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Innenansicht eines Kneipenmuckers

geschrieben von Richard on 27 Jun 2007

Vor einiger Zeit habe ich mal in einem bekannten deutschen Ostseeferienort ein kleine Gruppe (3) Musiker bewundern dürfen, die in einer durchschnittlichen Kneipe, deren Thema offenbar die Verherrlichung eines Südstaaten-Saloons der Bürgerkriegszeit war, ihr Geld verdienen mussten. Die drei waren mit zwei Gitarren und einer Stimme ausgestattet und dazu verdonnert, die dumpfe, dröge Menge, die biersaufend immerwieder den einen Song forderte, einen Abend lang zu beschallen.

Die Mucke war ehrlich und handwerklich gut. Und in kurzen Momenten sah man sogar Innenansichten der Protagonisten, wenn beispielsweise der mittelalterliche Gittarist 1 mit halb geschlossenen Augen und vorgeschobenem Unterkiefer bei gesenktem Kopf ein Solo spielte, war klar, dass das nicht auf dem Notenzettel stand und nicht nur Handwerk, sondern Kunst war. Dann war es gut. Nur das Gelärme und Gewürge der “heute-ist-Samstag-und-ich-besaufe-mich-Stammgäste” rings um war mindestens respektlos und ignorant. Zustimmung erhielt der Musiker dann einzig für seine Bemerkung: “Schön laut wa’?!” Die sind eben nur begeistert, wenn sie den “Künstler” aus dem Fernsehen kennen und/oder viel Geld dafür bezahlt haben.

Ich komme darauf, weil ich das mal wieder gesehen hab. Ganz große Kunst und vor allem Leidenschaft und Seele.

Nicht das der Gitarrist entfernt so genial gewesen wäre wie Jimmy Page, aber etwas einte sie: Die Bereitschaft, alles in das Spiel zu legen, jedes bisschen Persönlichkeit mit allen Gefühlen, die dazu gehören. Musik ist, wenn sie gut ist, auch immer ein Fenster in die Seele des Musikers. Das bewundere ich ehrlich. Zum Abschied sagte der Gitarrist in der Südstaatenverehrungskneipe noch: “Wir geben euch unsre Seele und Ihr gebt uns Euer Geld.” Leider hatte er an diesem Tag seine Seele Leuten angedreht, die damit mehrheitlich nichts anfangen konnten.

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