Rechtsfreier Raum

Geschrieben von Richard am 11 Aug 2009 |

Das Morgenmagazin von ARD und ZDF soll nicht überfordern. Das sehe ich ein. Wenn ein Mitglied der Zielgruppe dieses Formats mit sekretverkrusteten Augen und zerknittertem Gesicht morgens mit dem Kaffebecher in der Hand vor der Glotze steht, um wach zu werden, darf man die Latte nicht zu hoch legen. Kurze, leicht verdauliche Nachrichtenhäppchen sind da willkommen. Oder ein als Interview getarntes Geplauder zwischen einer Praktikantin des ehemaligen Nachrichtenmagazins aus Hamburg und dem Journalistendarsteller Jobatey.

Das ist so bizarr, was da abläuft und zeugt von einer solch großen Inkompetenz, dass ich fast geneigt bin, an Satire zu glauben.1 Rechtsfreier Raum? Ich habe schon Dutzende von Kaufverträgen im Internet abgeschlossen.  Auch Bankgeschäfte funktionieren seit Jahren für mich prächtig über die Onlineprotale verschiedener Banken.

Tausende von Abmahnung wegen “illegalem” Tauschen von Musik und Filmen zeugen deutlich davon, dass das Netz mitnichten rechtsfrei ist. Im Gegenteil: Nutzer können vieles im Internet tun: betrügen, beleidigen, klauen, mobben, verunglimpfen, hehlen, zu Straftaten anstiften und hetzen. Allerdings müssen sie wie im realen Leben auch mit Strafverfolgung rechnen. Zu recht natürlich.  Dies gilt auch für die Verbreitung von dokumentiertem Kindesmissbrauch (euphemistisch gern auch als  Kinderpornografie bezeichnet).

Die Gesetze der realen Welt gelten genauso auch im Internet. Das Internet ist die reale Welt. Das Internet ist lediglich ein Vehikel der Kommunikation der realen Welt, nicht ein ominöses Paralleluniversum, in dem sich Nerds und Kriminelle tummeln. Wer so argumentiert, hat nichts verstanden oder handelt böswillig. Ich unterstelle Jounalisten per se, anders als Politikern, eine gewisse Intelligenz. Also muss es volle Absicht sein.

Was der Spiegel da auf dem Cover seines neuen Heftes suggeriert, zeugt letzlich von einem ausgeprägten Opportunismus. Für mich verdichtet sich der Eindruck, dass hinter all dem Rufen und Schreien nach Regeln im und für das Netz (die natürlich längst existieren) nicht viel mehr steckt als die Erkenntnis, dass Verwertungsmodelle für Texte, Filme, Bilder und Musik von vor 20 Jahren, als die publizistische Hoheit noch bei den Verlagen lag, nun zunehmend nicht mehr funktionieren. Symptom dafür ist die Scheindiskussion um google news, den Nachrichtenaggregator, dem von Seiten der Verlage gern immer wieder vorgeworfen wird, mit den Qualitätsinhalten2, die die Verlage produzieren, Geld zu verdienen, ohne dass die Erzeuger der Qualitätsinhalte angemessen daran partizipieren. Das ist natürlich Blödsinn. Suchmaschinen können nur auf das verweisen, was Verlage ins Netz stellen und diese Verlage sind sogar darauf angewiesen, dass sie von Suchmaschinen verlinkt werden.3

Der Kern der Auseinandersetzung ist also vielmehr, dass mit dem technischen Hilfmittel Internet die Hürden für freies Publizieren und den Austausch von Ideen und Gedanken so niedrig geworden sind, dass die Bedeutung von Verlagen als Mittler zwischen Journalisten und Kreativen und Rezipienten zunehmend schwindet. Diese treten direkt in Kontakt miteinander. Auch mit vertauschten Rollen. Allerdings haben das die Unterzeichner der Hamburger Erklärung offenbar noch nicht akzeptiert.

Schlimm dabei ist, dass die Verlage mit den etablierten Publikationen nicht unerheblich die öffentliche Meinung und damit die Politik beeinflussen (können und auch tun). Wie das geht, zeigt eindrucksvoll der Spiegeltitel.

  1. unnötig zu erwähnen, dass die Reaktion vom Moderator bzw. das völlige Fehlen einer solchen ebenfalls Kompetenzdefizite immensen Ausmaßes offenbart. Er leitet zwanglos zum Sport über, anstatt wenigsten einmal nachzufragen,  wie das mit dem rechtsfreien Raum gemeint ist. Aber vermutlich war es nicht nur die Kompetenz die Jobatey da fehlte, sondern schlicht das Interesse. []
  2. wie es tatsächlich um die Qualität der Inhalte bestellt ist, steht auf einem anderen Blatt []
  3. Übrigens: wer sich mal die Mühe macht, Google News aufzurufen, wird feststellen, dass der Werbeanteil auf der Seite bei exakt 0% liegt. []

Zutrittskontrolle fürs Netz

Geschrieben von Richard am 11 Aug 2009 |

Golem.de berichtet von angeblichen Plänen der Bundesregierung, einen Internetausweis einzuführen, der alle Aktivitäten im Netz rückverfolgbar machen soll. Das würde gut zu den ungeheuerlichen Vorstellungen vonThomas de Maizière passen, der Verkehrsregeln fürs Netz fordert. Indes dementiert das Innenministerium auf Anfrage von Golem offenbar. Allerdings nicht ohne einzuschränken, dass dieses Dementi natürlich nur für das Innenministerium gilt. Ich glaube ihr das. Vermutlich wird diese Neuerung als Initiative des Wirtschaftsministeriums kommen, die damit den Internethandel sicherer machen will.

Schönes Zitat am Rande:

Auch der elektronische Personalausweis mit Online-Identitätsnachweis erlaube eine anonyme Nutzung im Internet durch die Möglichkeit, Pseudonyme zu verwenden.

Pseudonym <> Anonym! Aber für solche Haarspaltereien haben Beamte vermutlich keine Zeit.


Zensursula macht Wahlkampf

Geschrieben von Richard am 11 Aug 2009 |

CDU.TV auf youtube. Das ist nur etwas für starke Nerven. Uschi plaudert über Lieblingsbuch, warum Politik so toll ist (man kann gestalten), politisches Schlüsselerlebnis (die von ihr angestoßene Väterbewegung: Väter im Elterngeld), Vorbilder (Achtung: Wolfgang Schäuble als Mentor und Hüter des Grundgesetzes (sic!)).

Wie gesagt: für starke Nerven. Das ist so verdammt #fail im Internet. Ich freue mich auf die ersten Parodien!