Auf der Jagd nach dem Geschäftsmodell

Geschrieben von Richard am 23 Nov 2009 |

Heute berichtet das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg über einen sich anbahnenden Deal zwischen Rupert Murdochs News Corp. und Microsoft. Gegen Google. Die News aus dem Medienkonzern sollen exklusiv über die Microsoft-eigene Suchmaschine Bing erreichbar sein. Dafür soll Microsoft zahlen. An News Corp. Na sollen sie doch. Ich würde weder die Nachrichten von News Corp. vermissen und erst recht nicht würde ich anfangen, ihretwegen die Microsoft-Suche zu benutzen. Was für eine absurde Vorstellung, hier erfolgreich ein Parallel-Web etablieren zu wollen, und damit Google in die Knie zu zwingen, wo doch niemand ernsthaft bezweifelt, dass Google vermutlich durch die Listung der News in den Suchergebnissen auch Murdoch mehr nutzt als schadet.

schnittmengeEine dazu passende Meldung ist die, dass der Springer-Konzern die Angebote von Welt.de und Bild.de für iPhone-Nutzer nur noch über eine kostenpflichtige Applikation obendrein kostenpflichtig angeboten werden. Ich habe kurz überlegt, wann ich zuletzt mit meinem iPhone bild.de aufgerufen habe. Es ist mir nicht eingefallen. Ich vermute, das liegt daran, dass das noch nicht vorgekommen ist. Ich bin sogar so verwegen zu behaupten, dass die Schnittmenge zwischen iPhone-Besitzern und Bildlesern sehr überschaubar ist. Insofern darf das Vorhaben wohl auch als eher weniger brillante Idee abgehakt werden.

Wie passend: während ich diese Zeilen schreibe, blamieren sich gerade 3 Männer in der ARD, von denen ich zumindest 2 für halbwegs intelligent gehalten habe. Hint: Beckman gehört nicht dazu. Frank Schirrmacher (FAZ) promoted sein Buch, das gegen die internetinduzierte Informationsvielfalt polemisiert. Und Jauch gibt ihm recht, während Beckmann Stichworte in den Raum wirft. Eigentlich sollten die drei nur mal ein Selbstmanagement-Seminar besuchen oder ihre Kinder fragen, wie man sich Medienkompetenz aneignet. So wie das gerade bei Beckmann diskuitert wird, kommen die beiden Medienprofis wie weinerliche Maschinenstürmer daher, die sich die gute alte Zeit der Deutungshoheit der klassichen Medien zurückwünschen: mit zwei Fernsehsendern und einer überschaubaren Anzahl von Tageszeitungen, die man schön in links und konservativ und liberal einordnen konnte. Oder so.

Ich hatte es hier schon einmal geschrieben: die Medienlandschaft und die Wahrnehmnung von Informationen befindet sich vermutlich im größten Umbruch seit Erfindung des Buchdrucks. Und diejenigen, die am wenigsten davon profitieren, haben die besten Mittel, diesen Prozess zu verlangsamen, indem sie die öffentliche Wahrnehmung steuern. Und davon machen sie ausgiebig Gebrauch.


Google Wave

Geschrieben von Richard am 10 Nov 2009 |

Ich spiele jetzt schon seit einiger Zeit mit Google Wave rum und bin hin und her gerissen zwischen Begeisterung über die Möglichkeiten und Ärger darüber, dass mir die Zeit und vor allem die vertrauten Partner fehlen, um den Dienst ausgiebig zu testen.

Insgesamt fühlt es sich an wie ein Diskussionsboard mit vertraulichen Kanälen. Die öffentlichen Waves sind noch recht hakelig bisweilen und ausserdem kann das ja kein Mensch alles lesen. Es gibt schon ein paar Versuche in die Kakofonie (wie ein ehemaliger Kanzler sagen würde) Struktur zu bringen. Allerdings mutet das Ganze bei mehr als 5-6 aktiven Teilnehmern schnell in ein unkoordiniertes Geplapper aus.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, hier mit ein paar Kollegen gemeinsam Konzepte und Spezifikationen zu entwickeln. Dazu scheint es wie gemacht.

Insgesamt ist das Produkt noch unreif und zeitweise wenig performant. Aber das wird die Zeit bringen. Ein ersatz für email ist es noch nicht. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben.

Schön ist: durch das Rumgeteste habe ich mich wohl qualifiziert, meinerseits Freunde einzuladen. Ich hab noch ein paar Invites übrig. Wer will?


Stadtplanung nach Hahnemann

Geschrieben von Richard am 10 Nov 2009 |

Wer künftig Arbeiter dabei beobachten kann, wie sie Löcher in die Asphaltdecke neben die Frostschäden aus dem letzten Winter meisseln oder Kinder, wie sie die Fensterscheiben eines leerstehenden Hauses zertrümmern, der hat es nicht mit Vandalismus oder Arbeitsbeschaffung zu tun, sondern hält sich vermutlich in Köthen auf. Das, was die fleissigen Hände da tun, ist eben nicht Zerstörung, sondern nennt sich Reizsetzung nach dem Ähnlichkeitsprinzip und ist eine zentrale Methode der Homöopathie.

Die stolze Bach-Stadt Köthen hat ihren Sohn Samuel Hahnemann wiederentdeckt. Der ist zwar nicht in der anhaltinischen Kreisstadt geboren, hat hier aber wohl eine zeitlang seine Leer Lehren um wirkstofflose Mittelchen entwickelt und verbreitet. Das war der Stadtmarketing Gesellschaft offenbar Grund genug, dass Profil der Stadt um die Facette der Pseudowissenschaft zu erweitern. So soll bis 2010 ein Masterstudiengang für Homöopathie in Köthen angeboten und die wiederentdeckte Tradition so im Selbsverständnis und im Image der Stadt verankert werden.

Das ist aber wohl noch nicht spektakulär genug und so haben sich die kreativen Jungs von der Imageabteilung noch einen besonderen Coup überlegt: Homöopathische Stadtplanung und Sanierung. Da werden jetzt viele die Stirn runzeln und denken: Mönsch, das ist doch das, was wir zwischen ’49 und ’89 gemacht haben! Stimmt auch. Aber es reicht nicht, es zu tun, man muss auch darüber reden. Und zwar positiv!

Mir ringt es offen gestanden eine gewisse Bewunderung ab, Stadtplanung und Sanierung schlicht zu unterlassen und dann von Homöopathie zu sprechen. So werden mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe geschlachtet: kostet nix und lässt sich vermarkten. Respekt!

Allerdings wäre es fahrlässig, die Methoden nur zu bewundern, mit denen die Köthener da aufwarten. Man muss sie kopieren!

Die Reizsetzung nach dem Ähnlichkeitsprizip postuliert, dass Symptome (Kopfschmerz) bekämpft werden können, indem dem Patienten ein stark verdünntes Mittel verabreicht wird, welches das selbe Symptom (Kopfschmerz) verursacht. Minus mal minus gibt plus quasi. Übertragen auf andere Anwendungsfelder könnte das ungefähr folgendes bedeuten:

Stadtsanierung: eine Fassade mit Wasserschaden saniert sich, wenn ich am Nachbarhaus die Dachrinnen kaputt schlage.

Autoreparatur: einen platten Reifen bekommt man prima in den Griff, indem man bei einem Zweiten das Ventil herausdreht.

Ehe: ein Seitensprung mit den zwei besten Freundinnen der Ehefrau ist für die Angetraute viel leichter zu verkraften, wenn man hinterher gleich noch mit der Nachbarin ins Bett steigt.

Ja, so ungefähr könnte es gehen. Und wenn es nicht funktioniert, war das System nicht komplex genug oder der Glaube hat gefehlt.