Beatsteaks in der Factory

Geschrieben von Richard am 25 Mai 2007 |

Am 23. Mai hatte ich nach 2 1/2 Jahren live Abstinenz wieder mal Gelegenheit, die Lieblingsband der besten Band der Welt zu erleben. Und ich sage euch: jetzt weiss ich wieder, was mir gefehlt hat.

In der Factory waren sie angesagt. Die ziemlich dreckige, aber immer gut besuchte Location liegt irgendwo in mitten der ehemaligen Areale des Schwermaschinenbaus: wir brauchten eine Weile um dort hinzufinden, weil der Zugang nun hinter einem Zaun lag, an den ich mich nicht erinnern konnte. Nunja unser letzter Besuch in der Factory liegt auch schon ein paar Jahre eine Weile zurück (huestel). Jedenfalls war ein offenbar dort regelmäßig verkehrender junger Mann (der gar nicht so viel jünger war als wir) freundlich genug, uns den Weg zu zeigen. 20 Minuten Weg und einige wirklich beeindruckende Einblicke in alte Fabrikhallen später (muss ich nochmal zum Fotografieren hin!) standen wir dann inmitten einer verpickelten und ungeschickt geschminkten Menschenmenge, deren Durchschnittsalter etwa bei 16 lag (Abitur war ein wichtiges Thema, also waren ein paar auch etwas Älter, vielleicht 18). Die Frisuren der jungen Männer waren sehr tschechisch (Bronko-Kulitschka-Gedächtsnis-Mopp mit Seitenscheitel), die Klamotten angenehm unprätentiös, die Stimmung bestens. Wir alten Säcke wurden neugierig beäugt, aber nicht gemobbt.

Die Security war so nachlässig wie sonst nie, aber den Gören trauten die wahrscheinlich einfach keinen gepflegten Krawall zu. Also ab rein. Das erste Bier verdampfte quasi beim ersten Kontakt mit den durstigen Kehlen. Beim Zweiten fing die Vorband an. Schon wieder vergessen wer das war, jedenfalls waren die Drei gut unterwegs und heizten schon mal ordentlich ein. Schneller, harter Punkrock. Nette Mucke. Keine Offenbarung aber aller Ehren wert. Allein der Sound war ein bissel schwach. Nicht zu leise aber zu breiig, zu undifferenziert, zu sehr Lärm. Das lag offenbar an der Technik. Aber der Support darf ja auch nicht perfekt klingen. Und schon gar nicht besser als der Hauptact. Unnötig war nur der Anbiederungsversuch der Drei, die behaupteten aus der Umgebung von MD zu kommen, obwohl nur Wenige so blöd waren, das zu glauben.

Dann gings los. Und wie. Kaum waren die Rhytmusschnitzel auf der Bühne, tobte der Saal. Es ist für mich immernoch ein bissel unheimlich, wie das geht. Ich hab das vor drei Jahren schon mal in Erfurt erlebt und war damals schon von den Socken, welch direkter Draht zwischen Band (in Persona Arnim) und Publikum besteht. Wer schon mal das unwürdige Schauspiel eines sich abrackernden Musikers beobachtet hat, der es nicht schafft, auch nur eine winzige Reaktion des Publikums zu provozieren, der kann bei dieser Band das komplette Gegenteil erleben. Vom ersten Song an waren die Massen da.

Auch wenn Limbo Messiah nicht eine wirkliche Offenbahrung ist (hab mir die Scheibe im Vorfeld des Konzerts ein paar mal angehört) ist das Live immernoch eine komplett andere Welt. Es wurde viel Altes gespielt, das kam auch am besten an. Und die Jungs rocken. Rampensäue vom feinsten, die mit dem Publikum spielen, flirten es aufbauen und wieder chillen, um dann umso brutaler zuzuschlagen.

Wir sind jedenfalls gehüpft wie mit zwanzig und ich war erstaunt, wie hoch ich noch springen kann. Einmal hat Arnim das Publikum hinhocken lassen. Innerhalb von 30 Sekunden war der ganze Saal down und dann sind alle auf Komando aufgesprungen. Hammer. Diverse Klettereinlagen waren natürlich auch Pflicht. Alles in allem mal wieder ein echtes Highlight. Der Sound war nicht perfekt, aber wen stört das schon angesichts der unglaublichen Stimmung. So wird das Magdeburger Konzert in guter Erinnerung bleiben, wenn es auch nicht ganz so beeindruckte, wie das im Erfurter Spot.

Dort gab es noch die Geschichte mit dem Surfbrett auf dem Publikum, auf dem ein junger Drummer aus dem Publikum nach einer gelungenen Einlage surfen durfte. Dort tropfte schon nach ungefähr zwei Songs das Wasser von der Decke. Wir zogen mindestens zwei völlig entkräftete Mädels aus den Massen und waren hinterher selber so High wie noch nie. Ich hab in meinem nicht mehr so ganz frischen Leben schon ne Menge Musiker live erlebt, aber für das, was die Berliner da nun schon zum zweiten Mal mit mir gemacht haben, habe ich nicht viele Vergleiche. Die Beatsteaks sind zweifellos eine der besten live-Bands, die ich je gesehen hab. Geht hin und seht euch das an, was euch da für moderate 20 Euronen geboten wird. Es lohnt sich wirklich.


Confed-Cup als VIP

Geschrieben von Richard am 3 Mai 2007 |

In 2005 hatte ich die Chance das ConfedCup-Spiel Mexico-Brasilien als VIP mitzuerleben. Hier der Bericht, wie ich ihn seinerzeit mit der unverholenen Absicht anzugeben, an Freunde verschickt hatte:

Fussball war schon geil. Auch der ganze Vip-Zauber ringsrum. Inzwischen hab ich auch rausgefunden, warum diese VIP-Kacke veranstaltet wurde. Die FiFa hat an Firmen diese Promotionangebote/-geschenke ausgeteilt, um die Paketangebote für Firmenkunden für die Fussball-WM für teuer Geld zu verticken. Als Präsentation der Services, die im nächtsten Jahr den Inhabern ebensolcher Tickets angedient werden. Und da wurde ne Menge geboten.

Erstmal war es schon sehr cool, mit meinem alten, dreckigen, vogelbekacken Golfi mit einer Superdupervipparkplatzsondergenehmigung durch alle Absperrungen bis direkt ans Stadion zu fahren.
Polizist an der ersten Sperre:
“Keine Chance hier kommt ihr nicht mehr durch, alles voll” Casten (leiert Scheibe ein bissel weiter runter): “Naja, wir haben hier so eine VIP-Karte…” Bulle (lächelt, denkt vermutlich: ‘Wo haben DIE denn sowas her’): “Na Jungs, dann klemmt die mal schön in die Scheibe. Viel spass!” Wir hätten uns einen Porsche Boxter mieten sollen.

Dann mindestens vier Sicherheitschecks, bei denen das Personal immer schöner, weiblicher und freundlicher wurde.
Erste Stufe: solariumsverkokelte Schränke in schwarzen Anzügen, Sonnenbrille, Beule in der Jacke und Mann im Ohr. Böse gucken mussten die nicht mehr üben. Eintrittskarte (ich sollte wohl sagen: VIP-ticket) abgerissen. Körperchen abgetastet, wohlwollend genickt, weil ich meinen Sprengstoff im Auto gelassen hatte.
Zweite Stufe: freundliche Türaufhaltedamen, Kontrollblick auf Umhalshaengevipkarte
Dritte Stufe: Colgatelächeln einer ganzen Armee von handverlesenen Hostessen. Umhalshängevipkarte gelocht und rotes Allinclusivearmbändchen angelegt.
Vierte Stufe: Oberchefandentischbringerin fragt uns, wer wir sind. Ich stottere, weil ich schon wieder vergessen hatte, das ich für den “Verband der Metall- und Elektorindustrie Sachsen-Anhalt” hier bin, um die Service-Qualität zu testen.

Spätestens hier war ich froh wenigstens ein weisses hemd anzuhaben. Carsten ist besser vorbereitet und zwei Minuten später sitzen wir am Fenster der VIP-Lounge der Haupttribüne und bekommen ein geliertes Gaspacchio mit Büsumer Krabben und Wasabicreme als Vorspeise. Genau richtig nach dem Hochzeitsgelage vom Vortag. Ich trinke literweise Wasser, weil die Sonne genau auf die VIP-Lounge draufknallt und Treibhausklima erzeugt. Das ist dann auch der einzige Minuspunkt: Klimatisierung der Lounge ist nicht der Hammer.

Carsten trinkt Bier und wir gucken sonnenbebrillt die enthusastischen brasilianischen und mexicanischen Fans auf den billigen Plätzen (die sooo billig sicher auch nicht waren) an. Nach dem Essen (Buffet mit glasierter Kalbshaxe, gebratenem Zander, Stubenküken und allerlei leckeren Nudeln und Gemuesen, nicht zu vergessen die besten Desserts, die ich je gesehen hab, ich bin froh das mein Magen wieder ok ist und esse 3 davon) nehmen wir unsere gepolsterten Sessel ein (nicht diese Hartschalenfoltersitze, bei denen man immer ein Kissen mitbringen muss). Die Plätze liegen 15 Meter vom Spielfeldrand entfernt schräg hinter der brasilanischen Auswechselbank. Wir können also ganz gut sehen. Das Stadion ist ausverkauft und die Leute sind gut drauf.

Das Spiel ist nicht das Beste, was der Sport zu bieten hat, aber schon allein desshalb interessant, weil der Schiedsrichter eine inakzeptable Leistung bietet. Wenigstens dürfte das Spiel desshalb in die Geschichte eingehen, weil der Schiri einen Elfmeter für die Mexicaner zwei mal wiederholen lässt. Der erste ging rein, der zweite an die Latte und der dritte in die Hände des brasilianischer Tormannes. Der unglückliche Schütze macht dann aber mit einem Kopfball in der zweiten Hälfte alles wieder gut. Die Brasilianer bekommen ein Abseitstor nicht zugesprochen und verlieren. Einmal läft eine Laola-Welle acht mal durch das Stadion, nachdem das vorher ein paar mal am VIP-Block gescheitert war.

In der Halbzeit gibt’s Getränke von wieder zahlreichen handverlesenen Hostessen, die aus ihren sicher tonnenschweren Bauchläden mit einem Lächeln Bier und andere Durstlöscher austeilen. Auf den Tischen stehen lecker Mett- und Käsebrötchen. Das Büffet ist immernoch offen. Ich halte mich wieder an die Desserts. Ich stelle fest, das es auch noch VIP’s mit goldenen Armbändchen gibt, die über uns auf der Tribuene rumstehen und noch ein bissel wichtiger sind als wir. Der Kaiser und der Kanzler sind auch da und ein paar andere Very-VIP’s. Auf Ebene zwei dürfen wir aber nicht. Smalltalk mit dem Kanzler wäre dann aber wohl auch ein bissel too much gewesen.

Nach dem Spiel gibt’s Chili con Carne und irgendein Gericht mit schwarzen Bohnen (Mexico-Brasilien eben) und wieder Bauchladenbier.

Wir kommen ganz gut wech. Hannover ist verkehrstechnisch nicht so dicht wie ich befürchtet hatte. Ausserdem sind wir ja auch schnell beim Auto. Kurz vor Eins lieg ich im Bett, nachdem sich die Autobahn irgendwie wie 250km anfühlte, allerdings wenigstens staufrei war.

Alles in allem geiles Event, das man aber privat niemals bezahlen kann (oder will). Äquivalente Karten für die WM kosten im Paket für 3 Spiele und vier Personen etwas über 8.000 Euro. Nach Adam Riese also knapp 700 Tacken pro Nase und Spiel für 2 Gruppenspiele und ein Achtelfinale. Da kann man nur hoffen, das ein Geschäftsfreund einen so nett findet und auf Firmenkosten einläd…für mich stehen die Chancen da aber eher schlecht.