Der Rettich
geschrieben von Richard on 13 Okt 1999
Eine wahre Begebenheit aus dem Spar-Markt in der Großen Diesdorfer Str.
Anlässlich eines normalen Montagseinkaufes trug es sich zu, dass ich einen leckeren Rettich im Gemüseregal entdeckte und ihn Zwecks käuflichen Erwerbs in mein Einkaufskörbchen beförderte. Nach dem Einsammeln einiger weiterer Lebensmittel bewegte ich mich zur Kasse und sortierte mit Kaufabsicht alle begehrten Waren ordentlich auf das Transportband. Wie gewohnt bewegte die blonde (!) Kassiererin alle mit einem Barcode gekennzeichneten Waren an dem Lesegerät vorbei; Ein Piepsen signalisierte erfolgreiches Scannen der erforderlichen Daten.
Gemüse hat keinen Barcode und muss aus diesem Grunde der Registrierkasse von Hand gemeldet werden. Da die Kette Spar bei Gemüse eine Politik der Preisdifferenzierung betreibt, wird von den Kassiererinnen Fachwissen bezüglich der Unterscheidung verschiedener Gemüsesorten verlangt. Eine enorme Ausbildungslücke offenbarte sich, als die Kassiererin den Rettich auf dem Band erblickte:
“Was is´ das denne ? ´ne Zuckerrübe ?”
Konfrontiert mit einem derart überragendem botanischen Sachverstand schaute ich die junge Dame einigermaßen irritiert an und mir wurde angesichts ihres hilflosen Blickes sofort klar, dass sie keineswegs versuchte, mich zu verarschen.
Ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Oh, wie gern hätte ich geantwortet:
“Nein, meine Liebe. DAS ist eine Wassermelone!”
Der junge Mann, der nach mir in der Schlange stand, muss wohl meine Gedanken erraten haben. Jedenfalls viel es ihm sichtbar schwer, nicht die Beherrschung zu verlieren.
Meine außergewöhnlich gute Kinderstube gebot mir jedoch, wahrheitsgemäß zu antworten:
“Nein, DAS ist ein Rettich!”
Ausgestattet mit dieser Insider-Information ermittelte die junge Dame nun auch auch ohne zu zögern den Preis und lies mich bezahlen. Ich erntete in der Folge dieser Begebenheit von nicht eingeweihten Passanten auf dem Weg in meine heimatliche Hütte nur verständnisloses Kopfschütteln. Wohl, weil ich manisch grinsend und bisweilen von einem Lachanfall geschüttelt nach Hause wankte, wobei ich immer wieder “Zuckerrübe” vor mich hinmurmelte.