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Stadtplanung nach Hahnemann

geschrieben von Richard on 10 Nov 2009

Wer künftig Arbeiter dabei beobachten kann, wie sie Löcher in die Asphaltdecke neben die Frostschäden aus dem letzten Winter meisseln oder Kinder, wie sie die Fensterscheiben eines leerstehenden Hauses zertrümmern, der hat es nicht mit Vandalismus oder Arbeitsbeschaffung zu tun, sondern hält sich vermutlich in Köthen auf. Das, was die fleissigen Hände da tun, ist eben nicht Zerstörung, sondern nennt sich Reizsetzung nach dem Ähnlichkeitsprinzip und ist eine zentrale Methode der Homöopathie.

Die stolze Bach-Stadt Köthen hat ihren Sohn Samuel Hahnemann wiederentdeckt. Der ist zwar nicht in der anhaltinischen Kreisstadt geboren, hat hier aber wohl eine zeitlang seine Leer Lehren um wirkstofflose Mittelchen entwickelt und verbreitet. Das war der Stadtmarketing Gesellschaft offenbar Grund genug, dass Profil der Stadt um die Facette der Pseudowissenschaft zu erweitern. So soll bis 2010 ein Masterstudiengang für Homöopathie in Köthen angeboten und die wiederentdeckte Tradition so im Selbsverständnis und im Image der Stadt verankert werden.

Das ist aber wohl noch nicht spektakulär genug und so haben sich die kreativen Jungs von der Imageabteilung noch einen besonderen Coup überlegt: Homöopathische Stadtplanung und Sanierung. Da werden jetzt viele die Stirn runzeln und denken: Mönsch, das ist doch das, was wir zwischen ’49 und ’89 gemacht haben! Stimmt auch. Aber es reicht nicht, es zu tun, man muss auch darüber reden. Und zwar positiv!

Mir ringt es offen gestanden eine gewisse Bewunderung ab, Stadtplanung und Sanierung schlicht zu unterlassen und dann von Homöopathie zu sprechen. So werden mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe geschlachtet: kostet nix und lässt sich vermarkten. Respekt!

Allerdings wäre es fahrlässig, die Methoden nur zu bewundern, mit denen die Köthener da aufwarten. Man muss sie kopieren!

Die Reizsetzung nach dem Ähnlichkeitsprizip postuliert, dass Symptome (Kopfschmerz) bekämpft werden können, indem dem Patienten ein stark verdünntes Mittel verabreicht wird, welches das selbe Symptom (Kopfschmerz) verursacht. Minus mal minus gibt plus quasi. Übertragen auf andere Anwendungsfelder könnte das ungefähr folgendes bedeuten:

Stadtsanierung: eine Fassade mit Wasserschaden saniert sich, wenn ich am Nachbarhaus die Dachrinnen kaputt schlage.

Autoreparatur: einen platten Reifen bekommt man prima in den Griff, indem man bei einem Zweiten das Ventil herausdreht.

Ehe: ein Seitensprung mit den zwei besten Freundinnen der Ehefrau ist für die Angetraute viel leichter zu verkraften, wenn man hinterher gleich noch mit der Nachbarin ins Bett steigt.

Ja, so ungefähr könnte es gehen. Und wenn es nicht funktioniert, war das System nicht komplex genug oder der Glaube hat gefehlt.

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