Grillsaison

Geschrieben von Richard am 7 Mai 2009 |

Meine Ernährungsgewohnheiten könnte man mit bemüht-bewusst, letzlich aber doch genussorientiert beschreiben. Ungemein beliebt ist beispielsweise das Zubereiten von toten Tieren großen Mengen Fleisch Speisen auf offenem Feuer insbesondere in geselliger Runde unter Zuhilfenahme von einigen Bieren und geistreichen Gesprächen unter Freunden. Für alle, die ebenso empfinden und auch Innovationen beim Wochenendspass #1 offen gegenüberstehen, möchte ich BBQ-addicts empfehlen. Dort habe ich beispielsweise das Rezept für BaconExplosion gefunden. Dafür gibts offenbar schon einen Fanclub.


Innereien-opt-out

Geschrieben von Richard am 2 Apr 2008 |

Seit einiger Zeit empfange ich von einem großen deutschen Kochportal einen Newsletter, in dem regelmäßig Rezepte der Nutzer der offensichtlich recht großen und auch vielfältigen Laienkochgemeinde anderen Freunden der Küche näher gebracht werden. weiterlesen »


the colour

Geschrieben von Richard am 19 Dez 2007 |

Ich erinnere mich gerade an eine Story, die mir ein Freund mit einem seltsamen seltenen Namen schon vor einiger Zeit erzählt hat.

In einem Diner irgendwo in den USA:

Waitress (Mitte dreissig, blond, etwas zu breite Hüften, mit Leder umgürtet, früher sicher mal Cheerleader, Kaugummi in dem immer leicht geöffneten Mund): “What cheese do you like for your burger?”

Guest: “What cheese do you got?”

Waitress: “White and yellow cheese.”

Guest (unsicher): “What’s the difference?”

Waitress (jetzt genervt, rollt die Augen): “The colour!”


Dicke Schweinerei (Fotos!)

Geschrieben von Richard am 6 Dez 2007 |

Vegetarier bin ich nicht gerade, das kam auch schon in anderen Artikeln deutlich zum Ausdruck. Im Gegenteil, ein gutes Stück Fleisch, von einem gesunden, gut ernährten Tier aus artgerechter Haltung, handwerklich gut zubereitet, bereitet mir eine Menge Freude.

Vom Fleischer meines Vertrauens habe ich mir darum zwei Prachtstücke von Kotletts von einem BIO-Schwein schneiden lassen, die die doppelte der normalen Dicke hatten. Die 4 cm dicken Stücke waren so ungefähr 400g schwer.

Das Anbraten in der geschmiedeten Stahlpfanne1 gelang Dank der guten Wärmeleitfähigkeit und dem hocherhitzbaren Butterschmalz ohne Probleme. Beim Einlegen in das heisse Fett haften die Stücke immer sofort an der Pfanne an. Das ist aber unproblematisch, weil sich das Fleisch nach dem Schließen der Poren und wenn es die richtige Farbe angenommen hat, immer von selbst wieder löst. Also Geduld! Wenn sich das Fleisch leicht löst, kann man es umdrehen. Nach dem Umdrehen bietet der folgende Anblick. Spätestens hier werde ich regelmäßig ungeduldig.

Nach dem Anbraten lege ich das Fleisch auf Alufolie und gebe verschiedene Aufhübscher dazu. Heute waren das Backpflaumen und Schinkenwürfel2. Mit etwas Butter geht es dann nochmal für 20 Minuten bei 150 Grad in den Ofen. Das Ergebnis ist wunderbar zart und vor allem saftig.

  1. unbedingte Kaufempfehlung! Die Dinger sind zwar recht teuer aber ihr Geld wert. Nach dem Einbraten (in der Bedienungsanleitung steht, wie das geht) bilden die Pfannen eine Patina, die auch das Anbrennen verhindert. So eine Pfanne hat man ein Leben lang und sie wird mit jeder Benutzung besser. Stahlpfannen sind überall da angezeigt, wo man mit großer Hitze schnell Poren schliessen muss. Fleisch bleibt phantastisch saftig. []
  2. Ich habe das auch schon mit Ziebeln und Senf gemacht, auch lecker []

Was Scharfes gegessen…?

Geschrieben von Richard am 13 Okt 2007 |

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Pilze (3)

Geschrieben von Richard am 29 Sep 2007 |

img_4969Immernoch Pilze, diesmal nicht frisch aber fast. Geputzt und zerkleinert sind tiefgefrorene Steinpilze ziemlich nahe am frischen Original. Heute im Risotto.

Dazu hab ich Putenröllchen gemacht. Gefüllt mit kurz in Butter und mit einer kleinen Zwiebel und etwas Knoblauch angedünstetem Blattspinat und Schafsmilch-Feta.

Und dann habe ich heute zum ersten mal frische Rote Bete ausprobiert. Die aus dem Glas ist eher nicht so mein Ding, allerdings mit frischer auch nicht zu vergleichen. Zuerst die Knollen eine gute halbe Stunde gekocht und

abgeschreckt. Dann habe ich das Ganze in einem Salat verbaut mit Feldsalat und Walnüssen. Das war ziemlich lecker. Eher ein Wintergericht. Kräftig, macht auch satt. Angemacht habe ich das Ganze mit Olivenöl, Balsamico, Rotweinessig und Pfeffer/Salz. Mehr braucht es nicht. Hier sind die Fotos. weiterlesen »


Pilze (reloaded)

Geschrieben von Richard am 28 Sep 2007 |

Steinpilze im Rührei, mit kleinen Schinkenwürfeln.pilze_ei Dazu einen Schnittlauchreis.


Pilze

Geschrieben von Richard am 20 Sep 2007 |

Abendessen heute: Rührei mit frischen Steinpilzen aus dem Harz, Büffelmozarella, Tomaten und frisches Krustenbrot mit zimmerwarmer Butter (nicht zu knapp).


Käsekuchen [Update]

Geschrieben von Richard am 15 Sep 2007 |

kasekuchen

Für’s Wochenende…

[Update]

Nachdem Schäuble nun quasi den Weltuntergang angekündigt1 hat, mit dem netten Rat verbunden, sich die verbleibende Zeit nicht verderben zu lassen, scheint mir der Käsekuchen genau das Richtige gewesen zu sein.

  1. Atom-Anschlag ist nur eine Frage der Zeit []

Grillpfanne, neue (und deren Einweihung)

Geschrieben von Richard am 16 Aug 2007 |

Nachdem ich nun seit Monaten immer wieder um diverse Grillpfannen herumgeschlichen bin, hab ich nun kurzentschlossen eine gekauft. Natürlich braucht man sowas nicht unbedingt. Aber die Grillmarken auf dem Fleisch sehen schon nett aus. Habe das Ganze dann auch mit einem angemessen dekadenten Stück Fleisch eingeweiht. Hier sind die Fotos.

Das, was hier so lieblich in der Pfanne zu schmurgeln beginnt, sind zwei 300g Rinderfilets, frischer Rosmarin vom Balkon und natürlich Knoblauch, mit dem ich die Pfanne vorher ausgerieben hatte.

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Einmal gewendet, so nach 3-4 Minuten, sah das ganze dann so aus:

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Jetzt nochmal 3-4 Minuten auf der anderen Seite und dann noch für 7-8 Minuten im Ofen bei 120°C. Danach lasse ich die göttlichen Stücke immer noch ein paar Minuten in Alu-Folie ruhen.

Dazu gab die bewährte Pilz-Paprika-Zwiebelpfanne, ebenfalls mit Rosmarin, Knoblauch und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer:

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und fertig auf dem Teller, mit frischem Pfeffer:

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Dekadent, ich weis, aber wenn man Tiere schon umbringt, um sie zu essen, soll man sie wenigstens anständig zubereiten1.

  1. frei nach Wiglaf Droste “Wo ißt Gott?” []

Zurück vom Wirt

Geschrieben von Richard am 23 Jul 2007 |

dom_stern_elbeAls ich auf mein Rad steige, ist es schon dunkel, also schon wirklich spät. Mist, muss morgen malochen. Also los jetzt. Egoistenradiostöpsel in die trainierten Ohren und entlang der Elbe. -Jesus built my car, Its a love affair- werde schnell schneller, kein Wunder bei der Mucke. Dann aber samtiger -And we gave it time/ All eyes are on the clock/ But time takes too much time/ Please make the waiting stop- blöder Hügel an der neuen Brücke, radle stehend im kleinen Gang und Kreislauf rennt. Oben dann verschnaufen und die samtige Milch genießen. Weiter am General vorbei auf mamornen Wegen mit Sakralem im Blick. Im Ohr die andere Fraktion -I was talking to Jesus through a hole in the floor/ He said our time is up, we can’t stay anymore/ No more- damit gehts gut bis zum bunten Haus. Jetzt der alte Mann, der kurze, laute -But that’s the way I like it baby, I don’t wanna live for ever- treibt mich weiter bis zum Posercafè mit A. Nun ruhiger, mit noch nem alten Mann, einem ganz Großen -And once you’re gone, you can never come back- na DAS werden wir noch sehen! Rolle an Brandt und Köln und Adenauer vorbei und bin fast zu Hause. -With the lights out its less dangerous- naja beim Radfahren nicht. Wie funktioniert nur der blöde shuffle.modus. Immer alphabetisch ist so absehbar…


Der Rettich (reloaded)

Geschrieben von Richard am 23 Jul 2007 |

Der weisse Bierrettich (lat. Raphanus sativus niger albus) scheint so etwas wie der heilige Gral des Einzelhandels zu sein. Er ist aber auch ein Indikatorgemüse: wer’s kennt hat mindestens fünf Jahre Kassenerfahrung. Neulich habe ich mal wieder eine von diesen weissen, eigentlich relativ unspektakulären Wurzeln gekauft. An der Kasse war die junge Dame wieder total überfordert, wie ich das schon vor Jahren erlebt hatte:

“Das is’n Rettich, oder?” der gleiche hilflose Blick wie seinerzeit.

“Ja.”

“Einsneunundsiebzich? Kommt das hin?”

“Nee, neunzehn Cent” “Könnte stimmen.”

“Ok.” Unsicheres Lächeln und Erleichterung im Ausdruck.

Irgendwie habe ich das Gemüse, dass bei mir im Sympatiewert irgendwo zwischen Möhre und Kürbis liegt1, inzwischen echt lieb gewonnen. Werde weiter Rettiche kaufen, nur um zu sehen, ob die Gemüsekenntnisse an diesem Punkt signifikant schlechter sind, als bei Bananen und Lauch.

..tu bi continued…

  1. geht so []

Tim Mälzer und der THW

Geschrieben von Richard am 1 Feb 2007 |

Wenn man 16 ist, ist jeder Samstag Abend ein Kracher. Party, Disco, Mädels treffen und Leute kennenlernen. Wo werden wir an diesem Wochenende unsere Abende mit Leichtigkeit und Dummheiten vergeuden? Wer wird da sein und wer nicht? Schon die Vorfreude und die Frage, ob ich am Wochenende auch in die Disse dürfe, raubte mir spätestens ab Mittwoch den Schlaf. Der Freitag war zu meiner Zeit (Mitte/ Ende der 80er) noch mehr oder weniger tabu. Wir mussten noch am Samstag in der Schule erscheinen, sodass eine gelungene Abendveranstaltung am Freitag eine sinnvolle Teilnahme am Unterricht am Samstag zuverlässig verhindert hätte. Damals hat uns sowas noch mit Sorge erfüllt.

Nun bin ich inzwischen reichlich doppelt so alt und kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass der Samstag abend ein wenig von seinem Stellenwert eingebüßt hat. Die bloße Aussicht auf zuviel Alkohol in dreckigen, schlecht belüfteten, überfüllten Schuppen mit jungen kreischenden Dingern und die Erlaubnis, bis mindestens Mitternacht wegbleiben zu dürfen, erzeugt nicht mehr unbedingt ein langanhaltendes Kribbeln der Vorfreude. (allerdings, jetzt wo ich darüber nachdenke…Alkohol…überfüllt…kreischende junge Dinger…und die Erlaubnis, bis Mitternacht wegbleiben zu duerfen, ist auch nicht bei jedem immer selbstverständlich.)

Jedenfalls bestand ein gelungener Abend in meinem Universum immer auch aus einer guten Portion unvorhergesehener Ereignisse: mit einem Kumpel vom Markt stinkbesoffen Bistrostühle für die WG-Küche klauen, vor grün gekleideten Spielverderbern mit Blaulicht flüchten, amerikanische Football-Trainer kennen und Kautabak fürchten lernen, eine schöne Unbekannte treffen und sie in einer Frühlingsnacht für die wage Hoffnung auf einen Kuss quer durch die Stadt nach hause begleiten.

Solche Dinge eben, die Abende zu Legenden machen und die noch erzählt werden, wenn man(n) alt und grau ist. Einen solchen Abend kann man nicht planen aber man kann zumindest die Rahmenbedingungen herstellen: Kumpels und Ausgang! Beides war vorhanden, als wir im letzten Jahr mal wieder in kleiner Runde unterwegs waren. Die Taschen waren voller Geld, das nur darauf wartete, in die schmierigen Finger von halbseidenen Barkeepern zu gelangen.

Zuerst zur Einstimmung ein Spiel des SCM. Heute sogar gegen den THW, wobei der THW ja sowas wie Bayern München und den BFC in der Handballbundesliga auf sich vereint. Bayern München als Rekordmeister (ok Gummersbach hat auch ne Menge Meistertitel) und BFC weil immer auch ein bissel der Schiedsrichter hilft so wie früher bei Mielkes Lieblingsclub. Da kann man sich immer so schön ‘drüber aufregen. Und so ist es dann auch, obwohl heute die Schiedsrichter haarsträubende Fehlentscheidungen in beide Richtungen treffen, sodass die zahlreich angereisten Knastbrüder, die sich selber Zebras nennen, auch was zum Aufregen haben. Wir haben ganz gute Stehplätze und das Spiel ist ausgewogen bis spannend, obwohl der THW eh schon Meister ist und auch für den SCM nicht mehr viel zu reissen ist in dieser Saison. Die Kieler spielen mit und der SCM schlägt sich mal wieder fast selber. Neben genialen Spielzuegen fallen Profis auf, die nicht (immer) den Ball fangen können. Am Ende gewinnt der SCM mit knappem Vorsprung und die Fans hatten Spass und Spannung und gehen zufrieden nach Hause.

Nach einem kurzen Abstecher in die Feuerwache, die für uns an dem Abend gar nicht funktioniert (Publikum schwingt nicht auf unserer Wellenlänge; das war auch schon anders, wir hatten schon legendäre Abende dort), zieht es uns zum Hassel.

In der Bar am Hassel tun die ansehnlichen aber immer etwas unterkülten Bedienungen ihren Job professionell und abgebrüht. Jeder Gast, der glaubt angeflirtet zu werden, erliegt der perfekten Illusion, die die Mädels vermutlich in hunderten durchkellnerten Nächten solange optimiert haben, bis sie jeden Gast spielend und zielsicher an sein persönliches Trinkgeldmaximum treiben konnten. Alles ist wie immer und wie wir noch so überlegen, wie wir mit dem Feuerwachetrendwandel umgehen sollen, sagt Yentzieh neben mir ganz beiläufig:
“Da hinten sitzt er übrigens.”
“Wer?”
“Tim Mälzer”
“Ach Blödsinn!”
Wir hatten gerade vor einer Stunde darüber gesprochen, dass besagter Fernsehkoch am Abend eine Kochshow in der Stadthalle präsentiert hat.
“Klar, guck selber!”
Und er hat recht. Tatsächlich sitzt in einer Nische der Tim und unterhält sich angeregt mit einem Gegenüber.

Mir persönlich haben sich ja diese Idol-Fan-Beziehungen nie wirklich erschlossen. Kreischende Kinder, die auf Robbie Williams oder die Beatles (die cooleren natürlich eher auf die Stones) oder Tokio Hotel warten, liegen ausserhalb meiner Erfahrungswelt. Man kann Musik toll finden, ehrlich begeistert und mitgerissen sein, das Zusammenspiel der Musiker bewundern und eine Band als ganzes für ihr Schaffen verehren. ok. Das habe ich auch schon bei Pearl Jam, Metallica den Red Hot Chili Peppers oder den Beatsteaks erlebt. Das mündete jedoch niemals in Verehrung für die Personen, die hinter diesen Leistungen stehen. Ich würdige eher die Leistungen, wie ich anderer Menschen Arbeitsleistungen ebenso würdige. Das Produkt ihres Schaffens und Tuns gefällt mir und begeistert mich bisweilen. Auch was Max Goldt oder Wiglaf Droste so schreiben und eben auch was der Mälzer so kocht.

Nach einer ganzen Weile des Werkstudiums (in manchen Fällen auch des Konsums) bildet man sich dann langsam ein, eine ganze Menge über den Star zu wissen, ihn quasi zu kennen. Obwohl das natürlich völliger Quatsch ist. Das ist bei Tim Mälzer auch der Fall. Allerdings lässt er die Zuschauer auch mehr oder weniger intensiv an seinem Leben teilhaben und erzählt Stories aus seiner Jugend und läd Leute in seine Sendung ein, mit denen ihn gemeinsame Geschichten verbinden.

Irgendwann stehe ich also neben Tim am Urinal und spreche ihn an:
“Du bist doch der Tim Mälzer, oder?”
“Yo!”
“Cool!” gebe ich zurück.
“Wie jetzt?! Das erschliesst sich mir nicht so ganz. Ich stehe doch nur hier und pisse. Was ist denn daran cool?” freundlich aber auch leicht amüsiert über die wirklich dämliche Anquatsche grinst Tim mich an. Jetzt muss mir was einfallen sonst geht das voll in die Hose.
“Naja ich habe nur versucht deine Art zu kochen, deine blöden T-shirts und den Humor des Teams in einen Wort zu kondensieren.
Nicht schlecht, wie ich finde. Tim findet das wohl auch:
“Oh. Ok. Danke. Du siehst also meine Sendung regelmäßig?”
“Regelmäßig ist wohl übertrieben aber ich hab schon ein paar Folgen gesehen. Und der Tomaten-Brotsalat hat mächtig Eindruck auf diverse Frauen gemacht.” Ich grinse dämlich.
“Cool!” sagt er jetzt, obwohl ich sicher bin, das er solcherart Lob nicht so selten hoert.
“Du kannst kochen?” fragt er mich.
“Warum nicht, du kannst es doch auch!” und dann rede weiter:
“Man muss es mögen, dann geht es fast von allein. Ich beneide euch Profiköche lediglich um die solide handwerkliche Ausbildung, Produktwissen, den Überblick, die Standards die immer funktionieren und die Routine und Praxis. Sowas erarbeiten sich Amateuere in einem Leben Kocherfahrung. Aber dafür kannst Du ja vermutlich nicht programmieren, oder Blinddärme entfernen oder altgriechisch oder Haare schneiden.” Ich sehe Tims Frisur und lege nach: “Naja das mit den Haaren funktioniert für dich vielleicht. So wie das Spiegelei des 14 jährigen Schülers.” Tim lacht. Wir sind auf dem Weg zurück zur Bar.
“Wie gefällt dir Magdeburg?” frage ich nach.
“Keine Ahnung, bin nur im Hotel und in der Veranstaltungshalle gewesen. und in dieser Bar natürlich.” Tim kratzt sich am Kopf.
“Ist eigentlich sehr schade, dass ich selten wirklich etwas von den vielen kleinen und mittleren Städten zu sehen bekomme, in denen ich Shows habe, aber so läuft das nunmal in dem Geschäft.”
Ich nicke, als wüsste ich, wovon er redet.
“Naja, wenigstens kommst du ‘rum.” sage ich.
“Das liegt doch an jedem selber. Es zwingt dich doch niemand, immer an dem selben Ort zu hocken. Schon als mich noch keiner kannte, habe ich es noch nie lange am selben Ort ausgehalten. Es hat mir immer gereicht, sicher zu sein, dass ich irgendwohin zurückkehren konnte. Ein zuhause zu haben ist wichtig, besonders wenn man viel unterwegs ist.” ich nicke immernoch.
“Was trinkst du?” fragt Tim.
“Margerita.”
“Ok.” er gibt der zauberhaften Bedienung ein Zeichen.
“Die Cocktails sind hier gut gemacht. Wir haben als Studenten immer Tequila pur getrunken. Es gab eine Zeit, da war das mit dem Salz auf dem Handrücken und der Zitrone danach ziemlich cool. Irgendwann hat mich das Gematsche und die ewig klebrigen Finger nur noch genervt und ich musste bis nach New Mexico reisen, um die Margerita für mich zu entdecken.”
“Und wie war das mexicanische Essen?” fragt tim.
“Naja, ich mag scharfe Sachen.” sage ich und nehme kurz einen Blick von der Bedienung auf. Tim merkt das und stimmt zu.
“Diese ewigen Jalapenios und scharfen Eintöpfe mit Bohnen und gegrilltes Feuerwehrhühnchen und so weiter sind allerdings nichts, mit dem ich ein lebenlang meinen Energiebedarf decken möchte. Ist mal ganz nett aber auf Dauer ist das so, als würde man jeden Tag einen Esslöffel Rohrfrei aufgelöst in heisser Bateriesäere auf ex trinken.”
Tim nickt.
Ich rede weiter:
“Letztens hatte ich mal eine Pizza “Mexicana”, grundsätzlich sehr lecker, Rinderhack, rote Zwiebeln, Bohnen, eine Salsa aus Tomaten und Zwiebeln, die eine angenehme Süsse mit nicht zu dominanter Schärfe verband. Und was machen die Idioten in der Pizzeria? Die legen Chilischoten auf die Pizza. Schlimmster Sorte. Kennst du das Gefühl, wenn etwas so scharf ist, dass man davon Schluckauf bekommt, und nur noch so ein fast kitzelndes Kratzen am Gaumen spürt beim Essen?

So geht das noch eine ganze Weile. Wir reden natürlich über gutes Essen. Ich lobe seine einfachen Gerichte, lasse mich über Apfelcrumble, Kotteletts mit Apricosen, die unzähligen Salate, die Sandwiches zum Fussball (Rinderhackburger, frischer Salat, Saucen) und natuerlich die Grillrezepte aus, die ich zum Teil wirklich ausprobiert habe. Ich berichte vom Apfelstrudel meiner Großmutter, den ich schon fast genauso hinbekomme und die Leberreissuppe, an die ich mich noch nicht rangetraut habe (dabei ist die einfach: Leberknödelmasse durch ein grobes Sieb in heisse selbstgemachte Brühe streichen – die perfekte Vorsuppe, weniger aufdringlich als die ewigen Leberknödel von Tennisballgröße, die in kaum größeren Tassen stecken – Tim verspricht sie auszuprobieren). Ich rege mich über diese ganze Merchandising-Kacke auf. Kochbücher ok! Aber wer braucht Tim-Mälzer-Kochzangen, die er nicht mal erfunden hat, sondern nur benutzt, oder Tim-Mälzer-Schürzen mit diesem born-to-cook-Aufdruck, oder Tim Mälzer Brötchen bei meinem Bäcker um die Ecke, mit echtem Malz gebacken (haha, was für ein Kalauer). Das finde ich alles überflüssig. Tim zuckt mit den Schultern und sagt etwas über das Team und die Produktion, die ja auch Leben muss. Es ist eben eine Gratwanderung. Das ist sicher so, allerdings gibst Du für Dinge Deinen Namen her, die Du irgendwann nicht mehr wirklich kontrollieren kannst und dann droht es unglaubwürdig zu werden.

Ja so hätte eine Begegnung laufen können. Viel warscheinlicher wäre allerdings ein dreizeiliger Smalltalk, höflich, freundlich, vielleicht auch witzig, aber immer auch distanziert. Verständlich. Der Fan weis ne Menge über den Star (glaubt das zumindest) und nichts über den Menschen (merkt das aber nicht). Und der Star weis gar nichts über den Fan. Wozu auch? Wenn Stars abends privat in Bars sitzen, sind sie eben nicht der Star sondern der Mensch dahinter. Und der ist oft erstaunlich unspektakulär. Und will vor allem eben kein Gespräch mit einem Unbekannten aufgedrängt bekommen. Also lassen wir Sie einfach in Ruhe und ignorieren sie. Das haben sie (nicht anders) verdient.

Den Mälzer haben wir wirklich getroffen, allerdings hat das den Abend nicht merklich bereichert. Wir sind eben nicht mehr 16 …

Inzwischen sehe ich die Kochsendung seltener. Einige Rezepte sind jedoch haften geblieben. Und auch der Stil: Einfach, dicht an den hochwertigen Produkten, ohne viel Zauber. So wie auch Jamie Oliver das schon vor Tim populär gemacht hat. Danke dafür und alles Gute, Tim!

Und Jungs: Wir waren lange nicht in der Feuerwache! Wir müssen mal wieder um die Häuser ziehen!