiel des SCM. Heute sogar gegen den THW, wobei der THW ja sowas wie Bayern München und den BFC in der Handballbundesliga auf sich vereint. Bayern München als Rekordmeister (ok Gummersbach hat auch ne Menge Meistertitel) und BFC weil immer auch ein bissel der Schiedsrichter hilft so wie früher bei Mielkes Lieblingsclub. Da kann man sich immer so schön ‘drüber aufregen. Und so ist es dann auch, obwohl heute die Schiedsrichter haarsträubende Fehlentscheidungen in beide Richtungen treffen, sodass die zahlreich angereisten Knastbrüder, die sich selber Zebras nennen, auch was zum Aufregen haben. Wir haben ganz gute Stehplätze und das Spiel ist ausgewogen bis spannend, obwohl der THW eh schon Meister ist und auch für den SCM nicht mehr viel zu reissen ist in dieser Saison. Die Kieler spielen mit und der SCM schlägt sich mal wieder fast selber. Neben genialen Spielzuegen fallen Profis auf, die nicht (immer) den Ball fangen können. Am Ende gewinnt der SCM mit knappem Vorsprung und die Fans hatten Spass und Spannung und gehen zufrieden nach Hause.

Nach einem kurzen Abstecher in die Feuerwache, die für uns an dem Abend gar nicht funktioniert (Publikum schwingt nicht auf unserer Wellenlänge; das war auch schon anders, wir hatten schon legendäre Abende dort), zieht es uns zum Hassel.

In der Bar am Hassel tun die ansehnlichen aber immer etwas unterkülten Bedienungen ihren Job professionell und abgebrüht. Jeder Gast, der glaubt angeflirtet zu werden, erliegt der perfekten Illusion, die die Mädels vermutlich in hunderten durchkellnerten Nächten solange optimiert haben, bis sie jeden Gast spielend und zielsicher an sein persönliches Trinkgeldmaximum treiben konnten. Alles ist wie immer und wie wir noch so überlegen, wie wir mit dem Feuerwachetrendwandel umgehen sollen, sagt Yentzieh neben mir ganz beiläufig:
“Da hinten sitzt er übrigens.”
“Wer?”
“Tim Mälzer”
“Ach Blödsinn!”
Wir hatten gerade vor einer Stunde darüber gesprochen, dass besagter Fernsehkoch am Abend eine Kochshow in der Stadthalle präsentiert hat.
“Klar, guck selber!”
Und er hat recht. Tatsächlich sitzt in einer Nische der Tim und unterhält sich angeregt mit einem Gegenüber.

Mir persönlich haben sich ja diese Idol-Fan-Beziehungen nie wirklich erschlossen. Kreischende Kinder, die auf Robbie Williams oder die Beatles (die cooleren natürlich eher auf die Stones) oder Tokio Hotel warten, liegen ausserhalb meiner Erfahrungswelt. Man kann Musik toll finden, ehrlich begeistert und mitgerissen sein, das Zusammenspiel der Musiker bewundern und eine Band als ganzes für ihr Schaffen verehren. ok. Das habe ich auch schon bei Pearl Jam, Metallica den Red Hot Chili Peppers oder den Beatsteaks erlebt. Das mündete jedoch niemals in Verehrung für die Personen, die hinter diesen Leistungen stehen. Ich würdige eher die Leistungen, wie ich anderer Menschen Arbeitsleistungen ebenso würdige. Das Produkt ihres Schaffens und Tuns gefällt mir und begeistert mich bisweilen. Auch was Max Goldt oder Wiglaf Droste so schreiben und eben auch was der Mälzer so kocht.

Nach einer ganzen Weile des Werkstudiums (in manchen Fällen auch des Konsums) bildet man sich dann langsam ein, eine ganze Menge über den Star zu wissen, ihn quasi zu kennen. Obwohl das natürlich völliger Quatsch ist. Das ist bei Tim Mälzer auch der Fall. Allerdings lässt er die Zuschauer auch mehr oder weniger intensiv an seinem Leben teilhaben und erzählt Stories aus seiner Jugend und läd Leute in seine Sendung ein, mit denen ihn gemeinsame Geschichten verbinden.

Irgendwann stehe ich also neben Tim am Urinal und spreche ihn an:
“Du bist doch der Tim Mälzer, oder?”
“Yo!”
“Cool!” gebe ich zurück.
“Wie jetzt?! Das erschliesst sich mir nicht so ganz. Ich stehe doch nur hier und pisse. Was ist denn daran cool?” freundlich aber auch leicht amüsiert über die wirklich dämliche Anquatsche grinst Tim mich an. Jetzt muss mir was einfallen sonst geht das voll in die Hose.
“Naja ich habe nur versucht deine Art zu kochen, deine blöden T-shirts und den Humor des Teams in einen Wort zu kondensieren.
Nicht schlecht, wie ich finde. Tim findet das wohl auch:
“Oh. Ok. Danke. Du siehst also meine Sendung regelmäßig?”
“Regelmäßig ist wohl übertrieben aber ich hab schon ein paar Folgen gesehen. Und der Tomaten-Brotsalat hat mächtig Eindruck auf diverse Frauen gemacht.” Ich grinse dämlich.
“Cool!” sagt er jetzt, obwohl ich sicher bin, das er solcherart Lob nicht so selten hoert.
“Du kannst kochen?” fragt er mich.
“Warum nicht, du kannst es doch auch!” und dann rede weiter:
“Man muss es mögen, dann geht es fast von allein. Ich beneide euch Profiköche lediglich um die solide handwerkliche Ausbildung, Produktwissen, den Überblick, die Standards die immer funktionieren und die Routine und Praxis. Sowas erarbeiten sich Amateuere in einem Leben Kocherfahrung. Aber dafür kannst Du ja vermutlich nicht programmieren, oder Blinddärme entfernen oder altgriechisch oder Haare schneiden.” Ich sehe Tims Frisur und lege nach: “Naja das mit den Haaren funktioniert für dich vielleicht. So wie das Spiegelei des 14 jährigen Schülers.” Tim lacht. Wir sind auf dem Weg zurück zur Bar.
“Wie gefällt dir Magdeburg?” frage ich nach.
“Keine Ahnung, bin nur im Hotel und in der Veranstaltungshalle gewesen. und in dieser Bar natürlich.” Tim kratzt sich am Kopf.
“Ist eigentlich sehr schade, dass ich selten wirklich etwas von den vielen kleinen und mittleren Städten zu sehen bekomme, in denen ich Shows habe, aber so läuft das nunmal in dem Geschäft.”
Ich nicke, als wüsste ich, wovon er redet.
“Naja, wenigstens kommst du ‘rum.” sage ich.
“Das liegt doch an jedem selber. Es zwingt dich doch niemand, immer an dem selben Ort zu hocken. Schon als mich noch keiner kannte, habe ich es noch nie lange am selben Ort ausgehalten. Es hat mir immer gereicht, sicher zu sein, dass ich irgendwohin zurückkehren konnte. Ein zuhause zu haben ist wichtig, besonders wenn man viel unterwegs ist.” ich nicke immernoch.
“Was trinkst du?” fragt Tim.
“Margerita.”
“Ok.” er gibt der zauberhaften Bedienung ein Zeichen.
“Die Cocktails sind hier gut gemacht. Wir haben als Studenten immer Tequila pur getrunken. Es gab eine Zeit, da war das mit dem Salz auf dem Handrücken und der Zitrone danach ziemlich cool. Irgendwann hat mich das Gematsche und die ewig klebrigen Finger nur noch genervt und ich musste bis nach New Mexico reisen, um die Margerita für mich zu entdecken.”
“Und wie war das mexicanische Essen?” fragt tim.
“Naja, ich mag scharfe Sachen.” sage ich und nehme kurz einen Blick von der Bedienung auf. Tim merkt das und stimmt zu.
“Diese ewigen Jalapenios und scharfen Eintöpfe mit Bohnen und gegrilltes Feuerwehrhühnchen und so weiter sind allerdings nichts, mit dem ich ein lebenlang meinen Energiebedarf decken möchte. Ist mal ganz nett aber auf Dauer ist das so, als würde man jeden Tag einen Esslöffel Rohrfrei aufgelöst in heisser Bateriesäere auf ex trinken.”
Tim nickt.
Ich rede weiter:
“Letztens hatte ich mal eine Pizza “Mexicana”, grundsätzlich sehr lecker, Rinderhack, rote Zwiebeln, Bohnen, eine Salsa aus Tomaten und Zwiebeln, die eine angenehme Süsse mit nicht zu dominanter Schärfe verband. Und was machen die Idioten in der Pizzeria? Die legen Chilischoten auf die Pizza. Schlimmster Sorte. Kennst du das Gefühl, wenn etwas so scharf ist, dass man davon Schluckauf bekommt, und nur noch so ein fast kitzelndes Kratzen am Gaumen spürt beim Essen?

So geht das noch eine ganze Weile. Wir reden natürlich über gutes Essen. Ich lobe seine einfachen Gerichte, lasse mich über Apfelcrumble, Kotteletts mit Apricosen, die unzähligen Salate, die Sandwiches zum Fussball (Rinderhackburger, frischer Salat, Saucen) und natuerlich die Grillrezepte aus, die ich zum Teil wirklich ausprobiert habe. Ich berichte vom Apfelstrudel meiner Großmutter, den ich schon fast genauso hinbekomme und die Leberreissuppe, an die ich mich noch nicht rangetraut habe (dabei ist die einfach: Leberknödelmasse durch ein grobes Sieb in heisse selbstgemachte Brühe streichen – die perfekte Vorsuppe, weniger aufdringlich als die ewigen Leberknödel von Tennisballgröße, die in kaum größeren Tassen stecken – Tim verspricht sie auszuprobieren). Ich rege mich über diese ganze Merchandising-Kacke auf. Kochbücher ok! Aber wer braucht Tim-Mälzer-Kochzangen, die er nicht mal erfunden hat, sondern nur benutzt, oder Tim-Mälzer-Schürzen mit diesem born-to-cook-Aufdruck, oder Tim Mälzer Brötchen bei meinem Bäcker um die Ecke, mit echtem Malz gebacken (haha, was für ein Kalauer). Das finde ich alles überflüssig. Tim zuckt mit den Schultern und sagt etwas über das Team und die Produktion, die ja auch Leben muss. Es ist eben eine Gratwanderung. Das ist sicher so, allerdings gibst Du für Dinge Deinen Namen her, die Du irgendwann nicht mehr wirklich kontrollieren kannst und dann droht es unglaubwürdig zu werden.

Ja so hätte eine Begegnung laufen können. Viel warscheinlicher wäre allerdings ein dreizeiliger Smalltalk, höflich, freundlich, vielleicht auch witzig, aber immer auch distanziert. Verständlich. Der Fan weis ne Menge über den Star (glaubt das zumindest) und nichts über den Menschen (merkt das aber nicht). Und der Star weis gar nichts über den Fan. Wozu auch? Wenn Stars abends privat in Bars sitzen, sind sie eben nicht der Star sondern der Mensch dahinter. Und der ist oft erstaunlich unspektakulär. Und will vor allem eben kein Gespräch mit einem Unbekannten aufgedrängt bekommen. Also lassen wir Sie einfach in Ruhe und ignorieren sie. Das haben sie (nicht anders) verdient.

Den Mälzer haben wir wirklich getroffen, allerdings hat das den Abend nicht merklich bereichert. Wir sind eben nicht mehr 16 …

Inzwischen sehe ich die Kochsendung seltener. Einige Rezepte sind jedoch haften geblieben. Und auch der Stil: Einfach, dicht an den hochwertigen Produkten, ohne viel Zauber. So wie auch Jamie Oliver das schon vor Tim populär gemacht hat. Danke dafür und alles Gute, Tim!

Und Jungs: Wir waren lange nicht in der Feuerwache! Wir müssen mal wieder um die Häuser ziehen!


Berühmte letzte Worte

Geschrieben von Richard am 26 Jan 2007 |

Beim Stöbern in WikiQuote bin ich auf eine Seite mit den “letzten Worten” von mehr oder weniger berühmten Leuten gestoßen. Da wurde Pathos verströmt und Wichtiges gesagt aber auch Banales ist zu lesen.

Am besten gefällt mir das hier:

Whitman, Walt: “Scheiße!” – 26. März 1892, nachdem er seine Aufzeichnungen nicht wiederfand, auf denen er sich eigentlich seine letzten Worte bereitgelegt hatte

Dass ein simples, aber grundehrliches “Scheisse” das Wort ist, was dieser große Lyriker auf den Lippen hatte, als er seinem Schöpfer gegenübertrat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Das wird nun für alle Zeiten, in Stein gemeisselt, zu seinem Schaffen gehören.


We are Motörhead and we play Rock’n’Roll!

Geschrieben von Richard am 18 Dez 2006 |

Wenn man zu einem Rockkonzert geht, hat das bisweilen schon etwas von einem Sprung in ein Paralleluniversum. Zeuge, bzw. Subjekt eines solchen Sprungs wurde ich am letzten Freitag, als Ian “Lemmy” Kilmister mit dem Rest von Motörhead sich dem dreckigen, verlausten und vor allem total besoffenen “Publikum” im AMO zum Geschenk machte. Naja, verschenkt haben sich die Rocker natürlich nicht: ca. 35 Euronen wollten die Veranstalter für den Tinnitus haben, den man garantiert mit nach hause nehmen konnte, wenn keine Stöpsel in den Ohren waren.

Mit Stöpseln in den Ohren, alten Klamotten und einer gehörigen Portion Gleichmut muss man solchen Ereignissen entgegensehen, um dann auch die Performance der Künstler richtig geniessen zu können. Anders gesagt, sei vorbereitet, wenn Du Dich als durchschnittlich musikinteressierter Mensch auf Motörhead einlässt.

Um es Vorweg zu nehmen: Lemmy rulez! Geil von vorn bis hinten. Die alten wie die neuen Stücke kamen mit Gewalt und natürlich Lautstärke über mich herein. Das was man erwartet. Geradlinig, kompromisslos, hart. In der Zugabe kam dann neben einem phantasitischen Drummsolo und einem Accoustic-Stück auch noch das Unvermeidliche “Ace of Spades”; damit hatte das Jack-Daniels-Maskottchen die tobende Meute dann endgültig im Sack. Danke Lemmy!

Als Special Guest war “MELDRUM” angekündigt. Was wir dann sahen, sah aus, wie der feuchte Traum eines pekigen Metallers: eine Band bestehend aus 3 Frauen und einem Drummer und mindestens einem Doppelpack in DD. Das war wohl auch der Grund, warum der Veranstalter die “Sängerin” überhaupt auf Bühnen lässt. Selbst Lemmy hat Angst.

Dem vornehmlich männlichen Publikum hats offenbar gefallen, was dann auch die meisten durch die typischen “Ausziehen!….Ausziehn!”
Sprechchöre zum Ausdruck brachten. Als Anerkennung für die musikalische Performance lässt sich das nur schwer umdeuten.
Allerdings hatte die Frontfrau auch keine Scheu, ihre Vorzüge mit jeder Bewegung zu präsentieren und am Ende hätte es mich nicht gewundert, wenn sie den Forderungen der lederbehosten, bierseeligen Erstebisfünfte-Reihe-Stehern nachgekommen wäre.

Damit sind wir schon beim Publikum. Mindestens ebenso präsent und “interssant” waren die Leute um einen ‘rum. Bier war billig: 2 Euronen für einen meistens vollen Plastebecher, darum floss es wohl in Strömen. Schon vor Ende des Meldrum-Specials waberte der Duft von Halbverdautem durch den Raum. (Wichtige Regel: Wenn jemand auf nem Konzert mit dicken Backen und Panik im Blick zum Ausgang stolpert: Geh zur Seite!)

Schon bevor überhaupt ein Riff vom Hauptact zu hören war, waren manche “Gäste” so hackedicht, das die wirklich nix mehr mitbekamen. Verstehen werde ich das wohl nie: Die geben 35 Öcken aus, um dann sturzbesoffen im eigenen Mageninhalt rumzustolpern, waerend Rocklegenden ihnen die Trommelfelle rauspusten. Das hab ich schon in Bremen bei Metallica erlebt.

Apropos Bremen. Das Konzert im Weserstadion hat sich auch desshalb besonders in mein Hirn eingeraben, weil irgendwelche Bekloppten mit Urin gefüllte Becher in die Menge schmissen. Das können nur Bremer.
Obwohl diesmal im AMO das Männerklo (!) ständig überfüllt war (das hab ich sonst immer nur bei Frauen gesehen), kam keiner auf die Idee, in Becher zu pissen.

Auch das Anmachverhalten (Flirttaktik kann man das beim besten Willen nicht nennen) war unterirdisch. Eine gute Freundin (A.) berichtete von Typen, die nicht müde wurden, Ihr zu versichern, welch hübsches Gesicht sie hätte, wärend Sie mit halboffenen, glasigen Augen schwankend in ihren Ausschnitt starrten. Eigentlich ist A. dafür bekannt, solche Typen mit Sprüchen auflaufen zu lassen, die bei halbwegs vernunftbegabten Männern ungefähr so wirken wie ein Tritt in die Weichteile, insbesondere wenn die Kumpelz daneben stehen. Die Exemplare vom Freitag grinsten nur unsicher. Vermutlich waren sie nicht sicher, ob das jetzt gut war, was sie da gehört hatten.

Naja, beim regelmäßigen Hirnwegsaufen sollte man nicht zu konsequent sein, wenn man eh schon nicht so viel davon hat.
Aber irgendwie entspannt es ja auch, und bewältigt Stress…und produziert Geschichten.

Zum Schluss rief Lemmy nochmal “We are Motörhead, and we play Rock’n'Fuckin’ Roll. Don’t forget us!”

We won’t, Lemmy!