Filter (5)

Geschrieben von Richard am 25 Mai 2009 |

zensuristkeineloesung


Freiwilliger Zwang

Geschrieben von Richard am 12 Mai 2009 |

Wer bei einem Massengentest nicht freiwillig mitmacht, macht sich offenbar hochverdächtig. In der Ermittlung zu einem 19 Jahre zurückliegenden Mordfall versucht die Polizei im Raum Rüsselsheim mit einem Gentest, den Täter zu ermitteln. Als einer der Zeugen den freiwilligen Gentest verweigert, wird er ruckartig zum Verdächtigen. Mit einer richterlichen Anordnung nehmen die Beamten dann doch eine Speichelprobe.

Ich frage mich gerade, was das ganze Gewäsch von Freiwilligkeit soll, wenn am Ende der Leine doch Zwang steht. Hier hat jemand sein Recht ausgeübt und die Abgabe von Genmaterial verweigert. Im Ergebnis ist er nicht mehr nur Zeuge sondern Verdächtiger in einem Mordfall. Mit dieser Logik ist jeder einer Straftat verdächtig, der seine Briefe zuklebt.

Unerheblich ist es dabei, ob der Mann schuldig ist, oder nicht. Auch das Bemühen der Ermittler, den Fall aufzuklären und den Schuldigen einer Bestrafung zuzuführen ist gut und richtig aber mit Massengentests wird die Beweislast umgekehrt: Jeder, der einer bestimmten Gruppe angehört (männlich, wohnt im Umkreis) ist potenziell schuldig, bis er durch seinen Gentest bewiesen hat, dass er es nicht ist.


Bullshit-Bingo

Geschrieben von Richard am 11 Mai 2009 |

Ein Blick in den Schaukasten der Kleingartenanlage und mein Bullshit-Bingo-Tippzettel war fast voll. Infinitive sind ebenfalls sehr beliebt.


Grillsaison

Geschrieben von Richard am 7 Mai 2009 |

Meine Ernährungsgewohnheiten könnte man mit bemüht-bewusst, letzlich aber doch genussorientiert beschreiben. Ungemein beliebt ist beispielsweise das Zubereiten von toten Tieren großen Mengen Fleisch Speisen auf offenem Feuer insbesondere in geselliger Runde unter Zuhilfenahme von einigen Bieren und geistreichen Gesprächen unter Freunden. Für alle, die ebenso empfinden und auch Innovationen beim Wochenendspass #1 offen gegenüberstehen, möchte ich BBQ-addicts empfehlen. Dort habe ich beispielsweise das Rezept für BaconExplosion gefunden. Dafür gibts offenbar schon einen Fanclub.


Tarantino Mashup

Geschrieben von Richard am 4 Mai 2009 |

Neulich hatte ich hier meine Begeisterung über jemanden zum Ausdruck gebracht, der beeindruckenden Sachen aus Youtube-Videos gebaut hat. Hier hat jemand Tarantino-Filme verarbeitet.

Eclectic Method – The Tarantino Mixtape from Eclectic Method on Vimeo.

Den Link hat mir der Ilja zum Geschenk gemacht. Danke dafür.


Filter (4) [mit Petitionshinweis!]

Geschrieben von Richard am 4 Mai 2009 |

Die Tinte unter dem Vertrag zwischen BKA und den großen Providern ist noch nicht trocken, da wird der Katalog der Verbrechen, aufgrund derer ein Access-Blocking stattfinden soll ergänzt durch ein paar andere mindestens genau so schlimme “Verbrechen”: Urheberrechtsverletzungen und illegales Glücksspiel. Es zeichnete sich ja ab und überrascht dürfte tatsächlich niemand sein, dass eine solche Infrastruktur noch vor der Inbetriebnahme solcherart Begehrlichkeiten weckt. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass der Widerstand gegen die Zensur des Netzes, und nichts anderes ist es, was die Regierungsvertreter hier vorhaben, keine “pseudo-bürgerrechtsengagierte Hysterie von Pseudo-Computerexperten” ist, wie Herr Dr. Uhl das zu beschreiben pflegte. (ja, genau DER Uhl!)

Ich habe mich schon oft gefragt, warum eine offenbar breite Masse von vorallem konservativen Politikern (aber leider nicht nur diese) einen so unstillbaren Drang verspüren, auf so schlichte Weise gegen Dinge vorzugehen, die sie offenkundig nicht verstehen. Mir ist das völlig fremd. Allerdings verstehe ich gut, dass ein Ding wie ein weltweites Computernetz, das prinzipbedingt nicht kontrollierbar sein soll, einem Technokraten eine gehörige Portion Unwohlsein bescheren muss.

Das Internet ist die wohl größte Revolution seit dem Buchdruck, keine Erfindung hat seither den Gedanken- und Meinungs- und Wissensaustausch ähnlich befördert, wie die breite Verfügbarkeit dieses Netzes. Praktisch jeder hat die Chance, sein bisschen Senf dazuzugeben. Das ist selten übersichtlich und auch nicht immer schön. Natürlich gibt es Ecken, in denen es ein nach Harn stinkt und kahlrasierte, einfältige Menschen Dummes in die Welt posaunen. Auch religiöse Eiferer kommen zu Wort und linke Bauernfänger, aber genau so kluge Journalisten wie engagierte Publizisten, deren Meinung nicht immer die meine ist, aber zumindest das selbständige Denken abseits der Mainstreammedien befördert. Mit dieser ungeheuren Vielfalt der Argumente, die jeden halbwegs vernunftbegabten Menschen vor Freude schier übersprudeln lassen müsste, muss es doch gelingen Humanismus und Aufklärung und Demokratie zu befördern.

Wer jetzt im Stillen genickt hat, kann nicht wollen, das eine Poliziebehörde ohne parlamentarische Legitimation oder gar richterliche Kontrolle darüber entscheidet, was zukünftig in deutschen Haushalten aus den Rechnern flimmert. Es geht nicht um den Schutz unserer Kinder, es geht schlicht um Kontrolle über ein Massenmedium.  Und da halte ich es mit Karl Popper der fragte:

“Wie können wir unsere politischen Einrichtungen so aufbauen, dass auch unfähige und unredliche Machthaber keinen großen Schaden anrichten können?”

Die jetzt geplante Zensurinfrastruktur scheint mir nicht die Antwort auf diese kluge Frage zu sein.

Hier ist die Gelegenheit für einen kleinen Beitrag dagegen: Zeichnet die Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten mit.

[Update]: Zwischen gestern 22:00 Uhr und heute morgen um acht 5.000 neue Unterschriften. Da bewegt sich etwas.


Gutes Netz

Geschrieben von Richard am 20 Apr 2009 |

Ich habe gerade keine Lust mehr über Netzsperren und deren noch viel schlimmere Ausgestaltung oder gar dumme Ideen der Jungen Union nachzudenken. Darum verlinke ich hier mal einen Grund, warum das Netz gut ist und nicht böse, es zeigt uns unter anderem sowas:

Ich sitze hier immernoch mit offenem Mund und muss gerade daran denken, dass wir früher schon ziemlich stolz waren, wenn wir ein Stück auf dem Hinterrad fahren konnten….


Punk ist (2)

Geschrieben von Richard am 16 Apr 2009 |

…auch nicht mehr das, was es mal war. Die Punks vorm Bahnhof heute hatten ein nagelneues Kofferradio dabei und hörten Radio Brocken. Nicht Sonics, Ramones oder Sex Pistols, Radio Brocken! Das muss ein Fehler in der Matrix gewesen sein.


Filter (3)

Geschrieben von Richard am 16 Apr 2009 |

Aus aktuellem Anlass kann ich nicht umhin, mich nochmal über die Filterpläne der Familienministerin aufzuregen. Am Freitag soll der Vertrag mit den Providern unterzeichnet werden (Der CCC hat zur Demo aufgerufen!). Auf heise gibt es übrigens einen schönen zusammenfassenden Artikel zum Thema.

Eine (sicher nicht vollständige) Übersicht der Provider und deren Filterpraxis gibts hier.


Filter (2)

Geschrieben von Richard am 19 Mrz 2009 |

Es ist ja nicht so, dass es sonderlich überraschen würde, wütend macht es aber allemal: offenbar ist die ganze Diskussion, in der die Familienministerin so vehement ihre Schnapsidee von der Filterung kinderpornografischer Seiten voranzubringen versucht (und zwar mit der Brechstange: “Ich lasse mich davon nicht abbringen”) nun in einem Stadium, in dem man auch langsam mal offen darüber reden kann, worum es wirklich geht: wirtschaftliche Interessen.

In den abschließenden Verhandlungen mit dem Familienministerium in großer Runde ist laut Ansicht von eco-Vertretern ferner klar geworden, dass es den bislang beteiligten Ressorts einschließlich des Wirtschafts- und Innenministeriums nicht nur um die von Experten als wirkungslos erachteten Sperrungen im Bereich Kinderpornographie gehe. Von einer entsprechenden Beschränkung sei nicht mehr die Rede gewesen. Somit stünde die Tür offen für Blockadeforderungen etwa auch von Rechteinhabern im Kampf gegen Copyright-Verstößen im Netz oder von den Betreibern staatlich genehmigter Glücksspieleanbieter gegen die illegale Online-Konkurrenz.

Die Filterinfrastruktur ist allerdings auch viel zu verlockend und teuer, als dass sie nur für die paar KiPo-Seiten installiert wird. Mich würde es nicht wundern, wenn schon über Kostenbeteiligungen von Rechteinhabern an der Infrastruktur diskutiert würde.


Thor Steinar

Geschrieben von Richard am 19 Mrz 2009 |

Das Baumblütenfest in Werder vor ein paar Jahren war vor allem von zwei Dingen geprägt: von widerlich süsser Obstalkoholplörre Wein und Thor Steinar tragenden Nazis. Das gehörte da offenbar zusammen, wenigstens der Wein ist ja  so etwas wie ein Kulturgut und -ehrlich gesagt- hat er uns auch ein paar denkwürdig heitere Stunden beschert. Auf die immense Ansammlung von erschreckend offen und unbehelligt auftretenden Nazis hätte ich allerdings gut verzichten können damals. Denen gemein war allen eine gewisse Vorliebe für die Marke Thor Steinar der Firma Mediatex aus Königs Wusterhausen (komisch dieses zwanghafte uniformierenwollen). Das dürfte sich nun allerdings ändern, denn die Marke ist offenbar an einen arabischen Investor verkauft worden. Huch denkt man da, das ist ja etwa so als trete der Papst zum Islam über oder käme Guido Westerwelle (der Küppersbusch hat ihn ja mal als Kreuzung zwischen Aal und Girokonto beschrieben) mit Turnschuhen und Rentierpulli in den Bundestag. Ich erinnere mich noch gut an einen Werbespot für Instant-Kartoffelpüree, in der eine Vorzeigedurchschnittsfamilie tsunamiartige Empörung über einer Werbeoma zusammenschlagen lies, die nicht mehr stampfen wollte (Kartoffeln, für ihr hausgemachtes Kartoffelpü) und statt dessen lieber das schleimige Zeug aus der Tüte zum Sonntagsbraten servierte. Im Werbespot ging alles gut aus: die Familie war begeistert vom Tütenpulverfrass und das Sakrileg war vergessen. So leicht wird es die Nazi-Marke wohl nicht haben. Möglicherweise ist sie durch den Besitzerwechsel ja sogar wertlos geworden, weil die Stammklientel nicht mehr ihre Stütze einem Araber in den Rachen werfen will. Mir soll es recht sein. Ich fand es sowieso doof, das sich Nazis der norwegischen Flagge bemächtigten und Worte wie Narvik und Tromsö einen negativen Beigeschmack hatten.


Thru You

Geschrieben von Richard am 6 Mrz 2009 |

Ich bin gerade total bezuckert, weil ich auf Kutiman und sein Projekt Thru You gestoßen bin. Einige Tage hatte die Seite deutlich mehr Aufmerksamkeit, als die Infrastruktur verkraften konnte, inzwischen sind seine Youtube-Mashups aber auch auf Youtube zu sehen. Exemplarisch: “Mother of all Funk Chords”

Really Cool Stuff!


Filter

Geschrieben von Richard am 26 Feb 2009 |

In den letzten Wochen und Monaten höre und lese ich viel über die Initiative der Familienministerin (der ich im übrigen sehr dankbar für das Elterngeld bin), das Internet von Kinderpornografie frei zu machen. Man muss nicht große Umfragen in Auftrag geben um zu ahnen, dass es wenig Ziele gibt, die so einen einhelligen Konsenz erzeugen, wie dieses. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ausgerechnet das Thema mit einem der höchsten Empörungspotenziale herhalten muss, um eine Institution zu etablieren, die das Grundgesetz ausdrücklich verbietet. Zensur heisst die Lösung, die hier natürlich harmlos als Filter daherkommt. Der Effekt ist der Gleiche. weiterlesen »


Käufliche Richter

Geschrieben von Richard am 17 Feb 2009 |

Käufliche Richter stellt man sich gemein hin als Leute vor, die Angeklagte gegen ein gewisses Entgeld freisprechen. In Pennsylvania lief das geringfügig anders. Hier haben 2 Richter jugendliche Straftäter zu Jugendhaft verurteilt und dafür Geld bekommen. Mehr als 2,6 Mio Dollar hat der private Betreiber an die Richter gezahlt.

Zunächst haben die Richter in ihren Funktionen dafür gesorgt, dass die vormals staatlichen Erziehungsanstalten für jugendliche Straftäter wegen schlechter Bedingungen geschlossen wurden, um dann für die privat betriebenen Einrichtungen für genügend Insassen zu sorgen, damit das Geschäftsmodell auch funktionert. Dafür haben die Richter Jugendliche ohne juristische Vorgeschichte wegen beispielsweise einer Schulhofschlägerei zu 90 Tagen Jugendarrest verurteilt.

Nun sitzen sie selbst auf der Anklagebank. Was bleibt ist die Erkenntnis, das hoheitliche Aufgaben nicht gut in profitorientierte Unternehmerhände passen.


Sicherheit als Kernkompetenz

Geschrieben von Richard am 16 Feb 2009 |

Seit einigen Tagen bekomme ich in mein gmail.com Postfach eine Fülle von Abwesenheitsmeldungen von Leuten, denen ich nie eine email geschrieben habe. Da muss man nicht lange rätseln: jemand missbraucht offenbar meine email-Adresse als reply-to fürs Spammen. Dagegen kann man ja in aller Regel nicht so viel tun. Allerdings ärgert mich das schon ein wenig. Ich habe dann kurz eine Anzeige gegen Unbekannt erwogen, ohne mich der Illusion hinzugeben, dass das irgendwas ändern würde. Und natürlich auch ohne zu wissen, ob das verwenden gefälschter reply-to Adressen in emails überhaupt strafbar ist. Für die Anzeige jedenfalls schien mir die Internetwache angemessen: Dort kennt man sich sicher aus und bei denen kann man so etwas schnell und unkompliziert erledigen. Also hab ich kurz gegoogelt und bin sehr bald fündig geworden. Irgendwie scheint da aber der Admin gerade im Urlaub zu sein (siehe Screenshot). Jedenfalls findet der hilfesuchende, medienkompetente Bürger genau das vor, wovor die Faltblättchen immer warnen: selbstunterschriebene, abgelaufene Zertifikate. Sogar mein Browser warnt mich besorgt davor, das Zertifikat anzuerkennen. Ich habe dann die Idee mit der Anzeige verworfen und dem Admin eine kurze email geschrieben.


Wecker

Geschrieben von Richard am 11 Feb 2009 |

In unserem Innenhof gibt es einen Nachbarn, dessen Wecker jeden morgen ab 5.30 Uhr seit einer Woche für etwa eine Stunde mit gefühlten 120dB vor sich hin hupt. Entweder der nette Nachbar ist verreist und hat den Wecker einfach vergessen oder er liegt tot in seiner Wohnung und er strenge Geruch ist nur wegen der Kälte noch nicht aufgefallen. Mal sehen, was der Frühling bringt.


Die Besten der Besten der Besten.

Geschrieben von Richard am 18 Jan 2009 |

Ich liebe diese Meldung. Das kann man sich gar nicht ausdenken und wenn das in einer der einschlägigen Gaunerkomödien daherkommt, schlägt sich der Zuschauer vor die eigene Stirn und sortiert das ganze unter Splapstick ein.

In Berlin lassen Polizisten Täter entkommen, indem sie sich gegenseitig festnehmen. Und das geht so: Ein Getränkemarkt in Wilmersdorf wird von zwei Männern, die mit Messer und Machete bewaffnet sind, mitten in der Nacht überfallen.  Beim Öffnen des Tresors löst der Inhaber einen stillen Alarm aus. Der kurz darauf eintreffende Zivilbeamte schlendert in den Laden und fragt, ob der Inhaber den Alarm ausgelöst hätte – daraufhin flüchten die Täter verständlicherweise und lassen Messer und Beute am Tatort zurück.

Die inzwischen eingetroffene Streifenwagenbesatzung nimmt den Beamten in Zivil fest und als dieser sich erklärt hatte, stürzen sich die Polizisten mit vereinten Kräften auf einen gerade eintreffenden Wachmann. Von den Tätern fehlt jede Spur.


Unter Null

Geschrieben von Richard am 8 Jan 2009 |

“Leck mich am A*sch, ist das kalt!” hört man dieser Tage häufiger und in der Tat sind in unserer Gegend Temperaturen im zweistelligen Minusbereich an nur wenigen Tagen im Jahr zu messen. Heute morgen zeigte das Thermometer an meinem Fenster -6°C. Vor ein paar Tagen waren es auch schon mal -12°C. Für Kinder im Vorschulalter ist das noch eine Sensation, für alle anderen einfach nur kalt. Der ARD war das gestern einen Brennpunkt wert. “Klirrende Kälte”. weiterlesen »


Zitate (3)

Geschrieben von Richard am 20 Nov 2008 |

Immer, wenn eine Theorie als die einzig mögliche erscheint, nehme man das als Zeichen, daß man weder die Theorie, noch das zu lösende Problem verstanden hat.

Karl R. Popper


Technikfeindlich

Geschrieben von Richard am 29 Okt 2008 |

Heute hat das Bundesverfassungsgericht in einer mündlichen Anhörung eine Entscheidung zum Einsatz von Wahlcomputern vorbereitet. Gehört wurden neben den Beschwerdeführern, die gegen den Einsatz von Wahlcomputern in der Bundestagswahl 2005 geklagt hatten, auch Experten Vertreter der Gegenseite.

Ich persönlich frage mich ja seit langem, wozu ein bestechend simples System mit versiegelten Urnen und Stimmzetteln aus Papier, das von allen interessierten Bürgern als Wahlbeobchter ohne besondere Intelligenz oder gar das Vorhandensein von Fachwissen nachvollzogen werden kann, unbedingt durch ein computergestützes System ersetzt und damit intransparent gemacht werden soll.

Die Ausreden Argumente Wahlcomputerhersteller Behördenvertreter waren auch entsprechend dünn. “Wahlen können mit oder ohne Technikeinsatz manipuliert werden” meinte sinngemäß der Hinterbänkler stellvertretende Vorsitzende des Wahlprüfungsausschusses Carl-Christian Dressel und fügte hinzu, dass verschiedene Kommunen bereits erhebliche Investitionen in die Technik getätigt hätten. Abgesehen davon entfalte das Strafrecht hier eine hinreichend abschreckende Wirkung. Na dann.

Das häufig vorgebrachte Argument, es wäre ja noch kein Manipulationsversuch aktenkundig, lies in dieser Anhörung ebenfalls nicht sehr lange auf sich warten. Dass ein Manipulationsversuch nicht zu erkennen sein muss, wandte dann sogar einer der Richter ein.

Auf Nachfrage des Verfassungsrichters Udo Di Fabio stellte der Vertreter der Beschwerdeführer Prof. Wolfgang Löwe klar, dass es hier nicht um Technikfeindlichkeit ginge sondern schlicht darum den Einsatz nicht ausgereifter und ungeeigneter Technik zu verhindern. Wahlen seinen kein geeignetes Spielfeld für Technikinnovationen.

Aus meiner Sicht wiegen die Vorteile der computergestützen Erfassung (die offenbar noch nicht mal welche sind, wie der CCC bei seiner letzten Wahlbeobachtung eindrucksvoll belegt), die Nachteile durch die fehlende Transparenz an keiner Stelle auf. Die Vor- und Nachteile spielen nicht mal in der selben Liga, genau besehen sind es völlig verschieden Sportarten. Allerorten wird lauthals über Politikverdrossenheit lamtiert und bei der Keimzelle, dem Fundament der Demokratie, den freien und geheimen Wahlen sind unsere gewählten Vertreter bereit, massive Einschränkungen in Transparenz und Sicherheit hinzunehmen. Ich hoffe jedenfalls, dass die Verfassungsrichter diesem Spuk bald ein Ende setzen werden.

Schöne Karrikatur zum Thema.


Von China lernen…

Geschrieben von Richard am 2 Sep 2008 |

Als ich Anfang der 90er mit dem Studium anfing, waren Begriffe wie ‘lean production’ und ‘just in time’ noch Schlagworte, mit denen man leicht erklären konnte, warum es auch gut ist, von Asien zu lernen. Das ist auch zweifelsohne immernoch so. Doch nun schlägt ein irrlaufender Parlamentarier ausgerechent eine Praxis zu Übernahme vor, die monatelang Gegenstand erbitterter Diskussionen war und ist und vor allem von westlichen Demokratien gegenüber China gern als Misstand angeprangert wird: die Zensur des Internet. Hans-Peter Uhl (CSU, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag) lässt den Focus wissen, dass er gern Provider per Gesetz zwingen will, bestimmte Seiten aus dem Netz zu nehmen.

Spätestens seit den Olympischen Spielen in Peking wisse man, was möglich sei: „Was die Chinesen können, sollten wir auch können. Da bin ich gern obrigkeitsstaatlich.”

Ich bin sicher, das die Vergabe der Spiele nach Peking irgendwo im hintersten Ende auch die Motivation hatte, mehr Offenheit in das Reich der Mitte zu exportieren. Offenbar funktioniert der Ideenaustausch aber auch mit umgekehrtem Vorzeichen.

Update: Auf abgeordentenwatch.de harrt im Übrigen eine Frage zu diesem Interview auf Beantwortung. hat Herr Dr. Uhl eine Frage zu diesem Interview beantwortet. Darin bringt er seine Empörung zum Ausdruck und erklärt, warum eine solche Sperre nur bedingt sinnvoll ist. Für notwendig hält er sie jedoch nach wie vor, oder vorsichtiger: Wert, darüber nachzudenken. Von China ist dann auch keine Rede mehr.  


Selbstschutz

Geschrieben von Richard am 18 Aug 2008 |

Was für ein unglaublich unzivilisiertes Land dieses Amerika doch ist: In einer Schule in Texas dürfen Lehrer nun zum Selbstschutz im Unterricht Waffen tragen. “Die Schießereien an Schulen fingen erst an, als die Schulen von der Regierung zu waffenfreien Zonen erklärt wurden. Aber warum sollte man es zulassen, dass es Leute dort draußen gibt, die sich nicht verteidigen können?” meint der Schulinspektor. “Wir haben ein Verriegelungssystem, wir haben Kameras – aber was, wenn es jemand schafft, in die Schulen einzudringen? Was sollen wir dann machen? Das ist einfach gesunder Menschenverstand.” fügt er hinzu. Mein Verstand führt mich auch nach intensivem Nachdenken zu einem anderen Ergebnis.


Down by the River

Geschrieben von Richard am 12 Aug 2008 |

Wenn so eine innere Unruhe mich plagt und ich das unbestimmte Gefühl habe, irgend etwas tun zu müssen, hilft sehr oft, einfach eine Stunde Rad zu fahren. Das ist dann meistens die 3-Brücken-Tour: Stadtfeld – Sternbrücke – Südspitze Rothehorn – Fussgängerbrücke Rothehorn – Fussgängerbrücke Herrenkrug – Handelshafen und dann mehr oder weniger an der Elbe zurück zur Innenstadt bis nach Stadtfeld. Das sind etwa 20 km und nach einer Stunde habe ich dann eine ausreichende Rechfertigung für das nächste gute (etwas zu üppige) Essen und Trinken. Manchmal mache ich aber auch den Biathlon: mit dem Fahrrad zum Mückenwirt und dort ein paar Seiten lesen. Hier ist dann auch meine Verpflegungsstelle – man will ja nicht dehydrieren – die mich mit gutem isotonischen Weizenbier versorgt. Letzten Samstag hatte ich an den Biathlon gedacht, als ich mich gegen acht meinem Fahrrad anvertraute. Dann kam aber doch alles ganz anders. weiterlesen »


Shaft

Geschrieben von Richard am 11 Aug 2008 |

Isaac Hayes ist gestern im Alter von 65 Jahren verstorben.


Atomkraft ist die Zukunft

Geschrieben von Richard am 9 Jul 2008 |

Angesichts der hohen Ölpreise diskutieren konservative und auch nicht so konservative Politiker inzwischen wieder die Vorzüge der Kernkraft. Gern wird da die besonders hohe Umweltverträglichkeit kolportiert (CO2-neutral). Mir wird dann regelmäßig unwillkürlich schlecht. Nicht nur weil es einfach dumm ist, nicht in wirklich zukunftsweisende Technologien zu investieren und eines Tages dort dann die dicken Gewinne einzufahren, sondern auch wegen Meldungen wie dieser. In einem französichen Kernkraftwerk laufen 30.000 Liter radioaktive Flüssigkeit in die Umgebung. Gesundheitliche Gefährdungen bestanden angeblich nur in geringem Ausmaß. Dann steht da noch, dass diese uranhaltige Lösung 12 Gramm (!) Uran pro Liter enthalten hat (Grenzwert für Trinkwasser: 15µg/l). Insgesamt sind dann also 360 kg Uran in die Umwelt gelangt. Um das auf eine Konzentration unter dem Grenzwert zu bringen, sind etwa 30.000.000 m² Wasser notwendig (der Barleber See enthält etwa 10 Mio. m²). Das klingt für mich nicht mehr wie ein unbedenkliches Vorkommnis. Vor allem, wenn man bedenkt, dass beim Design von Kernkraftwerken mit der strikten Trennung in verschiedene Kühlkreisläufe großer Wert darauf gelegt wird, dass eben genau kein uranhaltiges Kühlwasser austreten kann.