Confed-Cup als VIP
geschrieben von Richard on 3 Mai 2007
In 2005 hatte ich die Chance das ConfedCup-Spiel Mexico-Brasilien als VIP mitzuerleben. Hier der Bericht, wie ich ihn seinerzeit mit der unverholenen Absicht anzugeben, an Freunde verschickt hatte:
Fussball war schon geil. Auch der ganze Vip-Zauber ringsrum. Inzwischen hab ich auch rausgefunden, warum diese VIP-Kacke veranstaltet wurde. Die FiFa hat an Firmen diese Promotionangebote/-geschenke ausgeteilt, um die Paketangebote für Firmenkunden für die Fussball-WM für teuer Geld zu verticken. Als Präsentation der Services, die im nächtsten Jahr den Inhabern ebensolcher Tickets angedient werden. Und da wurde ne Menge geboten.
Erstmal war es schon sehr cool, mit meinem alten, dreckigen, vogelbekacken Golfi mit einer Superdupervipparkplatzsondergenehmigung durch alle Absperrungen bis direkt ans Stadion zu fahren.
Polizist an der ersten Sperre:
“Keine Chance hier kommt ihr nicht mehr durch, alles voll” Casten (leiert Scheibe ein bissel weiter runter): “Naja, wir haben hier so eine VIP-Karte…” Bulle (lächelt, denkt vermutlich: ‘Wo haben DIE denn sowas her’): “Na Jungs, dann klemmt die mal schön in die Scheibe. Viel spass!” Wir hätten uns einen Porsche Boxter mieten sollen.
Dann mindestens vier Sicherheitschecks, bei denen das Personal immer schöner, weiblicher und freundlicher wurde.
Erste Stufe: solariumsverkokelte Schränke in schwarzen Anzügen, Sonnenbrille, Beule in der Jacke und Mann im Ohr. Böse gucken mussten die nicht mehr üben. Eintrittskarte (ich sollte wohl sagen: VIP-ticket) abgerissen. Körperchen abgetastet, wohlwollend genickt, weil ich meinen Sprengstoff im Auto gelassen hatte.
Zweite Stufe: freundliche Türaufhaltedamen, Kontrollblick auf Umhalshaengevipkarte
Dritte Stufe: Colgatelächeln einer ganzen Armee von handverlesenen Hostessen. Umhalshängevipkarte gelocht und rotes Allinclusivearmbändchen angelegt.
Vierte Stufe: Oberchefandentischbringerin fragt uns, wer wir sind. Ich stottere, weil ich schon wieder vergessen hatte, das ich für den “Verband der Metall- und Elektorindustrie Sachsen-Anhalt” hier bin, um die Service-Qualität zu testen.
Spätestens hier war ich froh wenigstens ein weisses hemd anzuhaben. Carsten ist besser vorbereitet und zwei Minuten später sitzen wir am Fenster der VIP-Lounge der Haupttribüne und bekommen ein geliertes Gaspacchio mit Büsumer Krabben und Wasabicreme als Vorspeise. Genau richtig nach dem Hochzeitsgelage vom Vortag. Ich trinke literweise Wasser, weil die Sonne genau auf die VIP-Lounge draufknallt und Treibhausklima erzeugt. Das ist dann auch der einzige Minuspunkt: Klimatisierung der Lounge ist nicht der Hammer.
Carsten trinkt Bier und wir gucken sonnenbebrillt die enthusastischen brasilianischen und mexicanischen Fans auf den billigen Plätzen (die sooo billig sicher auch nicht waren) an. Nach dem Essen (Buffet mit glasierter Kalbshaxe, gebratenem Zander, Stubenküken und allerlei leckeren Nudeln und Gemuesen, nicht zu vergessen die besten Desserts, die ich je gesehen hab, ich bin froh das mein Magen wieder ok ist und esse 3 davon) nehmen wir unsere gepolsterten Sessel ein (nicht diese Hartschalenfoltersitze, bei denen man immer ein Kissen mitbringen muss). Die Plätze liegen 15 Meter vom Spielfeldrand entfernt schräg hinter der brasilanischen Auswechselbank. Wir können also ganz gut sehen. Das Stadion ist ausverkauft und die Leute sind gut drauf.
Das Spiel ist nicht das Beste, was der Sport zu bieten hat, aber schon allein desshalb interessant, weil der Schiedsrichter eine inakzeptable Leistung bietet. Wenigstens dürfte das Spiel desshalb in die Geschichte eingehen, weil der Schiri einen Elfmeter für die Mexicaner zwei mal wiederholen lässt. Der erste ging rein, der zweite an die Latte und der dritte in die Hände des brasilianischer Tormannes. Der unglückliche Schütze macht dann aber mit einem Kopfball in der zweiten Hälfte alles wieder gut. Die Brasilianer bekommen ein Abseitstor nicht zugesprochen und verlieren. Einmal läft eine Laola-Welle acht mal durch das Stadion, nachdem das vorher ein paar mal am VIP-Block gescheitert war.
In der Halbzeit gibt’s Getränke von wieder zahlreichen handverlesenen Hostessen, die aus ihren sicher tonnenschweren Bauchläden mit einem Lächeln Bier und andere Durstlöscher austeilen. Auf den Tischen stehen lecker Mett- und Käsebrötchen. Das Büffet ist immernoch offen. Ich halte mich wieder an die Desserts. Ich stelle fest, das es auch noch VIP’s mit goldenen Armbändchen gibt, die über uns auf der Tribuene rumstehen und noch ein bissel wichtiger sind als wir. Der Kaiser und der Kanzler sind auch da und ein paar andere Very-VIP’s. Auf Ebene zwei dürfen wir aber nicht. Smalltalk mit dem Kanzler wäre dann aber wohl auch ein bissel too much gewesen.
Nach dem Spiel gibt’s Chili con Carne und irgendein Gericht mit schwarzen Bohnen (Mexico-Brasilien eben) und wieder Bauchladenbier.
Wir kommen ganz gut wech. Hannover ist verkehrstechnisch nicht so dicht wie ich befürchtet hatte. Ausserdem sind wir ja auch schnell beim Auto. Kurz vor Eins lieg ich im Bett, nachdem sich die Autobahn irgendwie wie 250km anfühlte, allerdings wenigstens staufrei war.
Alles in allem geiles Event, das man aber privat niemals bezahlen kann (oder will). Äquivalente Karten für die WM kosten im Paket für 3 Spiele und vier Personen etwas über 8.000 Euro. Nach Adam Riese also knapp 700 Tacken pro Nase und Spiel für 2 Gruppenspiele und ein Achtelfinale. Da kann man nur hoffen, das ein Geschäftsfreund einen so nett findet und auf Firmenkosten einläd…für mich stehen die Chancen da aber eher schlecht.