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Hackenporsche

geschrieben von Richard on 29 Jun 2007

An einem Frühlingsnachmnittag im April, der schon erstaunlich warm war, saß ich einmal auf einer Bank in der Magdeburger Innenstadt und beobachtete die vorüber ziehende Bevölkerung. Mich befiel chronisches Schmunzeln ob der dargebotenen Kleinode der (unfreiwilligen) Körperkunst. Die ersten warmen Tage des Jahres ermuntern die Menschen offenbar, ihre im Winter etwas runder gewordenen, kalkweissen oder auch krebsroten Leiber den anderen Eingeborenen zum Geschenk zu machen. Bauchfreie Tops und viel zu kurze, viel zu enge Röcke folterten das Auge des leidenswilligen Betrachters.

Ein junges Mädchen, dass als Gesamtkonzept im Gegensatz zu den anderen Matronen durchaus zu gefallen wusste (jedenfalls mir), kam auf Inlinern relativ geschmeidig durch die Fußgängerzone gerollt und bescherte mir einen kurzen aber nicht minder schönen Tagtraum, bis das Verblüffende geschah: ein mir gegenüber sitzender Rentner hatte neben sich an der Stirnseite der Bank eine dieser Taschen geparkt, die mit Rollen ausgerüstet sind und mit einem Griff gezogen werden können (die Bezeichnung “Hackenporsche” habe ich dafür mal gehört). Diese Tasche war grau und oben offen und bildete ein perfektes Rund. Das junge Mädel auf Inlinern hatte offenbar Sekunden bevor Sie an dem alten Mann vorbei rollte, festgestellt, dass das Eis in der Geschmacksrichtung Malaga (oder irgendwas anderes ekliges), das sie sich ein paar Minuten zuvor beim Italiener an der Ecke gekauft hatte, doch nicht soo toll schmeckte. So entsorgte Sie die Tüte mit einer ziemlich lässigen Handbewegung im Vorbei rollen in einen der Papierkörbe, die oft neben den Bänken in Parks stehen und fuhr geschmeidig ihres Weges. An dieser speziellen Bank stand die Mülltonne jedoch am anderen Ende und so landete die halbe Eistüte im Hackenporsche des Rentners, der so verblüfft war, dass er fast kollabierte.

Die Gutgebaute hat nicht mal gemerkt, was sie da getan hatte und rollte ihres Weges und der Rentner begann mit der üblichen Verzögerung zu schimpfen. Es war hart für mich, nicht vor Lachen zusammenzubrechen und so den geballten Zorn des mit Gehhilfe ausgestatteten älteren Herrn auf mich zu ziehen. Als ich etwa 30 Minuten später dann auf meine Verabredung traf, sah die mich fragend an, weil ich immer noch Tränen in den Augen hatte.

1 Comment »

Cpt. Frank:

Ooh – wie ich diese für den Besitzer zweifellos praktischen Gepäckstücke hasse. Besonders in folgender Situation: Bahnhof, einfahrender ICE. Gemeinsam mit anderen Fahrgästen verlässt man den Zug. Auf dem Weg zur für den Wechsel des Bahnsteigs vorgesehenen Treppe findet sich vor einem garantiert jemand mit diesem wadengefährdendem Gerät und wechselt ständig die Spur. Und da der Blick stier nach vorn gerichtet ist, entgeht diesem Extremitäten-Terroristen natürlich, wer sich hinter ihm befindet und wem er mit dem ausschwenkendem Behältnis die Beine wegsenst.

August 13th, 2007 | 15:29
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