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Der Reaktor brennt (nicht)

geschrieben von Richard on 6 Jul 2007

Im Atomkraftwerk Krümmel bei Geesthacht kam es in der letzten Woche zum Störfall Nummer 15 in den 24 Jahren seit Inbetriebnahme. Zunächst hatten die Betreiber einen Brand in einem der beiden Transformatoren eingeräumt. Dieser Artikel in der Zeit berichtet jedoch unter Bezugnahme auf die Gesellschaft für Reaktorsicherheit etwas detaillierter über die Vorgänge am letzten Donnerstag:

Nach Angaben der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) in Köln waren drei Pannen aufgetreten: Zunächst habe ein Hochspannungsschalter zwischen Kraftwerk und brennendem Trafo nicht ordnungsgemäß unterbrochen, sodass weiterhin Kraftwerksstrom mit 380.000 Volt in die funktionsuntüchtige Umspannanlage floss. Später sei eine Pumpe nicht angesprungen, die die Kernbrennstäbe vor dem Überhitzen schützt. Außerdem hätten Sicherheitsventile, die einen Überdruck im Reaktor verhindern sollen, möglicherweise erst zu spät geschlossen.

Wir haben alles unter Kontrolle. Weiter liesst man da:

Im Normalbetrieb ist die “Reaktorspeisewasserpumpe” dafür zuständig, den Wasserpiegel im Druckbehälter des Reaktors konstant zu halten. In diesem Wasser befindet sich der Uran-Brennstoff. Der erhitzt das Wasser, das an seiner Oberfläche verdampft und im oberen Teil des Kessels als heißes Wassergas aus dem Reaktorgebäude hinaus in die Maschinenhalle geführt wird, wo es die Turbine zur Stromerzeugung antreibt. Für gewöhnlich liegt der Uran-Spaltstoff mehrere Meter unter der Wasseroberfläche, um das Material zu kühlen und eine Kernschmelze zu verhindern. Die Speisewasserpumpe führt dem Behälter immer so viel Wasser zu, wie durch das Abdampfen an der Oberfläche verloren geht. So bleibt der Wasserstand konstant.

Während des Störfalls sei der Spiegel jedoch um ein bis zwei Meter gefallen, sagt Horst May von der GRS.

Ein bis zwei Meter? Meine Güte. Wieviel ist das denn bezogen auf den Gesamtwasserstand im Reaktor?

Im Störfall gehört es offenbar zu den Prozeduren, dass die dann Speisewasserpumpe für den Reaktor aus dem öffentlichen Stromnetz versorgt wird. Nach dieser Umschaltung hat die Pumpe aber gar nicht mehr funktioniert.

Nach einem kurzen Neustart sei sie [die Pumpe] “möglicherweise durch einen Fehler in der Leittechnik” vielmehr dauerhaft ausgefallen.

Fehler in der Leittechnik? Klingt wie der Ausredenabreisskalender eines Systemadministrators. Naja, kann ja mal was ausfallen. Ist ja bestimmt alles redundant ausgelegt.

Nach dem Schaden an der Pumpe sprang jedoch keines der Ersatzgeräte an, wie die GRS berichtet.

Das erinnert mich alles irgendwie an einen Schiffbrüchigen in einer Nussschale mit 10 Löchern, in denen jeweils ein Finger steckt und der immernoch behauptet, es ginge alles prima.

Aber Atomkraft ist eine total tolle und saubere Sache. Und Technik ist unter allen Umständen und immer beherrschbar. Und nach Ansicht der GRS sei zwar nicht alles reibungslos verlaufen, aber im Großen und Ganzen sei das schon alles innerhalb normaler Parameter gewesen. Naja.

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