Thor Steinar
geschrieben von Richard on 19 Mrz 2009
Das Baumblütenfest in Werder vor ein paar Jahren war vor allem von zwei Dingen geprägt: von widerlich süsser Obstalkoholplörre Wein und Thor Steinar tragenden Nazis. Das gehörte da offenbar zusammen, wenigstens der Wein ist ja so etwas wie ein Kulturgut und -ehrlich gesagt- hat er uns auch ein paar denkwürdig heitere Stunden beschert. Auf die immense Ansammlung von erschreckend offen und unbehelligt auftretenden Nazis hätte ich allerdings gut verzichten können damals. Denen gemein war allen eine gewisse Vorliebe für die Marke Thor Steinar der Firma Mediatex aus Königs Wusterhausen (komisch dieses zwanghafte uniformierenwollen). Das dürfte sich nun allerdings ändern, denn die Marke ist offenbar an einen arabischen Investor verkauft worden. Huch denkt man da, das ist ja etwa so als trete der Papst zum Islam über oder käme Guido Westerwelle (der Küppersbusch hat ihn ja mal als Kreuzung zwischen Aal und Girokonto beschrieben) mit Turnschuhen und Rentierpulli in den Bundestag. Ich erinnere mich noch gut an einen Werbespot für Instant-Kartoffelpüree, in der eine Vorzeigedurchschnittsfamilie tsunamiartige Empörung über einer Werbeoma zusammenschlagen lies, die nicht mehr stampfen wollte (Kartoffeln, für ihr hausgemachtes Kartoffelpü) und statt dessen lieber das schleimige Zeug aus der Tüte zum Sonntagsbraten servierte. Im Werbespot ging alles gut aus: die Familie war begeistert vom Tütenpulverfrass und das Sakrileg war vergessen. So leicht wird es die Nazi-Marke wohl nicht haben. Möglicherweise ist sie durch den Besitzerwechsel ja sogar wertlos geworden, weil die Stammklientel nicht mehr ihre Stütze einem Araber in den Rachen werfen will. Mir soll es recht sein. Ich fand es sowieso doof, das sich Nazis der norwegischen Flagge bemächtigten und Worte wie Narvik und Tromsö einen negativen Beigeschmack hatten.