Bundesweite Gehaltsdatei

Geschrieben von Richard am 29 Jul 2007 |

Was wie ein schlechter Witz klingt, ist ein weiteres Bausteinchen auf dem Weg zum gläsernen Bürger: Unter dem schönen Namen Elena soll nach Plänen des Wirtschaftsministeriums eine bundesweite Gehaltsdatei aufgebaut werden, die die Einkommensdaten von 34 Millionen abhängig beschäftigten Arbeitnehmern bis zu 4 Jahre rückverfolgbar speichern soll.

Das macht dann das Beantragen von Arbeitslosengeld einfacher. Auch bei Kindergeld1 und bei Unterhaltsfragen sollen die Prozesse dann reibungsloser verlaufen.

In diesen Zusammenhang passt auch eine andere Meldung zum Thema Datensammlungen: Man kann ja schon lange nicht mehr am Geschäftsleben teilhaben, ohne zuzustimmen, bei der Schufa detaillierte Daten zu hinterlassen. Die Schutzgemeinschaft geht jetzt noch einen Schritt weiter und verspricht einen besseren Scoringwert, wenn man freiwillig weitere Angaben zu Einkommen und Vermögen macht.

Irgendwie drängt sich hier ja eine Zusammenarbeit auf. Ein Joint Venture sozusagen zwischen den staatlichen Datensammlern mit dem Convenience-Gedanken und den gewerblichen Datenhändlern mit Geschäftssinn: wenn zukünftig die Gehaltsdaten bei der deutschen Rentenversicherung sowieso rumliegen, müsste man das Ganze doch einfach nur noch verknüpfen. Ich meine, wenn man die Daten sowieso schon erfasst hat… Meine Güte wäre das bequem.

Angesichts solcher Aussichten mutet es schon fast anachronistisch an, dass die Gehaltsbarechnungen in meiner Firma immernoch im verschlossenen Umschlag ausgehändigt werden.

  1. dessen Auszahlung ja gehaltsunabhängig ist!! []

Punk ist…

Geschrieben von Richard am 29 Jul 2007 |

…im Stadtfeld vor allem Hundehaufen von wahrhaft biblischen Ausmaßen. Wer jemals im Stadtfeld die Gelegenheit hatte, einen “Ich-schnappe-mal-eben-für-’ne-viertel-Stunde-Luft”-Spaziergang im Dunkeln unternommen zu haben, der weiss, wovon ich rede.

Das sind nicht nur einfach kleine Köddel, die unangenehm im Schuhprofil hängen bleiben und deren angetrocknete Kruste tapfer unterm Schuh durchhält, bis der arglose Träger wiedermal im Auto sitzt und etwas gegen seine kalten Füsse tun will. Dann trifft es um so härter: Das eiserne Herz des 20 Jahre alten Golfs wird warm und er Besitzer entwickelt den üblichen Stolz ob der schadstoffarm schnurrenden Maschine, die nun ihrereseits dankbar die erwärmte Luft in den Innenraum bläst. Natürlich immer auf die Füsse. Die werden wohlig warm und noch bevor der Besitzer der solcherart befriedigter Füsse beginnt, das wirklich toll zu finden, entfalten die kleinen Köddeln ihr grausames Potenzial. Schlimm ist es dann mit Hundescheisse an den Füßen in einem Auto zu sitzen, das sich mit 160 Stundenkilometern einem Stau hinter einer Bergkuppe nähert, der etwa 250 Meter nach der letzten Ausfahrt beginnt und die Lüftung unentwegt offenbart, dass sich die Hundescheiße entschlossen hat, geruchstechnisch deutlich auf sich aufmerksam zu machen.

Nein, das ist noch viel mehr als diese kleinen garstigen Köddel. Stadtfelder Hundeverdauungsergebnisse sind bisweilen so gross, das niemand die Chance hat, sie bis zum Auto zu ignorieren oder gar zu übersehen. Im Moment des Ereignisses sind sie einfach präsent. Wenn sich die Ferse dem Boden nähert, ist das Schicksal besiegelt: der Mittelfuss tritt zuerst in Kontakt mit der braunen Masse, die dann ziemlich rapide unter dem Druck zur Seite ausweicht und sich mit einer strammen Aufwärtsbewegung kraftvoll um den teuer beschuhten schlanken Fuss schmiegt, der seinerseits nur die Bewegung bis zum vollständigen Kontakt mit dem Pflaster ausführt. Der Fuss steht. Und die Wurst des verhaltensgestörten und ohne Zweifel politisch links eingestellten Rottweilermischlings umhüllt ihn innig. Das sind Momente, in denen man den Glauben verliert, dass Hundehalter auch zivilisierte Menschen sein können. Die Punks, die auf den Wiesen im Stadtfeld rumlungern, und denen die Hunde hörig sind, sind es jedenfalls eher nicht. Obwohl ich dem Biertrinken schon am Vormittag manchmal eine gewissen Charme abgewinnen kann, gelingt mir das mit Hundescheisse ganz und gar nicht.

Gehen Punks eigentlich aufs Klo? Oder scheissen die auch einfach in die Wohnung? Das wäre immerhin konsequent.


Zurück vom Wirt

Geschrieben von Richard am 23 Jul 2007 |

dom_stern_elbeAls ich auf mein Rad steige, ist es schon dunkel, also schon wirklich spät. Mist, muss morgen malochen. Also los jetzt. Egoistenradiostöpsel in die trainierten Ohren und entlang der Elbe. -Jesus built my car, Its a love affair- werde schnell schneller, kein Wunder bei der Mucke. Dann aber samtiger -And we gave it time/ All eyes are on the clock/ But time takes too much time/ Please make the waiting stop- blöder Hügel an der neuen Brücke, radle stehend im kleinen Gang und Kreislauf rennt. Oben dann verschnaufen und die samtige Milch genießen. Weiter am General vorbei auf mamornen Wegen mit Sakralem im Blick. Im Ohr die andere Fraktion -I was talking to Jesus through a hole in the floor/ He said our time is up, we can’t stay anymore/ No more- damit gehts gut bis zum bunten Haus. Jetzt der alte Mann, der kurze, laute -But that’s the way I like it baby, I don’t wanna live for ever- treibt mich weiter bis zum Posercafè mit A. Nun ruhiger, mit noch nem alten Mann, einem ganz Großen -And once you’re gone, you can never come back- na DAS werden wir noch sehen! Rolle an Brandt und Köln und Adenauer vorbei und bin fast zu Hause. -With the lights out its less dangerous- naja beim Radfahren nicht. Wie funktioniert nur der blöde shuffle.modus. Immer alphabetisch ist so absehbar…


Der Rettich (reloaded)

Geschrieben von Richard am 23 Jul 2007 |

Der weisse Bierrettich (lat. Raphanus sativus niger albus) scheint so etwas wie der heilige Gral des Einzelhandels zu sein. Er ist aber auch ein Indikatorgemüse: wer’s kennt hat mindestens fünf Jahre Kassenerfahrung. Neulich habe ich mal wieder eine von diesen weissen, eigentlich relativ unspektakulären Wurzeln gekauft. An der Kasse war die junge Dame wieder total überfordert, wie ich das schon vor Jahren erlebt hatte:

“Das is’n Rettich, oder?” der gleiche hilflose Blick wie seinerzeit.

“Ja.”

“Einsneunundsiebzich? Kommt das hin?”

“Nee, neunzehn Cent” “Könnte stimmen.”

“Ok.” Unsicheres Lächeln und Erleichterung im Ausdruck.

Irgendwie habe ich das Gemüse, dass bei mir im Sympatiewert irgendwo zwischen Möhre und Kürbis liegt1, inzwischen echt lieb gewonnen. Werde weiter Rettiche kaufen, nur um zu sehen, ob die Gemüsekenntnisse an diesem Punkt signifikant schlechter sind, als bei Bananen und Lauch.

..tu bi continued…

  1. geht so []

EU-Generalanwältin zur Vorratsdatenspeicherung

Geschrieben von Richard am 20 Jul 2007 |

Interessante Verlautbarung zum deutschen Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung, dessen Vereinbarkeit1 mit Grundrechten und die Zulässigkeit2 der Verwendung von Daten aus der VDS zur Strafverfolgung.

  1. oder eben Nichtvereinbarkeit []
  2. Nichtzulässigkeit []

Tom Waits

Geschrieben von Richard am 20 Jul 2007 |

Ich höre schon weit zwei Wochen Tom Waits, nachdem ich endlich mal ein bissel mehr über den Künstler erforscht habe. Erster Berührungspunkt war der Song, der eine Kneipenszene in Fight Club untermalt. “Goin’ out West”. Auf der selben Platte (Bone Machine) habe ich auch meinen derzeitigen absoluten Favorite gefunden: “Black Wings”. Ein melancholisches, rastloses Stück, das von Waits’ Stimme (wie die meisten seiner Stücke) dominiert wird. Eine dezente Gitarre bildet die unaufdringliche aber präsente Hülle um dieses markante Organ. Das ganze gebettet auf Drumms, die nur in den richtigen Momenten Akzente setzen. Unglaublich perfekt.


Sinkewitz

Geschrieben von Richard am 18 Jul 2007 |

Mal wieder Doping beim Radsport. Bei der Tour de France. Im T-Mobile-Team. SpOn titelt “Fall Sinkewitz: Positive A-Probe erschüttert den Radsport“. Erschüttert? Das kann mich nicht mal mehr überraschen! Jedem, der die Geständnisse der letzten Wochen und Monate gesehen oder gelesen hat, musste klar sein, das die Methoden des Doping sicher feiner werden würden aber ein Radsport ohne Doping eine schlichte Utopie ist, solange dort viel Geld verdient wird. Bezeichnend ist auch das Statement des Teamchefs des T-Mobile Teams Bob Stapleton auf die Frage warum Doping in einem Team möglich ist, dass nach eigenen Angaben das härteste interne Kontrollprogramm aller Profiteams hat: “Wir führen keine Anti-Dopingtests im Team durch. Das liegt in der Verantwortung der deutschen Nationalen Antidopingagentur und der anderen Anti-Dopingagenturen. Wir kontrollieren das Blutvolumen und führen langfristrige Tests durch, aber wir testen nicht intern auf Testosteron. Wenn wir Antidopingtests im eigenen Team durchführen würden, könnte man uns vorwerfen, dass wir gezieltes Doping betreiben und das Verhalten der Fahrer damit steuern.” Na prima. Bei internen Testosteron-Tests1 wäre aber der dopende Radler aufgefallen. Und der PR-Gau vielleicht zu verhindern gewesen. Wenn die Teams keine internen Antidopingtests durchführen, kann man ihnen zumindest vorwerfen, unerlaubte Mittel zu billigen. Wie wäre es mit einer Selbstverpflichtung zu interen Kontrollen durch unabhängige Labore, finanziert von den Teams und mit Veröffentlichung der Ergebnisse? Was ist mit strafrechtlichen Konsequenzen für die dopenden Sportler? Die gesundheitlichen Risiken halten die “Athleten” ja offenbar nicht von diesem Wahnsinn ab. Und irgendwie ist hier ja auch der Tatbestand des Betrugs erfüllt, oder?

Konsequenz für mich: Hock nicht vor der Glotze und schau dir das Pharmawettrüsten bei der Tour de France an, sondern fahr’ selber Rad. Wenigstens bis zum Biergarten….Prost!

  1. tolles Wort übrigens []

CSU-Rechtsexperte zu Schäubles Vorschlägen

Geschrieben von Richard am 11 Jul 2007 |

Der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis hat im Interview mit dem Deutschlandfunk die Vorschläge von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zur Internierung von Gefährdern und gezielten Tötungen von Verdächtigen verteidigt.

Zunächst stellt Geis die gezielte Tötung von mutmaßlichen Terroristen als mit dem finalen Rettungsschuss vergleichbar dar, lässt allerdings offen, wozu denn eine über dieses ohnehin schon umstrittene Rechtskonstrukt hinausgehende Regelung notwendig sein soll. Zur Abwehr einer unmittelbaren Gefahr ist es auch heute im Rahmen bestehender Gesetze möglich, tötliche Schüsse abzugeben. Diese Regelungen wurden für Geiselnahmen und ähnlich gelagerte Bedrohungssituationen als ultima ratio vorgesehen, in denen eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben auf keinem anderen Wege abzuwehren ist. Welche anderen Fälle könnte man sich konstruieren, in denen diese Regelung nicht ausreichend sein sollte? Mir fällt dazu nichts ein. Herrn Geis offenbar auch nicht:

Wir müssen darüber nachdenken, es kommt unter Umständen eine große Bedrohung auf uns zu. Nun stellen Sie sich mal vor, wir hätten uns keine Gedanken darüber gemacht, wie wir eine solche Bedrohung am besten abwehren, und wir hätten es versäumt, dafür verfassungsrechtliche Grundlagen zu schaffen. Wir müssten uns immer und immer Vorwürfe dann machen.

Vielleicht wäre es schlau, erstmal ein bissel zu denken, bevor man die Erschiessung von Verdächtigen fordert.

Auf die Frage des Moderators, ob Herr Geis denn nun eine gezielte Tötung befürwortet, ist folgendes vom Abgeordneten zu hören:

Wenn Sie aber ganz konkret fragen, ich bin natürlich dafür, dass wir einen potenziellen Aggressor, einen Terroristen, der unser Land bedroht, dass wir den natürlich liquidieren können müssen, sonst setzen wir uns unnötig unter Umständen einem Anschlag aus.

Ich hätte gern gewusst, ob Herr Geis schon ein Bild von einem potenziellen Terroristen hat, welches Raster anzuwenden wäre und welche Erkenntnisse vorliegen müssen, um die gezielte Tötung zu rechtfertigen.

Auch zum Thema Internierung von “Gefährdern” hat sich Herr Geis offenbar nicht die Mühe gemacht, selbst zu denken. Weil ja derzeit der vorbeugende Gewahrsam von bekannten Hooligans während eines Fussballspiels möglich ist, hält es Herr Geis auch zur Terrorabwehr für sinnvoll, die ermittelten Gefährder zu inhaftieren. Dem folgerichtigen Einwand des Moderators, dass der Terrorkampf, anders als ein Fussballspiel, ja eigentlich nie zu Ende sei, begegnet der CSU-Politiker dann auch ein wenig hilflos: desshalb sei es

“ja auch rechtlich ein viel schwierigeres Problem, denn wir werden ja auf Dauer jemandem dann die Freiheit entziehen, indem wir ihn in ein Unterbindungsgewahrsam bringen.”

Dass ein dauerhaftes Wegsperren ohne Prozess nur schwer mit unserer Grundordnung vereinbar sein könnte, dämmert dem rechtspolitischen Sprecher der Unionsfraktion wohl auch. Ohne Prozess geht nach Geis natürlich nur, wenn rechtsstaatlich regelmäßig überprüft wird, ob der potenzielle Gefährder immernoch ein Gefährder ist.

Nochmal: der Mann ist rechtspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Also das Kompetenzzentrum Rechtswissenschaft. Naja, auch Gymnasiallehrer (Germanistik, Geschichte, Erziehungswissenschaften) hatten genug fachliche Qualifikation für das Amt des Finanzministers.

Mal sehen, wann jemand das Folterverbot1 aufgrund der abstrakten Bedrohungslage nicht mehr für zeitgemäß hält.

  1. Artikel 104 (1) GG []

Der Richling als Schäuble

Geschrieben von Richard am 10 Jul 2007 |

Brilliant.

Naja wenigstens die Kabarettisten nehmen die Entgleisungen von Schäuble dankbar auf.


82MegaOhm

Geschrieben von Richard am 10 Jul 2007 |

Unter dieser zugegebenermaßen recht subtilen Überschrift versammelt sich gerade der Widerstand gegen die Pläne des Innenministers, Deutschland in einen Überwachungs- und Poliziestaat zu verwandeln. Auf der gleichnamigen Seite will die Inintiative die vielfältigen Aktivitäten gegen verschiedene Vorstöße der Bundesregierung zur Onlinedurchsuchung, Vorratsdatenspeicherung oder biometrischen Erfassung aller Bürger etc. bündeln. Dafür gibt es nun ein griffiges Symbol: Der Widerstand.

Wer gegen die geplante Online-Durchsuchung ist, heftet sich einen Widerstand (kleines passives Bauteil) an den Hemdkragen, T-Shirt usw. jedenfalls gut sichtbar. Man muss keine Parolen rufen oder Flugblätter verteilen. Wenn Ihr von Freunden, Bekannten, Kollegen oder anderen auf den Widerstand angesprochen werdet, erklärt ihnen um was es geht. Gebt ihnen einen Widerstand, wenn sie eurer Meinung sind und bittet sie mitzumachen bei dem Protest.

Warum einen Widerstand?

Ich hoffe auf große Verbreitung um unser aller Willen. Ich werd jetzt mal meine Grabbelkiste plündern gehen.


BeMerkenswertes

Geschrieben von Richard am 8 Jul 2007 |

Wenn man dir liniertes Papier gibt, schreibe quer über die Zeilen.

Juan Ramón Jiménez

gefunden in Ray Bradbury: Fahrenheit 451


Bibel und Biologie

Geschrieben von Richard am 7 Jul 2007 |

Da lob ich mir eine aufgeklärte naturwissenschaftliche Ausbildung: die hessische Kultusministerin Karin Wolf will die biblische Schöpfungsgeschichte mit auf den Leerplan Lehrplan des Biologieunterrichtes nehmen.
Ihre Parteikollegen Christian Wagner und Ministerpräsident Roland Koch finden das gut.

Wagner sprach sich dafür aus, “zulässige Fragen” von Schülerinnen und Schülern fächerübergreifend zu behandeln. Dazu gehöre “der Schöpfungsbericht als eine allegorische Darstellung der Entstehung der Welt”, der ein Erklärungsmodell unter anderen sei.

Darwin und die Schöpfungsgeschichte stehen dann also gleichberechtigt nebeneinander?! Was sind zulässige Fragen? Gibt es auch unzulässige?

Auch Roland Koch sieht das ähnlich:

Koch plädierte dafür, in der Jahrgangsstufe 12 naturwissenschaftliche und weltanschauliche oder religiöse Erklärungen der Welt zu vergleichen. Es gehe nicht um Mission im Biologieunterricht. Vielmehr müsse über die Frage gestritten werden, was am Ende der menschlichen Erkenntnis stehe: die weitere Suche oder der Glaube. Koch nannte es auch einen “Schutz vor Fundamentalismus” für Jugendliche, wenn sie sich mit solch strittigen Fragen in der Schule auseinandersetzen könnten.

Warum schützt es vor Fundamentalismus wenn junge Leute in einem naturwissenachaftlichen Fach Weltanschauungen diskutieren? Das gehört in Ethik und Philosophie. In naturwissenschaflichen Zusammenhängen hat das nichts zu suchen und wenn schon, dann aber bitte auch das hier mit aufnehmen.


Schäuble und das Grundgesetz

Geschrieben von Richard am 7 Jul 2007 |

In einem Interview, das unser Innenminister dem Spiegel gegeben hat, lässt er uns auch an seinen Ideen teilhaben, die er über die (potenziell verfassungswidrige) Vorratsdatenspeicherung und Onlinedurchsuchungen hinaus in der Werkstadt hat. Und das hat es in sich. Herr Schäuble will offenbar von den USA lernen und Terrorverdächtige als “Kombattanten” kurzerhand internieren (Wie das in Guantanamo läuft, wissen wir ja). In dem Zusammenhang verweist er auf den auch jetzt schon möglichen sogenannten Unterbindungsgewahrsam für Hooligans bei Fußballspielen, nicht ohne die engen Grenzen dafür zu bedauern. Harmlos dagen mutet noch das von Schäuble geforderte Telefon- und Internetverbot für die sogenannten “Störer” an.

Aber der Innenminister geht auch noch einen Schritt weiter: auch die “gezielte Tötung Verdächtiger” steht auf seiner Wunschliste. Dies will der gewählte Abgeordnete “möglichst präzise verfassungsrechtlich [...] klären und Rechtsgrundlagen schaffen, die uns die nötigen Freiheiten im Kampf gegen den Terrorismus bieten.”.

Ich frage mich gerade, was es da verfassungsrechtlich zu klären gibt. Artikel 102 GG lautet: Die Todesstrafe ist abgeschaft. Aber hier bringe ich sicher etwas durcheinander, denn Herr Schäuble will ja Verdächtige nicht Verurteilte gezielt töten lassen. Da kann er sich dann auch zu Recht aufregen, wenn man ihm Verfassungsbruch vorwirft.

Warum hält den keiner auf? Der läuft Amok! Gerechtfertigt wird das natürlich alles mit dem Kampf gegen den Terror. Und als Beispiel für eine gezielte Tötung bemüht er dann auch Osama bin Laden. Das ist massenkompatibel und kaum jemand wird verneinen, dass die Schwere seiner Schuld ein solches Vorgehen rechtfertigen würde. Aber wer sind wir denn? Was kommt als Nächstes? Werden als verfassungsfeidlich eingestufte Neonazis oder linke Extremisten mit eben solcher Einstufung ebenfalls zum Abschuss freigegeben? Bisher gab es rechtsstaatliche Grenzen, die Repressalien gegen Verdächtige weitestgehend ausschlossen. Das soll nun alles nicht mehr gelten, weil Terroristen unsere Zivilisation und die westliche Wertegemeinschaft bedrohen. Wenn der Schäuble so weitermacht, ist bald nicht mehr viel übrig von unserem aufgklärten Wertessystem.

Was muss denn noch passieren? Politiker mussten schon wegen deutlich geringeren Vergehen ihre Ämter niederlegen. Warum ist dieser Mann noch Innenminister und warum fordert eigentlich niemand seinen Rücktritt?

PS: Warum stellt der Spiegel eigentlich ausgerechnet die harmloseste der Forderungen im Titel des Artikels heraus?


Pulp Muppets

Geschrieben von Richard am 6 Jul 2007 |

sehr cool.


Der Reaktor brennt (nicht)

Geschrieben von Richard am 6 Jul 2007 |

Im Atomkraftwerk Krümmel bei Geesthacht kam es in der letzten Woche zum Störfall Nummer 15 in den 24 Jahren seit Inbetriebnahme. Zunächst hatten die Betreiber einen Brand in einem der beiden Transformatoren eingeräumt. Dieser Artikel in der Zeit berichtet jedoch unter Bezugnahme auf die Gesellschaft für Reaktorsicherheit etwas detaillierter über die Vorgänge am letzten Donnerstag:

Nach Angaben der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) in Köln waren drei Pannen aufgetreten: Zunächst habe ein Hochspannungsschalter zwischen Kraftwerk und brennendem Trafo nicht ordnungsgemäß unterbrochen, sodass weiterhin Kraftwerksstrom mit 380.000 Volt in die funktionsuntüchtige Umspannanlage floss. Später sei eine Pumpe nicht angesprungen, die die Kernbrennstäbe vor dem Überhitzen schützt. Außerdem hätten Sicherheitsventile, die einen Überdruck im Reaktor verhindern sollen, möglicherweise erst zu spät geschlossen.

Wir haben alles unter Kontrolle. Weiter liesst man da:

Im Normalbetrieb ist die “Reaktorspeisewasserpumpe” dafür zuständig, den Wasserpiegel im Druckbehälter des Reaktors konstant zu halten. In diesem Wasser befindet sich der Uran-Brennstoff. Der erhitzt das Wasser, das an seiner Oberfläche verdampft und im oberen Teil des Kessels als heißes Wassergas aus dem Reaktorgebäude hinaus in die Maschinenhalle geführt wird, wo es die Turbine zur Stromerzeugung antreibt. Für gewöhnlich liegt der Uran-Spaltstoff mehrere Meter unter der Wasseroberfläche, um das Material zu kühlen und eine Kernschmelze zu verhindern. Die Speisewasserpumpe führt dem Behälter immer so viel Wasser zu, wie durch das Abdampfen an der Oberfläche verloren geht. So bleibt der Wasserstand konstant.

Während des Störfalls sei der Spiegel jedoch um ein bis zwei Meter gefallen, sagt Horst May von der GRS.

Ein bis zwei Meter? Meine Güte. Wieviel ist das denn bezogen auf den Gesamtwasserstand im Reaktor?

Im Störfall gehört es offenbar zu den Prozeduren, dass die dann Speisewasserpumpe für den Reaktor aus dem öffentlichen Stromnetz versorgt wird. Nach dieser Umschaltung hat die Pumpe aber gar nicht mehr funktioniert.

Nach einem kurzen Neustart sei sie [die Pumpe] “möglicherweise durch einen Fehler in der Leittechnik” vielmehr dauerhaft ausgefallen.

Fehler in der Leittechnik? Klingt wie der Ausredenabreisskalender eines Systemadministrators. Naja, kann ja mal was ausfallen. Ist ja bestimmt alles redundant ausgelegt.

Nach dem Schaden an der Pumpe sprang jedoch keines der Ersatzgeräte an, wie die GRS berichtet.

Das erinnert mich alles irgendwie an einen Schiffbrüchigen in einer Nussschale mit 10 Löchern, in denen jeweils ein Finger steckt und der immernoch behauptet, es ginge alles prima.

Aber Atomkraft ist eine total tolle und saubere Sache. Und Technik ist unter allen Umständen und immer beherrschbar. Und nach Ansicht der GRS sei zwar nicht alles reibungslos verlaufen, aber im Großen und Ganzen sei das schon alles innerhalb normaler Parameter gewesen. Naja.


Kopfkino und Angsthaushalt (mit lauter Fussnoten)

Geschrieben von Richard am 5 Jul 2007 |

Wer schon mal länger als 3 Minuten mit einer Frau verbracht hat, kenn das Phänomen: Man(n) sitzt gedankenversunken im Liegestuhl einer Strandbar und das Gespräch mit der Begleitung, der man im Idealfall eine nicht unerhebliche Zuneigung entgegenbringt, ist angenehm abgeebbt und irgendwo zwischen ‘war ein harter Tag aber hier ist’s wirklich schön’ und ‘dashamwirunsabbaverdient’ versickert, wie das Wasser in einem Wadi in Nordafrika. Man(n) geniest den lauen Sommerabend, nippt am zwar total überteuerten aber wenigstens kühlen Bier und ist sich selbst genug. Reden ist nicht nötig.

Man(n) glaubt sich und die Welt ringsum in bester Ordnung und gibt sich dem trügerischen Gefühl hin, der weiblichen Hälfte ginge es mindestens genau so. Da braut sich aber schon Schlimmes hinter der schönen Stirn der Angebeteten zusammen. In der Zeit, die Man(n) mit süssem Nichtsdenken verschwendet hat, war die Zeitbombe im benachbarten Liegestuhl gar nicht faul und hat sich eine nette kleine Wirklichkeit nach watzlawickschem1 Vorbild gezimmert, ohne auch nur ein einziges Mal zwischendurch einen Realitätsabgleich vorzunehmen, geschweige denn das Ziel ihres unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs mit Zwischenergebnissen ihres Denkens vorzuwarnen.

“…ja dass passt Dir wieder hervorragend in den Kram! Du hast Zeit mit den Jungs am Samstag zum Spiel zu gehen und ich muss mich im Fitnesscenter abplagen!” schleudert Sie mir in deutlich ungehaltenem Ton entgegen.2 Aus dem Nichts. Ich hebe langsam mein Bier wieder auf (das ich fallen gelassen habe) und stammele reflexartig: “Tutmirleid…” Was aber war passiert?

Nachdem sich direkt vor uns eine Gruppe junger, sportlicher Studentinnen niedergelassen und ich meine Sonnenbrille nicht abgenommen hatte, war der Anlass da und die Holde an meiner Seite begann frei zu assoziieren. Das ging ungefähr so:

Die sind schlank; Ich bin fett; Er guck denen hinterher; Ich bin für ihn nicht mehr attraktiv; Ich muss abnehmen; Hab nur Samstag Zeit, aber keine Lust auf Sport, verdammt!; Wenn ich weg bin, geht er mit den Jungs zum Spiel und hat Spass und ich nicht…

Natürlich war es ein grober Anfängerfehler angesichts der potenziellen Konkurrenz nicht ein bis acht ihrer Vorzüge hervorzuheben oder wenigstens eine Ihrer Ideen zu loben (dezent und glaubwürdig, versteht sich: “Hase, ich hab nachgedacht, Kauf ruhig das neue Geschirr, 24 zusammenhängende Gedecke kann man immer mal gebrauchen!”) Das hätte definitv deeskaliert aber vor dem Hintergrund der relaxten Stimmung ist das Versagen zumindest erklärbar.

Kernproblem aber ist das Weiterspinnen der Gedanken unter fehlender Einbeziehung der (potenziellen) Gesprächsteilnehmer.

Anderes Beispiel abseits der Beziehungsebene: Im Geografieunterricht der 8.Klasse (glaube ich) ging es um die natürlichen Ressourcen der RGW-Länder.

Lehrer fragt: “Von welchem Bodenschatz hat Ungarn bedeutende Vorkommen?”

Schüler antwortet: “Bauxit!

Lehrer: “Richtig. Und was machen die daraus?”

Schüler: “Ikarus-Busse!3

Yeah! Eigentlich nicht gänzlich falsch aber eben unter Auslassung von einigen wesentlichen Zwischenschritten.

An selbiges Phänomen dachte ich gestern, als ich ein Statement von Sigmar Gabriel zum Klimagipfel im Radio anhören musste4, der ungefähr Folgendes von sich gab:

“Der Ausstieg aus der Atomkraft gibt den Bürgerinnen und Bürgern ein größeres Sicherheitsgefühl und wenn sich die Bürger sicher fühlen, kaufen sie sich neue Autos, die dann weniger Benzin verbrauchen.”

Ha! dachte ich im ersten Moment. Da hat er im falschen Moment ein Mikro unter die Nase gehalten bekommen (vgl. oben). Dann, nach kurzem Nachdenken: Aber nein! Das meint der wirklich so! Doppelter Umweltschutz. Weniger Atommüll und weniger CO2. Das da nicht schon eher jemand drauf gekommen ist. Das ist so brilliant. Dann aber begann das Grübeln: Warum zur Hölle sollte mich das neu gewonnene Sicherheitsgefühl dazu veranlassen, ein neues Auto zu kaufen?

Diese Denkaufgabe ist in der Tat für Fortgeschrittene. Dazu zunächst ein wenig Theorie: Seit Anbeginn der Menschwerdung ist Angst eine der elementaren Erfahrungen, die jedes Individuum (bewusst)5 durchlebt. Die Angst ist in erster Linie ein Schutzreflex, der uns in grauer Vorzeit davor bewahrt hat, vom Säbelzahntiger gefressen oder in die benachbarte Höhle verschleppt und dann verheiratet versklavt zu werden. Angst löst Fluchtreflexe aus, sorgt für zusätzliches Adrenalin und mobilisiert physische und psychische Reserven. Angst kann aber auch Individuen überfordern. Deren Angsttoleranz ist dann überschritten und der Angsthaushalt6 ist überlastet. Die Angsttoleranz ist eine individuelle Größe, die gleichsam das maximale Volumen des Angsthaushaltes beschreibt unter Einbeziehung der subjektiven Angstintensität. Idealzustand ist ein gerade eben gesättigter Angsthaushalt. Davon spricht man, wenn der Angshaushalt zu etwa 80% gefüllt ist und die Angstreserve (die oberen 20%) verfügbar bleibt.7

Liegt der Angstpegelstand dagegen deutlich unter dem Idealmass, wenden sich Testpersonen8 schnell und reproduzierbar gefährlichen Freizeitbeschäftigungen9 zu, die in aller Regel aber Kosten verursachen, die am Ende auf die Solidargemeinschaft verteilt werden müssen.

Hier kommt nun wieder Sigmar Gabriel10 ins Spiel. Die fehlende Bedrohung durch Atomkraft und das dadurch entstehende gefährliche gesamtgesellschaftliche Angstdefizit soll nun nach Plänen der Bundesregierung11 durch ein Substitutionsprogramm abgefedert werden. Dieses Substitutionsprogramm ruht im Wesentlichen auf zwei Säulen:

.1 Überwachungsstaat

.2 Autofahren für alle

Für Punkt .1 wird auch ergänzend Terrorgefahr bemüht. Aber hier haben Tests gezeigt, dass damit nicht die erwünschten Substitutionswirkung erzielt werden konnte. So hat man kurzerhand den ersten Therapieversuch (Terrorgefahr) als Rechtfertigung für den Zweiten (Überwachungsstaat) hergenommen. Sehr schlau das.

Punkt .2 funktioniert immer. Ein neues Auto füllt den Angsthaushalt mit mehreren kleinen, gut doiserbaren Ängsten auf wie Verlustangst, Zerkratzangst oder auch Der-Nachbar-hat-ein-Größeres-Angst usw. Damit diese Strategie auch aus dem Mund des Bundesumweltministers glaubwürdig klingt, weist er noch vorsichtig darauf hin, dass die neuen Autos natürlich zur Schadstoffreduzierung beitragen. Damit ist die Saat gelegt (Der Bürger, der das anhört, denkt: ‘Mensch, ein neues Auto habe ich mir wirklich verdient, und jetzt wo die Atomkraft weg ist…’), die Autoindustrie gestützt und der Angsthaushalt gesamtgesellschaftlich kostengünstig verträglich reguliert.
Der Atomausstieg ist ein deutlich komplexeres Problem, als das diese Ökoheinis immer wahrhaben wollen. Da muss man schon mit einem Konzept rangehen.

Faszinierend oder? Selten sind Statements von Politikern einfach nur Geschwafel. Die habens drauf. Auch wenn uns das nicht gleich offenbar wird.

  1. Paul Watzlawick, Wie wirklich ist die Wirklichkeit. Wahn, Täuschung, Verstehen. Piper, München 1976, ISBN 3-492-02182-4 []
  2. ‘What the fuck…?’ []
  3. Richtige Antwort wäre Aluminium gewesen []
  4. obwohl ich mit nicht mehr sicher bin, ob ich da nicht halluzinierte []
  5. das unterscheidet uns vom Tier []
  6. Fachwort []
  7. Darüber wird allerdings auf Angstkongressen und in der freien Amatuerangstszene teilweise sehr kontrovers diskutiert []
  8. das haben klinische und auch empirische Studien eindeutig gezeigt, vgl. dazu Prof.Dr. Friedbert Angst-Hase []
  9. Günxmurfl []
  10. als Teil der Bundesregierung, die hier eng verzahnt agiert []
  11. gewöhnlich gut informierte Kreise haben mir diese Informationen zugespielt []

Mehr Überwachung gegen den Terror

Geschrieben von Richard am 2 Jul 2007 |

Angela Merkel und auch Wolfgang Schäuble haben die (vereitelten) Terroranschläge von London wie erwartet zum Anlass genommen, erneut Onlinedurchsuchungen, erweiterte Videoüberwachung an “besonders gefährdeten Orten” und den Einsatz der Bundeswehr “im Zusammenhang mit terroristischen Gefahren in ausgewählten Bereichen” zu fordern. Diese Ansage kam so logisch wie folgerichtig und ich hätte ne Menge Geld mit Wetten darauf gewinnen können.

London ist eine Stadt mit eine der größten Dichten von Überwachungskameras überhaupt. Das Abstellen der Autobomben hat das aber nicht verhindert. Dass die Bomben keinen Schaden angerichtet haben, verdanken wir schlicht der Tatsache, dass diese nicht wie geplant funktionierten. Wenn jemand in welcher Innenstadt auch immer ein Auto mit einer Bombe parkt und dass dann in die Luft sprengt, kann das keine wie auch immer geartete Videoüberwachung verhindern. Vermutlich kann man die Täter auf den Videos im Nachhinein identifizieren. Aber was hat das mit Prävention zu tun? Auch die Anschläge von London im Juli 2005 sind durch Kameras nicht zu verhindern gewesen.

SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler wird im selben Artikel mit der überaus klugen Überlegung zitiert, diese Überwachungsmaßnahmen könnten auf die Täter abschreckend wirken. Nunja, das darf man zumindest bezweifeln. Es handelt sich hier schließlich nicht um Einbrecher, die unerkannt mit ein paar Schmuckstücken entkommen wollen. Das sind Terroristen, die das Publikum brauchen. Denen geht es darum, Angst und Schrecken zu verbreiten. Kameras sind dabei höchst willkommen. Die Anschläge vom 11.September haben auch desshalb eine so breite Wirkung auf die westliche Welt entfaltet, weil wir alle live erlebt haben, was da passiert ist.

W olfgang Bosbach (CDU) geht es dabei nicht um eine flächendeckende Überwachung, sondern nur um “ein paar besonders dramatische Fälle auch im Zusammenhang mit Kinderpornografie”. Für eine nicht flächendeckende Überwachung gibt es genügend gesetzliche Regelungen. Mit einem richterlichen Beschluss können Verdächtige auch heute schon überwacht werden. Und was hat Kinderpornografie, so richtig deren Bekämpfung auch sein mag, mit dem internationalen Terrorismus zu tun? Was kommt als nächstes? Kann auch für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität verdachtsunabhängig überwacht werden? Bei Kreditbetrug? Falschparken?

Schlimm ist, dass Entscheidungsträger zu Hauf in die falsche Richtung rennen und mit ihrem Überwachungsaktionismus letztlich gar nichts erreichen. Ein einigermaßen intelligenter Terrorrist wird sich weder von Überwachungskameras, noch von Onlinedurchsuchungen oder biometrischen Ausweisen vom Bomben abhalten lassen. Er geht einfach in einen Baumarkt und kauft sich alles, was er für eine Bombe braucht, baut in seiner Garage das Zeug in ein Auto ein und parkt das Ganze in irgendeiner Innenstadt. Die Anleitungen dazu hat er übers Internet gefunden. Den ideologischen Unterbau auch. Und zwar vollkommen anonym. Dazu muss er nicht mal das Land verlassen. Dafür braucht er keinen Pass mit biometrischen Merkmalen. Und unsere Behörden haben 82 Millionen Fingerabdrücke, nur die vom Terroristen sind nicht dabei.


VDS V: Ottmar Schreiner

Geschrieben von Richard am 2 Jul 2007 |

Nach einer kleinen Pause ist bei mir das nächste Antwortschreiben eingetroffen. Damit liegen nun nach knapp 2 Wochen 4 von möglichen 4481 Schreiben vor. Ottmar Schreiner hat offenbar ebenfalls gravierende Bedenken angesichts er geplanten Gesetzgebung zum Thema Vorratsdatenspeicherung. Hier der Text:

Sehr geehrter Herr *****,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 20. Juni 2007 mit Ihren interessanten Argumenten
und Einwänden gegen die geplante Vorratsdatenspeicherung. Was die heimliche Online-Durchsuchung von Privatcomputern und die Sammlung von Telefondaten anbelangt, unterstütze ich die Datenschützer der Länder und des Bundes, die sich vehement gegen die geplante heimliche Durchsuchung mit dem Argument gewandt haben, dass diese Vorhaben auf Bundes- und Länderebene verfassungswidrig seien. Denn, soweit ich informiert bin, reichen die gängigen Ermittlungstechniken zur Terror- und Kriminalitätsbekämpfung vollkommen aus.

Wie Sie mit Sicherheit informiert sind, hat auch der Bundesgerichtshof (BGH) das heimliche Ausspähen von Computern über das Internet durch staatliche Ermittler wegen fehlender Rechtsgrundlage Anfang Februar verboten. Allerdings steht im geltenden Recht der Schutz der Privatsphäre der Bürger im Mittelpunkt. Dieses Grundrecht zwecks Terror- und Kriminalitätsbekämpfung einzuschränken, halte ich weder für vernünftig noch strebenswert.

In diesem Sinne und mit freundlichen Grüßen

Ottmar Schreiner

Berlin, den 02. Juli 2007

  1. alle abgeordneten der SPD und CDU/CSU-Fraktionen []

DarwinAwards: Falsche Zeit, Falscher Ort

Geschrieben von Richard am 1 Jul 2007 |

In loser Folge gibts hier Geschichten, die ich auf DarwinAwards gefunden habe. Heute diese:

Washington. Im Februar 1990 traf ein offenbar vollkommen unerfahrener Räuber einige folgenschwere Fehlentscheidungen:

1. Sein Ziel war H&J Leather and Firearms. Ein Waffenladen.

2. Der Laden war voller Kunden. Kunden mit Waffen.

3. Um in den Laden zu kommen, musste der Räuber um einen Streifenwagen der Polizei herumgehen, der vor dem Geschäft parkte.

4. Der uniformierte Beamte stand am Verkaufstresen und war gerade bei seiner Kaffeepause.

Der Möchtegern-Räuber betrat das Geschäft, sah den Polizisten, feuerte ein paar mal in die Luft und schrie: “Das ist ein Überfall!!” Der Polizist und der Verkäufer erwiderten das Feuer, gedeckt von einer Reihe bewaffneter Kunden und entfernten so den armen Kerl aus dem Genpool.

Sonst wurde niemand verletzt.

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